15.08.2014 Florian Söllner

Feuer frei! Schnäppchenjagd bei Gameloft und Glu Mobile

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Der Finger ist schon am Abzug. 100 Meter entfernt auf der Waldlichtung sonnt sich ein kapitaler Hirsch. Doch ruhig Blut – wer zu schnell schießt, trifft nicht optimal. Lieber etwas Pulver trocken halten und dann im richtigen Moment abdrücken. Die Lust am Jagen greift um sich. Nie gab es so viele Jäger. Über 100 Millionen Menschen haben sich in den letzten Monaten großkalibrige Gewehre gekauft und damit über fünf Milliarden Hirsche erlegt. Doch kein Naturschützer protestiert: Das Gemetzel findet ohne reales Blutvergießen auf Smartphones und Tablets im Spiel Deer Hunter statt.

Erfolg und Enttäuschung liegen auch beim Investment in die volatilen und wilden Gaming-Aktien Glu Mobile und Gameloft nah beieinander. Bis vor wenigen Tagen war der Zeitpunkt zum Zuschlagen nicht perfekt. Es war zu früh. Doch innerhalb weniger Stunden haben beide Aktien der Spezialisten für Smartphone-Spiele deutlich korrigiert – Schnäppchenjäger haben auf diesen Moment gelauert.

Glu Mobile mit Doppelerfolg

Der Anbieter des Erfolgsspiels Deer Hunter ist Glu Mobile. Das Geschäft floriert. Zwar sind die Spiele kostenlos. Doch sobald die User mit größeren Waffen oder schnelleren Autos spielen wollen, kostet es reales Geld. Entsprechend laut klingeln die Kassen. Die Umsätze schossen im zweiten Quartal um 67 Prozent auf 41 Millionen US-Dollar nach oben.

Und die Saat für künftiges Wachstum und Gewinne ist gelegt. Neben der Neuauflage von Deer Hunter stürmen derzeit zwei neue Games die App-Ranglisten: das im Juli gestartete Dinosaurier-Jagd-Spiel Dino Hunter und das bereits seit Juni downloadbare Spiel Kim Kardashian: Hollywood. Das US-Model ist in den USA durch die Teilnahme an einer Reality-TV-Soap allseits bekannt – was den Verkauf des Spiels ordentlich anheizt. Sogar ein Mitarbeiter der US-Wasserbehörde wurde durch einen versehentlichen Twitter-Beitrag zu diesem Spiel beim Zocken bei der Arbeit erwischt.

 

Glu-Mobile-Chef Niccolo de Masi ist begeistert: „Das Kim-Kardashian-Spiel hat unseren Rekord beim Umsatz pro Tag gebrochen. Und was reine Downloads pro Tag angeht, hat Dino Hunter alle bisherigen Spiele hinter sich gelassen.“ Damit gelang es Glu Mobile, zwei Games gleichzeitig in den Top-3-App-Charts bei Apple unterzubringen.

Teure Kim Kardashian

Obwohl im zweiten Quartal die Analystenschätzungen übertroffen und obwohl die Weichen für weiteres Wachstum gestellt wurden, rutschte die Überflieger-Aktie nach den Zahlen 20 Prozent ins Minus. Was für Gewinnmitnahmen sorgte, war der Ausblick: Nach einer Rohmarge von starken 69 Prozent im letzten Quartal wird ein Rückgang auf „nur“ noch 58 Prozent erwartet. Ein Grund: Kim Kardashian trommelt zwar kräftig bei ihren über 20 Millionen Twitter-Followern für das Spiel, weswegen Analysten einen Erlös für Glu Mobile von rund 200 Millionen Euro erwarten. Doch der US-Promi lässt sich seinen Namen teuer bezahlen. Es wird gemunkelt, dass Kim Kardashian 30 bis 40 Prozent aller Einnahmen erhält, die durch In-App-Käufe der Kunden auflaufen. Deutlich mehr bleibt für Glu Mobile beim Spiel Dino Hunter hängen, da das Spiel auf der Plattform von Deer Hunter aufbaut und damit vergleichsweise wenig neu programmiert werden musste.

