23.05.2017 Jochen Kauper

Daimler drückt auf die Tube – zweites Batteriewerk entsteht in Sachsen

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Kamenz wird zum Zentrum der deutschen Elektromobilität. Der Stuttgarter Autobauer Daimler baut rund 60 Kilometer von Dresden entfernt ein zweites Werk in Sachsen. Hinzu kommt: vor wenigen Tagen hat sich Daimler mit rund 15 Prozent bei Lei Shing Hong (LSH)eingekauft. Guter Newsflow!

Daimler baut seine Batterieproduktion aus. Zetsche und Co setzen damit nicht nur auf Elektroautos, sondern eben auch auf eigens entwickelte Batteriesysteme. Zur Grundsteinlegung beim Bau des zweiten Batteriewerkes in Kamenz am Montag waren neben Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor Ort.

Hintergrund: Bis 2022 will Daimler zehn reine Elektromodelle anbieten. Die ersten Modelle der EQ-Serie werden spätestens 2019 ausgerollt. Wichtiger Bestandteil der E-Strategie sind laut Daimler-Vorstandsmitglied Thomas Weber "hocheffiziente Batterien" für die Elektro- und Hybridfahrzeuge. Damit wird der Schritt für die zweite Batteriefabrik in Kamenz begründet.

China wichtigster Markt

Erst wenige Tage zuvor hat sich Daimler mit rund 15 Prozent bei Lei Shing Hong (LSH) eingekauft. Das entspricht einem Betrag im „unteren dreistelligen Millionenbereich“, sagte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber  gegenüber der F.A.Z.

Laut Daimler wird der Kauf in den nächsten Tagen vollzogen.

Lei Shing Hong hat zuletzt 120.000 Mercedes  verkauft. Kein anderer Händler brachte so viele Mercedes an die Frau beziehungsweise an den Mann. LSH betreibt knapp 300 Autohäuser etwa in China, Südkorea, Vietnam, Kambodscha, Malaysia und Australien.

Für Daimler ist LSH in China nicht nur als Verkäufer der Marken Mercedes und Smart tätig, sondern hat auch den Vertrieb der Marke Denza übernommen. Der Denza ist ein speziell für den chinesischen Markt entwickeltes Elektroauto und stammt aus dem Joint-Venture mit BYD.

Warum geht Daimler diesen Schritt?

China ist Daimlers wichtigster Einzelmarkt, und derzeit auch der am schnellsten wachsende. In den bisherigen vier Monaten des Jahres erzielte das Unternehmen mit seiner Stammmarke Mercedes-Benz in dem Land ein Absatzplus von fast 37 Prozent. Daimler will hier noch schneller wachsen und sich die Hilfe von wichtigen Partnern vor Ort sichern, indem kapital massige Bindungen entstehen. „Uns geht es darum, diese Gruppe in ihrer weiteren Professionalisierung zu fördern“, kommentierte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber den Schritt.

Kursziel 73 Euro

Die britische Investmentbank HSBC hat das Kursziel zu Beginn er Woche  von 70 auf 73 Euro angehoben. Kurzfristig seien die Aussichten für den Autobauer positiv, schrieb Analyst Horst Schneider in einer Studie. Er rechnet mit einem guten zweiten Quartal und leicht steigenden Konsensschätzungen. Auf positive Nachrichten scheine aber der Aktienkurs nicht mehr reagieren zu wollen.

Genau das ist der springende Punkt.Einzig und alleine möglich Strafzahlungen in den USA bremsen das Papier derzeit noch immer aus. Grundsätzlich gilt: Anleger sind nach wie vor viel zu skeptisch gegenüber der Aktie von Daimler. Der Autobauer wird den Umbruch schaffen. Die Strategie in punkto Elektromobilität und neue Mobilitätsdienste stimmt.