Trotz eines starken Auftragseingangs ist die Hensoldt-Aktie nach den Zahlen zum ersten Halbjahr am Freitag der schwächste Wert im MDAX. Obwohl die Erwartungen am Markt teilweise sogar übertroffen wurden, ist die jüngste Erholung des Rüstungskonzerns damit vorerst vorbei. Die Bewertung im Branchenvergleich bleibt ein Kritikpunkt.
Der Umsatz kletterte bei Hensoldt im ersten Halbjahr um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA legte sogar 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro zu. Damit stieg auch die Marge von 11,3 auf 11,8 Prozent. Besonders stark bleibt die Auftragsentwicklung. 2,8 Milliarden Euro an neuen Bestellungen kamen in den ersten sechs Monaten 2026 rein, der Auftragsbestand beläuft sich nun auf 10,4 Milliarden Euro. Insgesamt wurden die Erwartungen der Analysten damit übertroffen.
Die Ziele für das Gesamtjahr hat Hensoldt ebenfalls bestätigt. Der Umsatz soll bei rund 2,75 Milliarden Euro liegen, die Marge soll zwischen 18,5 und 19,0 Prozent betragen. Das bedeutet, dass die Margen im zweiten Halbjahr deutlich steigen muss. Laut Konzernmitteilung soll das aber gelingen, da sich Auslieferungen und Abnahmen auf das zweite Halbjahr und insbesondere das vierte Quartal konzentrieren.
Gut läuft es bei Hensoldt unter anderem mit Vertragserweiterungen für die Eurofighter-Mk1-Radare sowie dank Großaufträgen zur Ausstattung der Panzer Puma und Schakal. Optronik und das Geschäft mit Sensoren liefen zuletzt gut. Neben der Bundeswehr haben auch andere europäische Staaten im großen Stil Aufträge an Hensoldt verteilt.
Hohe Bewertung
Dass die Hensoldt-Aktie trotz der über den Erwartungen liegenden Zahlen am Freitag unter Druck steht, hängt auch mit der Bewertung zusammen. Laut JPMorgan-Analyst David Perry sei der MDAX-Konzern das am höchsten bewertete Rüstungsunternehmen in seinem Anlageuniversum. Trotz des „hervorragenden Produktportfolios“ sieht er deshalb bei anderen Werten mehr Aufwärtspotenzial.
Hensoldt hat zuletzt weniger korrigiert als etwa die Wettbewerber Rheinmetall und Renk. Dadurch ist die Bewertung mittlerweile hoch. Die schwache Reaktion auf die Zahlen zeigt, dass hier weniger Luft für eine Erholung ist. Anleger bevorzugen in der Rüstungsbranche nun Rheinmetall. Beim Blue Chip gab es zuletzt gute Nachrichten und ein neues Kaufsignal.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Rheinmetall.
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