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10.01.2019 Fabian Strebin

Commerzbank: Sind zehn Jahre genug?

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Commerzbank

Die Aktie der Commerzbank ist gut ins neue Jahr gestartet. Nun ist auch die Diskussion um die Beteiligung des Bundes an der Commerzbank neu aufgeflammt.

Vor zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, stieg der Staat mit annähernd 20 Milliarden Euro bei dem Geldhaus ein und erwarb 25 Prozent plus eine Aktie. Der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust sagt dazu: „Es wäre ein wichtiges Signal, wenn sich der Bund endlich zurückziehen würde. Der Bund hätte sich schon vor vier oder fünf Jahren zurückziehen sollen, als sich zeigte, dass sich die Commerzbank nach der Krise relativ gut entwickelte.“ Allerdings fehle bis heute eine Exitstrategie - auch weil insgesamt nicht klar sei, wohin sich die deutsche Bankenlandschaft entwickle.

Ausstieg angepeilt

Doch ein Problem eines staatlichen Rückzugs könnte der Wert der Beteiligung sein. War das Aktienpaket vor zehn Jahren noch 5,1 Milliarden Euro wert, so ist es jetzt auf 1,20 Milliarden Euro eingedampft. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, man wolle für den Steuerzahler ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen. „Wir stehen nicht unter Zeitdruck“. Verschiedene Politiker forderten dennoch einen Ausstiegsplan. Die finanzpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Antje Tillmann, sieht die Beteiligung des Bundes nicht als Dauerzustand.

Aktie meiden

Die Debatte um die Staatsbeteiligung bei der Commerzbank ist eng mit der Spekulation einer Fusion mit der Deutschen Bank verwoben. Ende letzten Jahres wurde deutlich, dass der Bund einen mittelfristigen Zusammenschluss unterstützt und dann seinen Anteil an der Commerzbank einbringen würde. Eine Fusion könnte schneller auf der Agenda stehen als den Beteiligten lieb ist. Noch befinden sich beide Institute in der Restrukturierung. Greift aber eine ausländische Bank nach der Commerzbank oder verschlechtert sich die Situation bei der Deutschen Bank zusehends, könnte es zu einer Notfusion kommen.

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Ob es dieses Jahr zu einer Zinswende in der Eurozone kommt, ist ungewiss. Das ist schlecht für die zinssensitive Commerzbank. Sollte nichts unerwartetes passieren, steht in diesem Jahr noch kein Zusammenschluss mit der Deutschen Bank an. Die Aktie bleibt trotz der Zugewinne zum Jahreswechsel im Abwärtstrend gefangen. Meiden.

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