06.12.2018 Benedikt Kaufmann

Facebook: Lügen über Lügen über Lügen

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Facebook
Trendthema

Facebook rutscht immer tiefer in den Datenschutzskandal – unmöglich für die Aktie einen Boden zu finden. Jetzt stehen Mark Zuckerbergs Äußerungen im Fokus, dass Facebook niemals die Daten seiner Nutzer verkauft habe und dies auch künftig nicht beabsichtige. Denn interne E-Mails zeichnen ein ganz anderes Bild.

In diesen Mails schilderte laut Zeit Online Facebook-Chef Mark Zuckerberg gegenüber seinen Geschäftsführern, wie er sich die Zukunft von Facebooks Geschäftsmodell vorstelle: Für eine gewisse Gebühr von beispielsweiße 10 Cent pro Nutzer pro Jahr, dürften Unternehmen Nutzerdaten einsehen. Denkbar wäre auch, dass der Gegenwert auf Facebook-Werbung bestehe. Das klingt ganz klar nach: Nutzerdaten im Abomodell. Ein äußerst attraktives Geschäftsmodell – nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Die internen Dokumente wurden vom britischen Abgeordneten Damian Collins veröffentlicht und stammen aus einem US-Zivilprozess eines App-Entwicklers gegen Facebook. Jetzt würde Collins, der auch den Cambridge-Analytica-Skandal untersucht, den Facebook-Boss gerne vor einem Ausschuss anhören. Eine Einladung, die Mark Zuckerberg, nach seinen Anhörungen/Entschuldigungsrunden vor dem US-Kongress, vor dem EU-Parlament und vor Journalisten, wohl ebenfalls annehmen wird.

Sorgloser Umgang mit Nutzerdaten

Zudem sollen die Dokumente belegen, dass Facebook auch nach 2015 noch sensible Nutzerdaten an App-Entwickler wie Tinder oder Airbnb weiter gegeben hat. Bereits im Juni legte die New York Times in einem Artikel offen, dass Facebook-Daten nicht nur mit zahlreichen App-Entwicklern ausgetauscht wurden, sondern auch mit bis zu 60 Elektronikherstellern.

Datenkrake ohne Moral

Nicht nur Facebook-Nutzer müssen begreifen, dass ihre Daten einen Wert haben und diesen Wert im Internet frei verschenken. Der Wert hängt dabei vom beabsichtigten Ziel und vom Detailgrad der Daten ab. Wenn nur Werbung geschaltet werden soll, sind die Daten günstig –Kreditkartendaten für einen Kreditkartenmissbrauch können dagegen ordentlich was kosten. Laut Cybersecurity-Spezialist McAfee kostet eine fremde Kreditkarte zwischen fünf und 45 Dollar.

Dass Zuckerberg klar ist, welchen Wert Nutzerdaten haben und wie er in Sachen Datensicherheit tickt, zeigt eine vom Business Insider veröffentlichter Chat-Verlauf aus den Anfangszeiten von Facebook:

Finger weg von dieser Aktie!

Mark-Zuckerberg reiht sich moralisch in eine Liste von Managern ein, die eigentlich eher in der Öl, Tabak, Pharma oder Rüstungsbranche vermutet werden. Keine klare Linie. Keine Transparenz. Keine Empfehlung vom AKTIONÄR.