23.12.2019 Martin Mrowka

Boeing-Chef zieht nach 737-Debakel Konsequenzen – und die Aktie?

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Die wiederholten Rücktrittsforderungen gegen den Chef des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing haben nun gefruchtet. CEO Dennis Muilenburg gibt nach dem weiterhin ungelösten Debakel um den Typ 737 Max auf. Auch ein Nachfolger steht bereits fest. An der Börse freut man sich, die Boeing-Aktie legt nach vorübergehender Handelsaussetzung kräftig zu.

Der Vorstandschef des US-Luftfahrt-Konzerns Boeing tritt im Zuge der verheerende Krise um den Flugzeugtyp 737 Max zurück. Zum Nachfolger ernannte der Airbus-Rivale den bisherigen Verwaltungsratschef David Calhoun, er soll den Vorstandsvorsitz ab 13. Januar übernehmen. Die Boeing-Aktie gewann im frühen US-Handel rund drei Prozent.

Muilenburg stand wegen seines Krisenmanagements nach zwei Abstürzen von 737-Max-Maschinen, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, heftig in der Kritik und war bereits länger mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die 737-Max-Abstürze in Indonesien und Äthiopien haben Boeing in eine tiefe Krise gebracht. Der Flugzeugtyp ist noch immer mit Startverboten belegt. Im Oktober hatte Muilenburg bereits den Verwaltungsratsvorsitz abgeben müssen.

Die 737-Max-Abstürze in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober 2018 und im März 2019 insgesamt 346 Menschen starben, haben Boeing in eine tiefe Krise geführt. Der Flugzeugtyp ist rund um den Globus mit Startverboten belegt und derzeit deutet wenig auf eine rasche Wiederzulassung hin. Muilenburg war von Anfang an dafür kritisiert worden, wie er mit den Unglücken umging. Trotzdem hielt Boeing lange an ihm fest und beließ es zunächst dabei, ihm im Oktober lediglich den Verwaltungsratsvorsitz abzuerkennen.

Doch die Situation wurde immer prekärer: Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger im Wettrüsten mit Airbus überstürzt auf dem Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zurück, hat aber Fehler und Pannen eingeräumt.

Das 737-Max-Debakel ist für den Hersteller eine enorme Belastung, die bereits immense Kosten, große Imageschäden, mehrere Ermittlungen und hohe Klagerisiken verursacht hat. Zuletzt hatte Boeing angekündigt, die 737-Produktion angesichts der hohen Ungewissheit um eine Wiederzulassung ab Januar vorübergehend auszusetzen.

Die Fertigungspause ist eine weitere Eskalation, die Fluggesellschaften und Zulieferer stark belasten wird. Mehrere Fluggesellschaften nehmen den Krisenjet aus ihrem Programm. Zuletzt hatte sich die US-Fluggesellschaft United Airlines auf eine noch längere Zwangspause von Boeings 737 Max eingestellt und Maschinen bis zum 4. Juni aus dem Flugplan genommen. Die beiden anderen großen US-Airlines mit 737-Max-Modellen in der Flotte - Southwest und American - hatten Flüge mit den Maschinen zuletzt bis in den April gestrichen. (Mit Material von dpa-AFX)

Boeing (WKN: 850471)

Solange die Zukunft des gewinnträchtigen Volumen-Modells 737 Max für Boeing nicht geklärt ist, bleibt Airbus auf jeden Fall die bessere Alternative. Selbst mutige Anleger sollten sich bei Boeing derzeit zurückhalten. Sowohl die 50- als auch die 200-Tage-Linie zeigen abwärts. Immerhin konnte Boeing die Unterstützung beim August-Tief bei knapp unter 320 Dollar zuletzt verteidigen.