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04.02.2016 Jochen Kauper

Börsenexperte Thomas Gebert: „Ich halte eine Erholung für möglich“

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DAX

Die hohe Volatilität macht es den Anlegern derzeit wirklich nicht einfach. Ein gutes Nervenkostüm ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage. Zumindest jetzt könnte eine Erholung der Aktienmärkte einsetzen, nachdem der Jahresstart gründlich in die Hose gegangen ist.

DER AKTIONÄR: Wie schätzen Sie den Aktienmarkt derzeit ein?

Thomas Gebert: Ich halte zunächst einmal eine Erholung für möglich.

Was überwiegt: Chancen oder Risiken?

Allen Krisen und schweren Baissen der letzten hundert Jahre gingen stark steigende Inflationsraten oder deutlich steigende Zinsen oder beides voraus. Das ist im Moment noch nicht gegeben. Deshalb wird 2016 jetzt auch nicht so grässlich.

Was könnte dem Markt richtig gefährlich werden?

Ich vermute, dass in diesem Jahr die Rohstoffpreise wieder nach oben drehen werden. Hinzu kommt, dass wir wegen der demografischen Entwicklung Arbeitskräftemangel bekommen werden. Die Amerikaner haben bereits Vollbeschäftigung und jetzt gehen die Baby Boomer auch noch in Rente. Auch bei uns treten 300.000 Menschen jährlich mehr ihren Ruhestand an, als junge Arbeitskräfte hinzukommen. Dies wird die Löhne steigen lassen. Das heißt, nächstes oder übernächstes Jahr haben wir wieder steigende Inflationsraten und steigende Zinsen. Die nächste Krise ist dann vorprogrammiert. So war es jedenfalls in den letzten 100 Jahren.

Viele sprechen vom Ölpreisschock. Ist der niedrige Preis nicht insgesamt ein Segen für die Weltwirtschaft?

Nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern auch für jeden Einzelnen. Bei 1,17 Euro für den Liter Super macht tanken richtig Spaß.

Wie beurteilen Sie die Situation in China: Hält das Land die Weltwirtschaft weiter auf Trab?

Ich kann das dauernde Gejammer wegen China nicht mehr hören. Es haben erst einhundert Millionen Chinesen ein Auto. Da gibt es Nachfrage für Jahrzehnte, auch im übrigen Asien. Weltweit fahren 1 Milliarden Autos auf den Straßen. In 20 Jahren werden es zwei Milliarden sein. Das Wachstum hört einfach nicht auf. Und ob jetzt China mit 7, 6 oder zwischenzeitlich mal mit 5 Prozent wächst, ist unerheblich.

Wie schätzen Sie die USA ein: Ist die amerikanische Wirtschaft stark genug für eine nachhaltige Zinswende?

Die amerikanische Notenbank hat Zugriff auf einen Datenpool und einen Beraterstab, wie kaum eine zweite Institution. Ich nehme an, sie werden das Richtige tun.

Die Statistik spricht für ein schwaches Jahr für den DAX. Wo sehen Sie den Index am Jahresende?

Vielleicht ein bisschen höher als jetzt.

Welche Aktien/Branchen sind jetzt ein Kauf?

Ich bin ein Trittbrettfahrer. Ich bevorzuge die Aktien und Branchen, die schon laufen. Da springe ich auf. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Aktien sich weiter am besten entwickeln, die schon vor meinem Kauf am stärksten gestiegen, beziehungsweise am wenigsten gefallen sind. Es ist psychologisch schwierig eine deutlich teurer gewordene Aktie zu kaufen, aber Stärke zieht in der Regel Stärke nach sich. 

Von welchen Aktien/Branchen sollten die Anleger die Finger lassen?

Man kauft intuitiv gern die Aktien, die am stärksten gefallen sind, in der irrigen Vorstellung, die gäbe es im Sonderangebot. Doch in der Regel gab es einen Grund dafür, dass sie so stark gefallen sind.

Behandelte Werte

Name WKN
Isin
Wert Veränderung
in %
DAX 846900
DE0008469008
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