Infineon war am Freitag der stärkste Wert im DAX – ohne selbst eine Nachricht zu liefern. Die Aktie stieg auf Xetra um 8,8 Prozent, der Leitindex gewann 1,2 Prozent auf 25.231 Punkte. Der Anstoß kam aus New York: Der US-Arbeitsmarktbericht fiel mit 29.000 neuen Stellen deutlich schwächer aus als die erwarteten 90.000. Damit ließ die Sorge vor einer weiteren Zinserhöhung der Fed nach. Der Nasdaq 100 schloss mit 30.808 Punkten auf Rekordhoch, Chipwerte führten die Gewinnerliste an.
Infineon: Die Marge muss liefern
Dass die Aktie so stark auf den Rückenwind reagiert, liegt an einer Erwartung, die der Konzern selbst gesetzt hat. Für das laufende vierte Quartal des Geschäftsjahres stellt Infineon rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht, nach dem Rekordwert von 4,17 Milliarden Euro im Vorquartal. Die Segmentergebnis-Marge, also der Anteil des Umsatzes, der im operativen Geschäft hängen bleibt, soll von 19,1 auf etwa 23 Prozent steigen. Treiber sind Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren.
Der Anstoß vom Freitag kam allerdings allein von außen. Auch das Kursplus von rund sechs Prozent beim US-Wettbewerber ON Semiconductor sagt wenig über die Branche, denn dort ging es um eine Übernahme, die nun bar statt mit eigenen Aktien bezahlt wird. Kippt die Stimmung an der Wall Street, hat Infineon bis zu den eigenen Zahlen wenig entgegenzusetzen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 64,64 Euro, knapp unter dem Tageshoch von 64,83 Euro. Damit steht sie vor den August-Hochs um 65 Euro, an denen die Erholung im Sommer endete. Dahinter folgt die 100-Tage-Linie bei 66,82 Euro, 3,4 Prozent vom Kurs entfernt. Nach unten stützt zunächst die 50-Tage-Linie bei 58,26 Euro, die die Aktie erst in der Vorwoche zurückerobert hat. Darunter verläuft die steigende 200-Tage-Linie bei 55,61 Euro, die Mitte September als Auffanglinie gehalten hat. Fällt der Kurs unter die 50-Tage-Linie zurück, wäre der Ausbruch vom Freitag hinfällig. Ob die Marge den Kurs einholt, zeigt sich am 10. November, wenn Infineon Quartals- und Jahreszahlen vorlegt.
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