Ernüchterung in Metzingen. Der Modekonzern Hugo Boss muss seine Jahresziele für Umsatz und operativen Gewinn spürbar senken. Die Aktie verlor im frühen Frankfurter Handel prompt 1,7 Prozent an Wert. Bis zum Handelsschluss am Montag stand das Papier seit Jahresbeginn noch mit 7,3 Prozent im Plus.
Der Grund: Eine schwächelnde Nachfrage, anhaltende Marktunsicherheiten sowie steigende Ausgaben für Künstliche Intelligenz und IT belasten die Bilanz.
Das Management erwartet für das laufende Geschäftsjahr nun nur noch ein operatives Ergebnis vor Zinsen (EBIT) zwischen 250 Millionen und 300 Millionen Euro. Zuvor hatte der Vorstand noch bis zu 350 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch beim Erlös müssen die Schwaben zurückstecken. Der währungsbereinigte Umsatz soll im hohen einstelligen Prozentbereich sinken. Bislang ging die Führung von einem Minus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich aus.
Konzernchef Daniel Grieder steckt mitten im zweiten Sanierungsversuch. Bekannt für teure Anzüge und Unterwäsche, kämpft die Marke vor allem mit einer Kaufzurückhaltung in China, US-Handelszöllen und Schwächen in der Damenmode. Grieder verteidigt seinen Kurs dennoch. Die neuen Ziele seien eine realistischere Einschätzung des Marktes. Der Plan steht: Sortimente verkleinern, unrentable Filialen schließen und den Verkauf über Großhändler begrenzen, um Rabatte zu vermeiden.
Frasers Group erhöht den Druck
Während RBC-Analystin Manjari Dhar den Rückzug aus dem Großhandel als wichtigen Schritt für die Margen lobt, steigt die Unruhe auf Eigentümerseite. Die britische Frasers Group um Milliardär Mike Ashley hat ihren Einfluss auf Hugo Boss seit Juni ausgebaut. Frasers-Chef Michael Murray führt seit September den Aufsichtsrat. Entsprechend warnen Experten wie Andrea Ferdinando Leggieri von Bloomberg Intelligence: Wenn die aktuelle Strategie die operative Marge nicht in Richtung der Marke von zehn Prozent treibt, könnte der britische Großaktionär schon bald direkt in das Tagesgeschäft eingreifen.
Auch das Branchenumfeld trübt sich weiter ein. Die Papiere des Berliner Onlinehändlers Zalando sackten zeitweise um 5,5 Prozent ab. Der Grund: Eine schwächere Bruttomarge im dritten Quartal schürt bei Investoren die Sorge vor einer sinkenden Profitabilität im Direktkundengeschäft.
Hugo Boss verliert an Tempo und muss die Realität eines abgekühlten Modemarktes anerkennen. Die Kombination aus weltweiter Kaufunlust und hohen Technologieausgaben engt den Spielraum für Chef Daniel Grieder massiv ein. Anleger bleiben dennoch weiterhin an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Hugo Boss.
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