25.03.2019 Jochen Kauper

Daimler: Neuer Deal mit Geely?

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Daimler
Trendthema

Daimler will bis Ende des Jahres über die Zukunft seiner Miniauto-Marke Smart entscheiden, berichtet das Handelsblatt. Dabei soll Daimler eine Partnerschaft in Asien prüfen. Möglich wäre, den smart in Zukunft mit Geely zusammen in China bauen zu lassen. Sollte kein Deal zustande kommen, droht der Marke smart das Aus.

Wie sieht die Zukunft des einst so hoffnungsvoll gestarteten Kleinwagens smart aus? Nachdem der Gewinn des Daimler-Konzerns 2018 um 30 Prozent zurück gegangen war, will der Autobauer umso mehr auf die Kostenbremse treten. Vor allem der Kleinwagen smart könnte den Einsparungen zum Opfer fallen.

Kein Wunder: Die Bilanz des smart fällt verheerend aus: Die Absatzzahlen des Smart sind überschaubar.2004 hatte die Marke ihr Hoch mit rund 150.000 verkauften Einheiten – weltweit - erreicht. 2018 gingen die Verkaufszahlen um vier Prozent auf 130.000 smart zurück. Zur Einführung des kleinen Flitzers lautete das Absatzziel 200.000 verkaufte Einheiten pro Jahr. Das wurde nie erreicht. Im Vergleich zum Verkaufsschlager BMW Mini fällt die Bilanz des smart ernüchternd aus. Rund 22.000 Euro kostet der Zweisitzer aus dem Hause Daimler.

Quelle: Handelsblatt

Jetzt verhandelt Daimler dem Handelsblatt zu Folge mit seinem chinesischen Joint-Venture-
Partner BAIC Motor Corp. und seinem größten Aktionär Zhejiang Geely Holding Group über potenzielle Kooperationsmöglichkeiten für Smart.

Elektro-smart hat Zukunft
Dabei hätte der Elektro-smart an sich gute Voraussetzungen, in den nächsten Monaten fleißig Punkte zu sammeln. Denn vor allem mit einem Partner in China könnte der Flitzer zum Objekt der Begierde werden. Die ist der größte Markt für Elektroautos. Die Regierung puscht die Elektromobilität, fördert die Autobauer sowie den Aufbau der Infrastruktur. Die Zahl der e-Autos in Chinas soll ich den nächsten Jahren von 1,27 Millionen E-Autos auf 7 Millionen steigen.Die Strom-Variante des Smart sei eine „zweite Chance“, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Erfolgreich werde sie aber nur sein, wenn es gelinge, bessere Skaleneffekte zu erzielen.

Li Shu Fu will endlich Ergebnisse
Besonders Geely-Gründer Li Shufu, der 9,7 Prozent der Anteile an Daimler hält, bemüht sich seit langem um einen Deal mit Daimler.  „Wir führen vielerlei Gespräche zwischen den Unternehmen“, so ein Geely-Sprecher
Der Schritt nach China wäre sicherlich mutig, wenn auch nicht ganz so waghalsig, wie die Entscheidung, dass Daimlers Stadtauto-Marke Smart ab dem Jahr 2020 in Europa keine Verbrennungsmotoren mehr anbieten will und stattdessen nur noch auf Elektroautos setzt. Wobei, ganz ehrlich, wir freuen uns über diesen Schritt.
Eine Fertigung in China wäre sinnvoll.

Eine Produktion vor Ort könnte die Kosten senken. Gerade für Chinas Großstädte wäre der smart eine sehr gute Alternative. Ganz am Rande bemerkt: Es ist noch nicht lange her, da hat Geely-Chef Li Shu Fu seine neue Fahrzeugstrategie „Geely Intelligent Power“ angekündigt, die bis 2020 insgesamt 30 neue Elektro- und Hybridautos beinhaltet. Der smart würde dabei sehr gut ins aktuelle Geely-Szenario passen.


Daimler: Abwarten!
Was die Aktien betrifft, so tritt das Papier von Daimler nach wie vor auf der Stelle. Solange sich kein klarer neuer Aufwärtstrend etabliert hat, heißt es abwarten!

Geely: Spannende Ausgangslage
Smart würde bei Geely gut ins Portfolio passen. Die gesamte Produktpalette von Geely profitiert in erster Linie durch den Technologie-Transfer der Marken Volvo, Lotus oder The London Taxi. Diese werden allerdings in der Geely-Holding bilanziert. Die Käufer der Geely-Aktie erwerben „nur“ das China-Geschäft mit den Marken Geely, Emgrand sowie Lynk & Co.
Die Geely-Aktie legte eine Konsolidierung bis auf die Unterstützung bei 13,40 HongKong-Dollar ein. Seit wenigen Tagen hat das Papier wieder den Weg nach oben eingeschlagen. Es gilt, endlich die wichtige 200-Tage-Linie bei 16,00 HongKong-Dollar oder umgerechnet 1,80 Euro zu knacken. Das langfristig positive Szenario bleibt intakt.