C.H. Robinson greift nach dem Konkurrenten RXO – und die Börse reagiert mit Verkäufen. Der US-Logistikkonzern will den Frachtvermittler für rund 5,8 Milliarden Dollar übernehmen. Die Aktie verliert am Montag kurz nach Handelsbeginn rund zehn Prozent. Ein Fehler? Und was bedeutet der Schritt für den Rivalen DHL?
C.H. Robinson lässt sich den Ausbau seiner Marktposition im Frachtgeschäft einiges kosten. Das Übernahmeangebot bewertet die RXO-Aktie mit rechnerisch 30,25 US-Dollar, was einem Aufschlag von rund 29 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor der Ankündigung entspricht. Nach Vollzug des Deals wird das fusionierte Unternehmen auf einen Unternehmenswert von mehr als 25 Milliarden Dollar kommen. Die RXO-Aktionäre werden künftig etwa 11 Prozent am kombinierten Konzern halten.
Das Übernahmeangebot ist wie folgt strukturiert:
- Für jede RXO-Aktie gibt es 17,25 US-Dollar in bar sowie 0,0856 C.H.-Robinson-Aktien.
- Aktionäre können alternativ 30,25 US-Dollar rein in bar oder 0,1992 C.H.-Robinson-Aktien wählen (vorbehaltlich einer Zuteilungsquote von ca. 57 % Bar- und 43 % Aktienanteil).
- Der Großaktionär MFN Partners LP, der rund 17 Prozent der RXO-Aktien hält, hat der Übernahme bereits zugestimmt. Die Boards beider Konzerne segneten den Deal einstimmig ab.
Synergien durch KI: 300 Millionen Dollar Einsparungen angestrebt
Durch den Zusammenschluss entsteht ein Gigant in der Vermittlung von LKW-Transporten (Freight Brokerage). RXO bringt vor allem lukrative Express- und Zustelldienste auf der "letzten Meile" (Last Mile) sowie ein stark ausgebautes Netzwerk in Nordamerika ein. C.H. Robinson setzt darauf, durch die Zusammenlegung der Netzwerke und die Integration des eigenen „Lean AI“-Betriebsmodells enorme Kosten einzusparen:
• Jährlich sollen innerhalb von zwei Jahren nach dem Abschluss Netto-Kostensynergien von 300 Millionen US-Dollar realisiert werden.
• Gewinnbeitrag: Der Zukauf soll sich bereits innerhalb von 9 Monaten positiv auf den bereinigten Gewinn je Aktie auswirken. Bis 2028 wird ein zweistelliger Zuwachs beim Gewinn je Aktie angestrebt.
Höhere Schuldenlast und Buyback-Stopp
Wachstum hat jedoch seinen Preis – und der ist für C.H. Robinson bilanziell spürbar. Da die Bargeldkomponente komplett über neue Schulden finanziert werden muss (gesichert durch eine Brückenfinanzierung der Großbank Morgan Stanley), steigt die finanzielle Belastung drastisch an. Zusätzlich werden sämtliche laufende Aktienrückkaufprogramme vorerst komplett auf Eis gelegt.
Der 5,8-Milliarden-Dollar-Deal zwischen C.H. Robinson und RXO verändert die US-Logistiklandschaft nachhaltig. RXO-Aktionäre streichen die 29-prozentige Übernahmeprämie ein, doch für C.H.-Robinson-Anleger bringt der Deal erst einmal eine spürbare Schuldenlast und zwei Jahre harte Integrationsarbeit mit sich. Wer im Logistiksektor auf nachhaltiges Wachstum, bilanzielle Stärke und globale Streuung setzen möchte, ist mit der DER AKTIONÄR-Empfehlung DHL deutlich besser aufgestellt. Die DHL-Aktie ist ein Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: DHL Group.
Heute, 16:15
Bei Google bevorzugen