Kurz nach der Entscheidung der Fed, die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent anzuheben ging es mit dem Goldpreis bergab. Denn steigende US-Leitzinsen gelten traditionell als Gegenwind für den Goldpreis. Der Grund ist einfach: Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.
Wenn sichere US-Staatsanleihen attraktiver verzinst werden, steigen die Opportunitätskosten einer Goldanlage. Anleger können versucht sein, Kapital aus dem Edelmetall abzuziehen und stattdessen in verzinsliche Wertpapiere umzuschichten.
Besonders wichtig ist dabei nicht der nominale Leitzins, sondern die Entwicklung der realen Renditen. Steigen die Anleiherenditen stärker als die Inflationserwartungen, wird Gold tendenziell unattraktiver. Zusätzlich belastet häufig ein stärkerer US-Dollar, weil das in Dollar gehandelte Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer wird. Historisch zeigten sich deshalb oft fallende Goldpreise, wenn die US-Notenbank die Zinsen anhob, der Dollar zulegte und die Realrenditen stiegen. Der World Gold Council verweist ebenfalls auf diesen Zusammenhang.
Kein Grund zur Sorge
Die Vergangenheit liefert allerdings kein eindeutiges Muster. In zehn beobachteten Zinserhöhungszyklen seit 1972 gewann Gold in den zwölf Monaten nach dem ersten Zinsschritt im Durchschnitt 6,1 Prozent. Drei Monate nach dem Auftakt lag das durchschnittliche Plus bei rund fünf Prozent; in sieben der zehn Fälle notierte das Edelmetall höher. Diese Zahlen zeigen: Eine Zinserhöhung allein entscheidet nicht über die Richtung des Goldpreises. Maßgeblich ist, warum die Fed handelt und was die Finanzmärkte für den weiteren Kurs erwarten.
Das wurde auch im jüngsten Zinserhöhungszyklus deutlich. Zwischen 2022 und 2023 hob die Fed ihren Leitzins um insgesamt 5,25 Prozentpunkte an. Gold gab 2022 zwar zunächst nach und beendete das Jahr mit einem Minus von ungefähr vier Prozent. Gleichzeitig kauften die Zentralbanken mit 1.082 Tonnen so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Diese strukturelle Nachfrage half dem Preis, sich trotz deutlich höherer Zinsen zu stabilisieren und anschließend wieder zu steigen. Genau solche Faktoren spielen derzeit erneut eine wichtige Rolle. Notenbanken stocken ihre Goldreserven weiter auf. Im zweiten Quartal 2026 kamen weltweit netto 289 Tonnen hinzu. Zudem flossen im August Milliardenbeträge in börsengehandelte Goldfonds: Europäische ETFs verzeichneten Zuflüsse von rund 7,9 Milliarden US-Dollar, nordamerikanische Produkte kamen auf etwa 7,8 Milliarden Dollar. Diese Käufe schaffen zusätzliche Nachfrage am Goldmarkt.
Auch als Krisenversicherung weiter gefragt
Hinzu kommen geopolitische Risiken, die den klassischen Status von Gold als Krisenversicherung stärken. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran, die Unsicherheit an der Straße von Hormus und Sorgen über die Stabilität der Weltwirtschaft sorgen dafür, dass viele Anleger trotz höherer Zinsen an Gold festhalten. Auch die hohe Verschuldung der USA und Zweifel an der langfristigen Stabilität des Dollar-Systems stützen die Nachfrage.
Der unmittelbare Belastungseffekt für Gold dürfte deshalb begrenzt bleiben. Überraschend war nicht der Zinsschritt selbst, sondern allenfalls der Ausblick: Sollten die neuen Projektionen und die Aussagen des Fed-Chefs Kevin Warsh weitere Erhöhungen signalisieren, könnten Dollar und US-Renditen steigen. Bleibt Warsh dagegen vorsichtig und deutet er nur einen begrenzten weiteren Straffungskurs an, könnte die Reaktion sogar positiv ausfallen. Dann würde die Unsicherheit über den Zinsschritt verschwinden, während geopolitische Risiken, Zentralbankkäufe und ETF-Nachfrage als stützende Faktoren bestehen bleiben. Entscheidend ist daher weniger die heutige Anhebung als die Antwort auf die Frage, ob die Fed daraus den Beginn einer längeren Zinserhöhungsphase macht.
Trotz der Zinsanhebung und des heutigen Kursrückgangs sollte man Ruhe bewahren und nichts überstürzt handeln. Denn die Aussichten für den Goldpreis bleiben gut. Wer breit auf diesen Bereich setzen will, liegt mit dem Best of Gold Miners Index, in dem Branchengrößen wie Barrick Mining, Newmont oder Agnico Eagle Mines vertreten sind, richtig. Ein gutes Produkt ist weiterhin das Indexzertifikat mit der WKN DA0AAY.
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Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Newmont, Barrick Mining, Agnico Eagle Mines.
16.09.2026, 21:17
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