16.04.2020 Fabian Strebin

Deutsche Bank: Wie geht es nach dem Ausverkauf weiter?

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Deutsche Bank

Die großen US-Banken haben diese Woche ihre Bücher geöffnet und die Zahlen zum abgelaufenen Quartal präsentiert. Die Gewinne haben sich im Schnitt halbiert und schlechte Wirtschaftsdaten gaben den Börsen gestern dann den Rest. Die Aktie der Deutschen Bank schmierte um knapp neun Prozent ab. Mittlerweile gibt es in allen Segmenten Sorgen.

Dass es im Kerngeschäft durch Corona zu größeren Schwierigkeiten kommen könnte, ist mittlerweile offensichtlich. Der noch laufende Konzernumbau ist wie eine Operation am offenen Herzen. Die Bank muss die Umstrukturierung unbedingt aus eigener Kraft schaffen, eine Kapitalerhöhung käme zur Unzeit. Doch mittlerweile gibt es auch in einem Bereich Probleme, der sonst nicht so stark im Rampenlicht steht: der DWS.

Die Deutsche Bank ist mit knapp 80 Prozent an der Fondstochter beteiligt. Mit neuem Management gelang 2019 der Turnaround und die Mittelabflüsse konnten gestoppt werden. DER AKTIONÄR hatte die Aktie als heißen Favorit für 2020 empfohlen, doch dann kam Corona. Mittlerweile hat sich das Blatt bei der DWS wohl wieder gedreht.

Nach Schätzungen von Morningstar für das Handelsblatt haben Anleger im März 232 Milliarden Euro aus Fonds in Europa abgezogen und damit so viel wie noch nie. Der Grund ist der Corona-Crash, in dem alles liquidiert wurde, was man zu Cash machen konnte. Die Schneise der Verwüstung zieht sich durch sämtliche Produktklassen. Zwar leiden laut der Berechnung vor allem die großen Anbieter wie Blackrock, Amundi und Pimco. Aber auch die DWS dürfte Milliarden an Kundengeldern verloren haben.

Vergangenes Jahr flossen der DWS laut Unternehmen 26,1 Milliarden Euro neues Kapital zu. Nach Berechnungen von Morningstar könnte die Deutsche-Bank-Tochter alleine im März aber nur in Europa sieben Milliarden wieder verloren haben. Kommt es tatsächlich zu einer längeren Rezession, die über das zweite Quartal hinausgeht, dann würden die alten Probleme bei der DWS wohl wieder aufbrechen. Ohnehin könnte es schwierig werden, bei den Mittelzuflüssen mit drei bis fünf Prozent im Jahr zu wachsen.

Die Entwicklung bei der DWS war bis zur Coronakrise positiv, doch je nach Schwere der Verwerfungen durch das Virus kann sich das mittelfristig ändern. Anleger beobachten die Aktie.

Deutsche Bank (WKN: 514000)
DWS Group (WKN: DWS100)