Jetzt auf die neuen Favoriten setzen!
28.02.2019 Nikolas Kessler

Commerzbank & Deutsche Bank: „Keine ökonomisch plausible Begründung“ für Fusion

-%
Deutsche Bank

Spekulationen, ob und wann sich Deutsche Bank und Commerzbank zusammenschließen, sind nicht neu, werden derzeit aber heftiger diskutiert denn je. „Finanzminister Olaf Scholz und seine Berater wollen die Fusion unbedingt“, hatte die Wirtschaftswoche (WiWo) Anfang des Monats unter Berufung auf informierte Kreise gemeldet. Zumindest bei einem dieser Berater klingt das inzwischen ganz anders.

„Die Gerüchte um eine mögliche Fusion zwischen Deutscher Bank und der Commerzbank kommen zur falschen Zeit”, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums, Jörg Rocholl, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank habe gerade ihren ersten Gewinn seit Jahren erwirtschaftet und selbstgesteckte Kostenziele übertroffen. Man sollte ihr und ihrer Führung Zeit geben, diesen Weg weiter zu beschreiten. „Daher sehe ich derzeit keine ökonomisch plausible Begründung für eine Fusion“, betonte Rocholl.

Einig sind sich der Finanzminister und sein Experte jedoch, wenn es um die Bedeutung der heimischen Großbanken geht. „International vertretene und gut vernetzte Banken wie die Commerzbank und vor allem die Deutsche Bank sind wichtig für die exportorientierten deutschen Unternehmen, gerade für den Mittelstand“, so Rocholl.

Kontroverse Diskussionen

Mit drastischen Worten hatte sich in dieser Woche Sascha Steffen von der Frankfurt School of Finance and Management in einem Artikel der New York Times gegen eine Fusion der beiden Institute ausgesprochen (das Börsen.Briefing. berichtete). Ein Sinneswandel zugunsten einer Fusion scheint sich derweil beim US-Finanzinvestor Cerberus zu vollziehen. Dieser ist aktuell mit fünf Prozent an der Commerzbank und mit drei Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Seit dem Einstieg 2017 haben beide Investments dem Höllenhund jedoch heftige Verluste eingebrockt.  

Bank-Aktien auf Erholungskurs

Den Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank tut der Wirbel um eine mögliche Fusion sichtlich gut – beide knüpfen am Donnerstag an ihre Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage an. Speziell bei der Commerzbank hat sich das Chartbild zuletzt deutlich aufgehellt. Trader können dort nun wieder einen Fuß in die Tür stellen. Die Deutsche-Bank-Aktie bleiben derweil auf der Watchlist.

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0