Aus aktuellem Anlass: Was wurde aus der Partei, die einmal als ökologisches Gewissen der Nation startete? Die zuletzt in Brüssel den Preis als Klassenbeste in „alles falsch machen, und zwar so richtig“ abgeräumt hat? Ein paar Gedanken.
Karlsruhe. Der 13. Januar 1980. Eine neue Partei gründet sich: „Die Grünen“. Entstanden aus der Umweltbewegung. Unseren Kindern eine bessere Welt hinterlassen? Ein ehrenwerter Gedanke! Niemand kann das anfechten.
Ein paar Jahre später der erste Landesminister: Joschka Fischer. Vom gewaltbereiten Straßenkämpfer zum (noch später) Staatsmann. Menschen können sich ändern. Lernen. Wachsen. Im Zuge der Wiedervereinigung kurz der Absturz. Die mit dem Bündnis 90, bestehend aus ehemaligen Bürgerrechtlern des Unrechtsstaates DDR, fusionierte Partei gerät ins Straucheln. Erfindet sich neu. Wenige Jahre danach zum ersten Mal Regierungsverantwortung im Kabinett Schröder.
Habe ich in meinem Leben schon einmal die Grünen gewählt? Habe ich! Damals aus Überzeugung. Kein Krieg, keine Kernkraft, keine Umweltzerstörung. Das spricht an. Ich war Arbeiterkind. Die Perspektiven waren überschaubar. In den Jahren 1982/83 bei der Bundeswehr. Auch das keine einfache Zeit. Wie gesagt: aus Überzeugung.
Seit der Ära Schröder ist viel Zeit vergangen – ein Vierteljahrhundert. Der Sozialdemokrat aus Hannover war, und es schmerzt wirklich, das sagen zu müssen, der letzte Politiker, der in unserem Land den Mut hatte, ein Problem auch wirklich zu lösen.
Auf die Ära Schröder folgten die Jahre unter Merkel und die Episode unter Scholz. Irgendwann in dieser Phase muss es passiert sein. Ich kann nicht genau sagen, wann – geschweige denn, warum. Aber auf einmal waren die Grünen keine Partei mehr, die für etwas war. Nur noch gegen Dinge. Die „Verbotspartei“ wurden sie auf einmal genannt. Nicht zu Unrecht. Verboten sollte werden, was missfiel und in den Augen von „Wir Grünen“ falsch war. Debatten waren auf einmal nicht mehr gewünscht, man hatte das Gefühl, es nur noch mit missionierenden Ideologen zu tun zu haben.
Doch noch hielt die Grünen das nicht auf. Unter Olaf Scholz als Kanzler und im Rahmen der unseligen Ampel wurden sie so mächtig wie nie zuvor. Annalena Baerbock und Robert Habeck würden die nächste Kanzlerschaft unter sich ausmachen, so viel schien sicher.
Heute reibt man sich die Augen. Ein Blick auf die heimische Wirtschaft zeigt, wie viel Schaden angerichtet wurde. Offensichtlich wird das bei einem Blick nach Stuttgart, nach Ingolstadt oder nach Wolfsburg. In der Fläche ist der Schaden nicht so schnell sichtbar, dafür aber nachhaltig. Wer Kinderbücher schreibt, attraktiv-wuschelig-treuherzig in Kameras blicken kann und sehr authentisch-nachdenklich-verletzlich wirkt, ist deswegen noch lange nicht als Wirtschaftsminister qualifiziert. Das aktuelle Buch des Mannes trägt den Titel „Den Bach rauf“. Ich musste an Satire denken. Und ob ein wenig Völkerrecht in London ausreicht, um ... lassen wir das!
Mittlerweile sind die Grünen im Sinkflug. Die grüne Jugend fällt regelmäßig durch verbale Entgleisungen und spätkommunistische Verwirrungen auf. Das Spitzenpersonal ist ruhiger geworden. Und fast dachte man schon: Vielleicht reift dort die Erkenntnis, dass ein bisschen „back to the roots“ auch im Sinne der Partei eine gute Idee sein könnte, vom Land ganz zu schweigen. Und jetzt das: Die Grünen – immerhin laut wiederholt kommuniziertem Selbstverständnis die moralische Instanz des Politikbetriebes, – stimmen mit der AfD! In Brüssel! Brandmauer? Fehlanzeige! Öffentliche Hinrichtungen ebenso. Bedrückendes Schweigen.
Was dabei (leider) vergessen wird: Ein Freihandelsabkommen, um das Jahrzehnte gerungen wurde, liegt nun erst einmal auf Eis, besser gesagt: vor Gericht. Europa auf eigene Füße stellen? Ein andermal! Ein ernst zu nehmender Teilnehmer im globalen Wirtschaftswesen werden? Vielleicht morgen! Die Wirtschaft unterstützen? Ach, woher!
Vielleicht sollte diese Partei sich einmal an ihre Anfänge erinnern. An das Thema „Zukunft für unsere Kinder“. Die beginnt nämlich nicht nur dort, wo das Kind einen sauberen Bach zum Spielen findet. Die beginnt auch dort, wo seine Eltern einen Job haben und ihm eine Zukunft aufbauen können. Die beginnt dort, wo Wirtschaft frei und ungehindert gedeihen kann.
29.01.2026, 08:41