Cyberangriffe, Cloud-Ausfälle und Schwachstellen in weitverbreiteter Software könnten für Versicherer zum Milliardenrisiko werden. Hannover-Rück-Chef Clemens Jungsthöfel hält die Preise für entsprechende Policen deshalb teilweise für zu niedrig. Gleichzeitig steht das klassische Rückversicherungsgeschäft wegen sinkender Preise unter Druck.
- Hannover-Rück-Chef Clemens Jungsthöfel hält die Prämien für Cyberrisiken teilweise für nicht ausreichend.
- Ein großer Cloud-Ausfall oder eine Schwachstelle in weitverbreiteter Software könnte enorme Schäden auslösen.
- Im klassischen Rückversicherungsgeschäft drohen 2027 dagegen weitere Preisrückgänge.
Die Digitalisierung macht Unternehmen effizienter – erhöht aber zugleich ihre Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur. Genau darin sieht Jungsthöfel ein wachsendes Geschäft für Rückversicherer. „Das Problem sind in diesem Bereich nicht die vielen kleinen Schäden, sondern ein mögliches großes Schadenereignis“, sagte der Hannover-Re-Chef dem Handelsblatt vor dem Branchentreffen der Rückversicherer in Monte Carlo. Ein solches Ereignis werde kommen, nur sei unklar, wann.
Als mögliche Szenarien nennt der Manager etwa den Ausfall eines großen Cloud-Anbieters oder eine schwerwiegende Schwachstelle in weitverbreiteter Software. Das Problem: „Die Prämien spiegeln hier aber oft nicht die Risiken wider.“
KI erhöht Abhängigkeit von Rechenzentren und Cloud
Mit dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz verschärft sich die Problematik. KI-Anwendungen benötigen enorme Rechenkapazitäten, wodurch die Abhängigkeit von Rechenzentren, Cloud-Diensten und einer vergleichsweise kleinen Zahl großer Anbieter zunimmt.
Für Rückversicherer entsteht damit ein Markt, der noch längst nicht ausgeschöpft ist. Die Hannover Rück verfügt in diesem Bereich bereits über ein Portfolio mit einem Prämienvolumen von rund 500 Millionen Euro. Auch der Rivale Munich Re wittert hier einen Chance. Laut Angaben der Münchner seien 89 Prozent der Unternehmen nicht ausreichend gegen Cyberkriminalität geschützt. Den ökonomischen Schäden im Billionen-Dollar-Bereich stehen bislang lediglich 16 bis 17 Milliarden Dollar an versicherten Schäden gegenüber.
Rückversicherung wird wieder günstiger
Während Cyberrisiken neue Wachstumschancen bieten, sieht sich die Branche im klassischen Schaden- und Unfallgeschäft mit einem anderen Problem konfrontiert: sinkenden Preisen. Beim Treffen in Monte Carlo werden derzeit die Konditionen für die Vertragserneuerungen zum 1. Januar 2027 verhandelt. Nach den starken Preiserhöhungen der vergangenen Jahre ist seit Anfang 2025 wieder ein gegenläufiger Trend zu beobachten.
Kurzfristig dürfte der Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft auf die Margen drücken. Angesichts des breit aufgestellten Portfolios und der Erschließung neuer Geschäftsfelder wie Cyberversicherungen bleibt die Hannover Rück insgesamt aussichtsreich. Aus Sicht des AKTIONÄR ist Munich Re aktuell jedoch die bessere Wahl. Den Grund dafür lesen Sie hier.
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