Auch die parallel zu den Zahlen gemeldete Übernahme von Cie Games, einem führenden Entwickler von Autorennspielen, sorgte zunächst nicht für Kursgewinne. Glu Mobile wird rund 100 Millionen Dollar – davon 70 Millionen Dollar bilanzschonend in Aktien – dafür aufwenden. Doch Glu Mobile hat allen Grund, optimistisch nach vorne zu blicken. Seit Jahren beweist der Spielehersteller ein gutes Näschen für Gaming-Trends. Zudem hält der Rückenwind durch eine zunehmende Verbreitung von Smartphones an.

Gameloft: Die Nummer 1

Die Glu-Mobile-Aktie kann wieder auf die Watchlist – und die Gameloft-Aktie direkt ins Depot von mutigen Anlegern. Denn vor allem den französischen Anbieter von Spielen für Smartphones und Tablets, Gameloft, gibt es an der Börse so günstig zu kaufen wie lange nicht. Gameloft ist Marktführer. Jeden einzelnen Tag werden eine Million Gameloft-Spiele heruntergeladen. Dennoch hielt sich die Begeisterung der Anleger zuletzt in Grenzen.

Für Enttäuschung hatten die Zahlen für das zweite Quartal gesorgt. Der Umsatz wuchs nicht wie gewohnt zweistellig, sondern stagnierte bei 55 Millionen Euro. Ein Nullwachstum, ein Schreck für so manchen Börsianer. Doch auf den zweiten Blick wird klar: Das ist nicht das Ende des Siegeszuges, sondern nur ein Innehalten vor dem nächsten Wachstumssprung. Denn von den bis zu 15 Spielen, die Gameloft 2014 veröffentlicht, wurden lediglich vier in den ersten sechs Monaten releast. Abenteuer-Spiele wie Ice Age Adventures oder Spider-Man versprechen viel Dynamik in den restlichen Monaten des Jahres. Auch der Erfolg des erst am 24. Juli gestarteten Modern Combat 5 macht sich erst in den nächsten Zahlen bemerkbar. In 75 Ländern schaffte es das Spiel auf Anhieb in die Top 5 der meistverkauften Apps. Wie erklärt sich Gamelofts Erfolg? Der für Zentral- und Osteuropa zuständige Manager Jean-Baptiste Godinot sagte dem aktionär: „Für uns bei Gameloft ist die Qualität immer das Wichtigste. Wir programmieren alle Spiele selbst.“

Fantasie Android TV und iWatch

Gameloft war Pionier im schnell wachsenden Markt für Mobile Games. Jetzt verändert sich der Markt erneut: Internetfernsehen wird massentauglich. Erst neulich hat Google dafür die Plattform Android TV vorgestellt – und Gameloft hat bereits neun dafür kompatible Spiele parat. „Wir haben immer schnell auf Veränderungen reagiert“, so Godinot. Auch auf den Trend Wear­able Computer, wie beispielsweise internetfähige Uhren, ist Gameloft vorbereitet. Nun wurde eine Partnerschaft mit dem Chiphersteller MediaTek verkündet. Geräte mit Sensoren und Messdaten des menschlichen Körpers würden ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. „Media­Tek gestaltet die Zukunft der Wearables so, dass für uns die Entwicklung weiterer innovativer Spiele möglich ist“, so Gameloft.

Einstiegschance bei Gameloft

Glu Mobile und Gameloft sind im Wachstumsmarkt Mobile Gaming bestens positioniert. Kurzfristig hat die einen Tick günstigere Gameloft die größte Chance auf einen kräftigen Turnaround und ist „Hot Stock der Woche“ (Ausgabe 33/2014) Doch Jäger und Anleger wissen gleichermaßen: In einem gefährlichen (Börsen-)Umfeld ist es eine gute Idee, etwas Pulver für einen zweiten Schuss trocken zu halten.

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(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 33/2014 erschienen)