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22.01.2020 Thorsten Küfner

Covestro: Kurssprung nach Handelsstart, jetzt im Minus – das steckt dahinter

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Covestro

Die Aktie von Covestro ist mit einem kräftigen Kursplus von drei Prozent in den heutigen Handel gestartet. Allerdings rutschte der DAX-Titel im weiteren Verlauf doch wieder ins Minus – in einem wohlgemerkt freundlichen Marktumfeld.

Der kurzzeitige Kurssprung war zunächst Ausdruck der Freude, dass sich der DAX-Konzern eine hohe Investition zunächst sparen will. So legt Covestro wegen des schwierigen Marktumfeldes eine Milliardeninvestition in ein Kunststoffwerk in den USA auf Eis. Nach dem Abschluss der aktuellen Bauphase sei laut dem Unternehmen nun erstmal eine Pause von 18 bis 24 Monaten geplant.

Überkapazitäten belasten

Eigentlich will sich Covestro mit dem 1,5 Milliarden Euro teuren Bau einer Großanlage zur Produktion des Schaumstoff-Vorproduktes MDI am US-Standort Baytown für das erwartete Nachfragewachstum nach Kunststoffen rüsten. Ursprünglich sollte die Anlage mit einer Kapazität von 500.000 Tonnen pro Jahr 2024 in Betrieb gehen.

Allerdings leidet die Branche schon eine Weile unter hohen Kapazitäten und den Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China, der an der Weltwirtschaft kratzt. Insbesondere die Autoflaute macht Covestro zu schaffen. Konzernchef Markus Steilemann gab sich denn auch jüngst in einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf 2020 vorsichtig. "Das Umfeld wird schwieriger für uns und die gesamte Chemieindustrie." Er verwies auf Unsicherheiten wie Handelskonflikte und den Brexit. "Daher fehlt mir kurzfristig die Wachstumsfantasie für unsere Abnehmerbranchen. Langfristig sind die Trends aber in Ordnung."

Warten auf den 19. Februar

Einen genauen Ausblick auf 2020 sowie Details zu den neuen Investitionsplänen dürfte Steilemann bei der Vorlage der Jahreszahlen für 2019 am 19. Februar vorstellen. Größeren Einfluss auf die Investitionen im laufenden Jahr dürfte die geplante Projektpause in den USA allerdings noch nicht haben, erklärte Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan in einem Morgenkommentar. So dürften der größte Teil der Ausgaben für die MDI-Anlage erst ab 2021 geplant gewesen sein.

Covestro (WKN: 606214)

Die Entscheidung, die weitere Expansion aufzuschieben, könnte als ein weiteres Zeichen gewertet werden, dass die Talsohle im Chemiegeschäft noch längst nicht erreicht ist. Die jüngsten Aussagen des Covestro-CEOs Markus Steilemann passen dazu. Anleger sollten weiterhin einen Bogen um die Aktie machen. 

(Mit Material von dpa-AFX)