Die Verschnaufpause im Halbleitersektor hat sich am Freitag zum Start des US-Handels fortgesetzt. In den ersten Handelsminuten gaben die Papiere der Chipkonzerne Broadcom, Marvell und Micron erneut spürbar nach. Damit knüpften die Chip-Aktien an ihre Vortagesverluste an. Trotzdem sollten Anleger jetzt einen kühlen Kopf bewahren und diszipliniert agieren.
• Broadcom: Nach einem herben Rückschlag von zwölf Prozent am Donnerstag büßen die Papiere am Freitag weitere fünf Prozent ein.
• Marvell Technology: Die Aktie rutscht um mehr als sechs Prozent ab.
• Micron Technology: Hier steht ein Minus von rund fünf Prozent auf der Kurstafel.
Grund für die anhaltenden Gewinnmitnahmen, die nach der Rally der vergangenen Wochen jedoch durchaus als gesund zu bewerten sind, sind die aktuellen US-Arbeitsmarktdaten. Wie DER AKTIONÄR berichtete, erweist sich der US-Arbeitsmarkt weiterhin als extrem widerstandsfähig – für die Börse aktuell ein zweischneidiges Schwert.
Wie das Bureau of Labor Statistics am Freitag mitteilte, wurden im Mai 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Zuwachs von 80.000 Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote verharrte zudem stabil bei 4,3 Prozent.
Die robusten Daten gelten zwar als Zeichen der Stärke der US-Wirtschaft, kommen bei Tech-Anlegern jedoch schlecht an. Sie nähren die Sorge, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen länger auf einem hohen Niveau halten könnte. Für Technologieunternehmen sind hohe Zinsen problematisch, da sie die Finanzierungskosten deutlich erhöhen und den Bau von Rechenzentren noch teurer machen.
An der Wall Street geht es für Broadcom um rund fünf Prozent abwärts. Nachdem der Kurs bereits am Donnerstag um 12 Prozent eingeknickt war, notiert das Papier plötzlich knapp unter 400 statt 500 Dollar. Trotzdem können Anleger beruhigt bleiben: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 14 Prozent zu Buche. Als Unterstützung rückt nun die 50-Tage-Linie bei 398,72 Dollar in den Fokus.
Auch Marvell büßt rund sechs Prozent ein und fällt damit unter die 300-Dollar-Marke zurück. Da sich der Kurs seit Jahresbeginn jedoch verdreifacht hat, sind die Kursverluste nicht der Rede wert.
Micron fällt derweil unter die 1.000-Dollar-Marke zurück. Der Rücksetzer um fünf Prozent ist jedoch auch hier noch kein Grund zur Sorge: Das Chartbild ist noch immer bullish, zudem steht seit Jahresbeginn ebenfalls eine Kursverdreifachung zu Buche.
Die Chip-Aktien atmen vor dem Wochenende auf. Anleger beachten die Stoppkurse des AKTIONÄR, lassen sich von den Rücksetzern jedoch nicht verunsichern und bleiben an Bord. Zudem sieht DER AKTIONÄR den Rücksetzer als Einstiegschance an.
FAQs
1. Warum stieg die Micron-Aktie bis vor Kurzem so stark?
Micron profitiert massiv vom KI-Boom und der hohen Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren und KI-Server. Vor allem HBM-Speicher (High Bandwidth Memory), der unter anderem in KI-Beschleunigern von Nvidia eingesetzt wird, sorgt für Fantasie bei Anlegern.
2. Was macht Micron überhaupt?
Micron gehört zu den weltweit größten Herstellern von Speicherchips. Das Unternehmen produziert unter anderem DRAM- und NAND-Speicher, die in Smartphones, PCs, Rechenzentren, Autos und KI-Systemen eingesetzt werden.
3. Warum gehen die Kursziele bei Micron so weit auseinander?
Die Analysten streiten vor allem darüber, wie nachhaltig der aktuelle KI- und Speicherboom ist. Während einige Analysten nach der Rally eine Überhitzung und einen kräftigen Rücksetzer erwarten, glauben andere an einen langfristigen Superzyklus im Halbleitersektor mit weiter stark steigenden Gewinnen.
Heute, 16:50