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Foto: Grenke
09.02.2021 Lars Friedrich

Grenke nach dem Crash: „Keine eigene Untersuchung der Viceroy-Vorwürfe“

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Grenke

Bereits vergangenes Jahr war der Kurs der Grenke-Aktie unter die Räder geraten, nachdem sich der Leerverkäufer Fraser Perring (Wirecard) auf das Unternehmen eingeschossen hatte. Gestern folgte der nächste brutale Einbruch. Anlass: Ein dickes Fragezeichen bei Anlegern nach dem Abgang eines Grenke-Vorstandsmitglieds. Jetzt äußert sich der Aufsichtsratsvorsitzende zu dem Vorgang.

Bislang war nur bekannt, dass Mark Kindermann aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Compliance-Organisation zurückgetreten war. In einem Schreiben an die Investoren geht der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Ernst-Moritz Lipp, nun ins Detail. Unmittelbarer Anlass für Kindermanns Schritt seien Kritikpunkte der BaFin an Prozessen der Internen Revision und der Compliance im Rahmen der laufenden Prüfungen durch Mazars gewesen. Kindermann war für die Bereiche verantwortlich. Er ist womöglich einer Abberufung durch die BaFin zuvorgekommen.

Krasse Kritik

Lipp schreibt: „Im Bereich der Internen Revision betraf die Kritik der BaFin die Qualität von Arbeitspapieren, die Möglichkeit des Vorstandes, festgestellte Mängel verwerfen zu können, die Tatsache, dass die Innenrevision keine eigene Untersuchung der Viceroy-Vorwürfe initiierte, die quantitative personelle Ausstattung der Internen Revision und den bis Anfang des letzten Jahres (2020) eingeschränkten Zugang der Internen Revision zu bestimmten Firmengeheimnissen.“

Und so vernichtend geht es weiter: „Die Kritikpunkte am Bereich Compliance bezogen sich auf prozessuale Schwächen bei der Dokumentation von Related Parties, mangelnde Nachvollziehbarkeit von Aktualisierungen des Compliance-Handbuchs, Infragestellung der Messgrößen für die Bewertung der Compliance-Risiken, unzureichende Dokumentation der schriftlichen Jahresberichte der Compliance-Funktion sowie auch hier eine nicht angemessene personelle Ausstattung der Compliance-Funktion.“

Beruhigungspille

Lipp schreibt aber auch: „Wichtig ist mir zu betonen: Keiner dieser Kritikpunkte der BaFin lässt auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die GuV des Unternehmens schließen.“ Im vergangenen Oktober sei die Interne Revision neu besetzt worden. Seit Jahresbeginn gebe es zudem eine neue Compliance-Verantwortliche. Hier (Link) geht es zum kompletten Schreiben.

Die Aktie dreht nach der Veröffentlichung des Schreibens im späten Handel zeitweise mehr als 8 Prozent ins Plus. Anleger dürften vor allem darüber begeistert sein, dass Lipp keine Hiobsbotschaft zur Grenke-Bilanz überbracht hat. Die Prüfungen beim Unternehmen dauern allerdings noch an. Außerdem ist es ein Armutszeugnis für Grenke, dass sich Kindermann überhaupt solange im Vorstand halten konnte, falls die Vorwürfe gegen ihn zutreffend sind. DER AKTIONÄR bleibt dabei: Es gibt am Aktienmarkt deutlich attraktivere Investments, die mit weniger Fragezeichen verbunden sind.

Grenke (WKN: A161N3)