Der Autozulieferer Aumovio stand im schwierigen Branchenumfeld nach dem Börsengang im Herbst 2025 zuletzt unter Druck. Für das laufende Jahr stellt der MDAX-Konzern einen erneuten Umsatzrückgang in Aussicht. Auch bei der operativen Marge ist trotz laufender Sparmaßnahmen ein Rückgang nicht ausgeschlossen. Doch bei dem von den Inverstoren viel beachteten Cash-Flow kann Continental-Abspaltung punkten. Reicht das für steigende Kurse?
Aumovio ist ein Autozulieferer mit Fokus auf Elektronik und Software für moderne Fahrzeuge. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Fahrerassistenzsysteme, Steuergeräte, Fahrzeugsoftware sowie Lösungen für Vernetzung, Sicherheit und den Innenraum. Zudem spielt Aumovio eine wichtige Rolle bei Technologien für Elektroautos. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Automotive-Sparte von Continental und positioniert sich als Anbieter des „digitalen Nervensystems“ im Auto.
Die Aktie war nach dem IPO im Herbst 2025 von rund 34 Euro bis Mitte Januar 2026 auf ein Verlaufshoch bei gut 47 Euro gestiegen, ist im Anschluss im Zuge geopolitischer Belastungen aber wieder um mehr als ein Viertel zurückgekommen.
Nach einem Erlösrückgang im Vorjahr um 5,6 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro im Vorjahr rechnet Aumovio für 2026 mit 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro (bereinigt). Belastend wirken eine schwache globale Fahrzeugproduktion, Werksschließungen, Teilverkäufe sowie Währungseffekte. In Nordamerika dämpfen zudem höhere US-Zölle die Nachfrage. Dabei wird eine operative Marge von 3,5 bis 5,0 Prozent (2025: 3,9 Prozent) erwartet. Positiv wirken ein besserer Produktmix und Einsparungen, während höhere Rohstoffkosten gegensteuern. Unter dem Strich stieg der Verlust im Jahr 2025 auf 655 Millionen Euro (Vorjahr: 289 Millionen Euro). Hauptgründe sind hohe Sonderkosten für den Umbau und die Abspaltung von Continental.
Zwar verfehlte Aumovio bei Umsatz und Ergebnis die Erwartungen für 2025 leicht. Analysten hoben jedoch einhellig den starken Free Cashflow hervor, der zügig in Richtung der für 2028 angepeilten Marke von einer Milliarde Euro steigen sollte. Zusätzliche Fantasie liefert die Aussicht auf eine Dividende: Finanzchefin Jutta Dönges stellte für 2026 erstmals eine Ausschüttung in Aussicht.
Barclays hält Aumovio daher für eine attraktive Turnaround-Story mit erheblichem Wertschöpfungspotenzial und sieht die Aktie erst bei 55 Euro fair bewertet. Die Bank of America hat ihre Kaufempfehlung heute erneut bestätigt.
Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für die Aktie zuletzt mit einem Kursziel von 50 Euro auf "Buy" ebenfalls erneuert. Das erste Quartal im europäischen Autosektor sei womöglich besser ausgefallen als befürchtet, so Patrick Hummel in einem Ausblick auf die Berichtssaison. Bei den Zulieferern stimmten ihn gedämpfte Volumina und höhere Herstellungskosten weiter vorsichtig. Er bevorzugt hier Aumovio aufgrund des Verbesserungspotenzials aus eigener Kraft, einer guten Barmittelentwicklung und der niedrigen Bewertung.
Operativ bleibt die Lage angespannt, doch der starke Cashflow sollte für Zuversicht sorgen. Risikobewusste Anleger können auf dem aktuellen Niveau mit einer Position auf eine Aufwärtsbewegung in Richtung 44 Euro und mehr setzen. Mit dem Sprung über den Abwärtstrend würde das passende charttechnische Kaufsignal generiert.
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