Der jüngste Kanzlerbesuch in der Ukraine unterstreicht einmal mehr: Berlin legt bei den Waffenhilfen für Kiew und der Aufrüstung der NATO nach. Neue Milliardenpakete fließen in den Schutz des ukrainischen Luftraums – allen voran in das Hochleistungs-System IRIS-T. Doch beim Blick auf die Auftragsbücher zeigt: Die lukrativsten Sahnestücke dieses Rüstungsbooms wandern nach Bayern, nicht nach Düsseldorf.
Es war ein starkes Signal der Unterstützung: Beim jüngsten Besuch in Kiew wurden weitere umfassende Militärhilfen und Rüstungslieferungen bekräftigt. Ein zentraler Pfeiler der zugesagten Pakete bleibt die Boden-Luft-Verteidigung. Das Flugabwehrsystem IRIS-T gilt in der Ukraine als Lebensversicherung gegen Drohnen, Marschflugkörper und russische Kampfjets – die Trefferquote von nahezu 100 Prozent hat das System zum begehrtesten Exportartikel der deutschen Rüstungsindustrie gemacht.
Sowohl über deutsche Haushaltsmittel als auch über internationale Initiativen wie die European Sky Shield Initiative (ESSI) fließen derzeit Milliarden in die Fertigung dieser Luftverteidigungssysteme. Doch wo genau landet das viele Geld?
Diehl und Hensoldt: Die bayerischen Rüstungs-Champions
Wer den IRIS-T-Erfolg analysiert, kommt an bayrischen Unternehmen nicht vorbei. Die beiden technologischen Schlüsselspieler sitzen tief im Süden Deutschlands: 1. Diehl Defence (Röthenbach an der Pegnitz / Nürnberg): Der bayerische Familiengigant führt das IRIS-T-Konsortium an. Diehl fertigt die hochkomplexen Infrarot-Suchköpfe und montiert die Lenkflugkörper. Als Generalunternehmer kassiert Diehl den größten Brocken der Margen.
2. Hensoldt (Taufkirchen bei München): Der MDAX-Konzern beisteuert das technologische Auge – das Hochleistungsradar TRML-4D. In der modernen Luftverteidigung gilt: Die Radar- und Sensorikkomponenten bringen exzellente operative Margen.
Laut Branchenschätzungen entfallen bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung eines IRIS-T-SLM-Feuerleitkomplexes auf die Elektronik, die Optronik, die Flugkörper und die Gefechtsstand-Software (unter anderem von Airbus Defence and Space aus Manching/Ottobrunn).
Was bleibt für Rheinmetall?
Der Düsseldorfer DAX-Gigant Rheinmetall ist über das Joint Venture Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) zwar fest im IRIS-T-Verbund integriert, deckt jedoch primär die Logistik ab: Radar, Führungssysteme und Startgeräte werden auf hochgeländegängigen Militär-LKW der HX-Serie von Rheinmetall montiert. Im konkreten Fall ist dies jedoch eher weniger vorgesehen. Für Rheinmetall dürfte das Ganze also eine ziemlich trockene Nummer werden.
Bedeutet dieser „Bayern-Vorteil“, dass Anleger lieber die Finger von der Rheinmetall-Aktie lassen und stattdessen rein auf Hensoldt setzen sollten? Keineswegs. Bei Rheinmetall gilt: Die Auftragsbücher sind bereits jetzt mehr als voll. Dass der Düsseldorfer Konzern dieses Mal nicht der Hauptprofiteuer ist, ist daher zu verschmerzen.
Die Rheinmetall-Aktie, die am Montag rund 0,8 Prozent auf 965 Euro zulegt und damit weiter unter der 1.000-Euro-Marke notiert, bleibt ein Kauf.
Heute, 15:56
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