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23.10.2019 Nikolas Kessler

Commerzbank: Alles auf den Prüfstand

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Commerzbank

Die Commerzbank hatte im September einen grundlegenden Umbau beschlossen. Der Bund als größter Aktionär will die Maßnahmen und das Geschäftsmodell nun extern prüfen lassen. Dabei geht es auch um die Zukunft der CoBa-Tochter Comdircet.

Wie das Manager Magazin berichtet, hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) mit einer Prüfung des Geschäftsmodells der Commerzbank beauftragt. Im Auftrag des Bundes sollen die Berater nun die neue Strategie von Commerzbank-Chef Martin Zielke bewerten und ganz allgemein nach Möglichkeiten suchen, den Wert des Instituts wieder zu steigern.

Daran hat auch der Finanzminister ein berechtigtes Interesse: Seit der Teilverstaatlichung inmitten der Finanzkrise im Jahr 2009 hält der Bund rund 15 Prozent der Commerzbank-Anteile und ist damit größte Aktionär des Geldhauses.

Kahlschlag bei Comdirect?

Als Teil der neuen Strategie „Commerzbank 5.0“ hatte das Institut Ende September unter anderem auch Pläne zur vollständigen Übernahme und Integration der Direktbank-Tochter Comdirect verkündet. Im Zuge dessen würden derzeit Szenarien diskutiert, bei denen bis zu 700 der 1.500 Comdirect-Jobs wegfallen könnten, meldet das Magazin weiter und beruft sich dabei auf Unternehmenskreise.

Um die Comdirect-Übernahme, die geplanten Stellenstreichungen und nötigen IT-Investitionen zu finanzieren, erwägt die Commerzbank sogar einen Verkauf ihrer Mehrheitsbeteiligung an der profitablen Tochter mBank in Polen.

Bund vor dem Absprung?

Gänzlich überraschend kommt die Mandatierung der Berater nicht, denn eine entsprechende Ausschreibung des Bundes wurde bereits im August bekannt (DER AKTIONÄR berichtete). Zudem gab es in der Vergangenheit immer wieder Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Beteiligung.

Der ließe sich auf dem aktuellen Kursniveau der Commerzbank allerdings nur mit enormen Verlusten für den Steuerzahler realisieren. Um ohne Verlust davonzukommen, müssten die CoBa-Aktien zu 26 Euro pro Stück verkauft werden – ein Aufschlag von 368 Prozent auf den aktuellen Kurs.

Commerzbank (WKN: CBK100)

DER AKTIONÄR sieht die Umbaupläne der CoBa skeptisch. Trotz hoher Kosten und Umsetzungsrisiken erscheint das Potenzial gering – selbst im Erfolgsfall peilt die Commerzbank ab 2023 eine Eigenkapitalrendite von mageren vier Prozent an. Langfristig orientierte Anleger meiden die Aktie.

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