Investmentlegende Warren Buffett hat sich Ende 2025 aus dem operativen Geschäft von Berkshire Hathaway zurückgezogen und den Posten als CEO an Greg Abel abgegeben. Der Neue hat im ersten Quartal direkt die Axt angelegt und zahlreiche Positionen geschlossen. Eingestiegen ist er derweil in eine Branche, der Buffett vor Jahren den Rücken gekehrt hat.
• Berkshire Hathaway hat das Aktienportfolio im ersten Quartal grundlegend umgebaut
• Mehrere prominente Positionen aus der Buffett-Ära wurden vollständig verkauft
• Neu-CEO Greg Abel setzt mit milliardenschweren Käufen eigene Akzente
Nach dem Wechsel an der Spitze hat Abel das Aktienportfolio von Berkshire Hathaway im ersten Quartal grundlegend überarbeitet. 16 Positionen wurden komplett geschlossen, was rund einem Drittel des gesamten Aktiendepots entspricht. Das geht aus den aktuellen 13F-Dokumenten hervor, die die Investmentgesellschaft am Freitagabend veröffentlicht hat.
Der auffälligste Abgang ist Amazon. Berkshire hatte die Position bereits im Schlussquartal 2025 um 77 Prozent reduziert, nun folgte der vollständige Ausstieg. Ebenso vollständig abgestoßen wurde das Investment in Domino's Pizza – obwohl Berkshire die Aktie sechs Quartale in Folge zugekauft hatte. Beobachter vermuten, dass schwächelnde Same-Store-Sales und der Druck der Inflation auf preisbewusste Konsumenten den Ausschlag gaben.
Auch die Anteile von Visa und Mastercard wurden vollständig verkauft – zwei Positionen, die eng mit dem Namen Todd Combs verknüpft sind. Combs, langjähriger Portfoliomanager bei Berkshire, hatte die beiden Kreditkartenriesen als erste Käufe nach seinem Einstieg 2010 erworben. Ende 2025 hat er Berkshire verlassen, um eine Rolle bei JPMorgan Chase anzunehmen. Abel nutzte nun offenbar die Gelegenheit, Combs‘ hinterlassene Positionen geordnet aufzulösen.
Darüber hinaus trennten sich Berkshire unter dem neuen CEO vollständig von UnitedHealth – der Krankenversicherer kämpft mit den Folgen geänderter staatlicher Vergütungsregeln –, sowie von Aon, Pool Corporation, Charter Communications und der Atlanta Braves Holding, dem Unternehmen hinter der gleichnamigen Baseball-Profimannschaft. Zudem wurden sieben weitere kleine Positionen geschlossen.
Die Beteiligung am Ölkonzern Chevron wurde nach der jüngsten Rally im Zuge des Irankriegs um 35 Prozent gestutzt, bleibt aber in den Top 10 der größten Berkshire-Holdings. In der Summe ergibt das eine umfassende Neuausrichtung, die keinen Zweifel lässt: Das ist jetzt Abels Portfolio.
Abel kauft Airline- und Alphabet-Aktien
Auf der Kaufseite sticht vor allem der Wiedereinstieg ins Luftfahrtgeschäft heraus. Für rund 2,6 Milliarden Dollar erwarb Berkshire 39,8 Millionen Aktien von Delta Air Lines. Das entspricht einem Anteil von 6,1 Prozent an der Fluggesellschaft. Zum Stichtag 31. März sprang Delta damit auf Anhieb auf Rang 14 der größten Einzeltitel im Portfolio.
Buffett hatte dem Sektor während der Coronapandemie 2020 nach rund vier Jahren den Rücken gekehrt und Berkshires Airline-Beteiligungen – darunter Delta, United, American und Southwest – komplett verkauft.
Das zweite große Signal setzt Abel mit Alphabet. Berkshire hat die bestehende Position mehr als verdreifacht. Das Gesamtengagement in Googles Mutterkonzern beläuft sich damit auf rund 23 Milliarden Dollar. Alphabet ist nun die siebtgrößte Beteiligung im Portfolio. Anders als Buffett, der Technologieunternehmen traditionell mit Skepsis begegnete, setzt Abel erkennbar auf Alphabets Position im Cloud-Geschäft und die Wachstumsdynamik durch KI-Integration.
Ebenfalls aufgestockt wurde die Position in der New York Times Company, die Berkshire erst im vergangenen Jahr neu erworben hatte. Und mit dem Kaufhaus-Betreiber Macy's – einem Anteil im Wert von rund 55 Millionen Dollar – kam eine neue, vorerst kleine Position hinzu.
Trotz der Zukäufe ist der Barbestand von Berkshire im ersten Quartal weiter angewachsen. Per Ende März hatte die Investmentgesellschaft rund 397 Milliarden Dollar auf der hohen Kante – ein neuer Höchststand. Erst kürzlich hatte Buffett in einem CNBC-Interview eingeräumt, dass es aktuell „nicht das ideale Marktumfeld“ für Berkshire ist, um zu investieren.
In den ersten Monaten als neuer Berkshire-CEO hat Greg Abel bereits grundlegende Anpassungen im Portfolio vorgenommen. Von den zehn größten Positionen, die in Summe rund 72 Prozent des gesamten Berkshire-Depots ausmachen, blieben jedoch sieben unverändert.
Hinzu kommt: Auch in seiner neuen Rolle als Verwaltungsratschef dürfte Buffett bei den Investmententscheidungen zumindest im Hintergrund noch ein Wörtchen mitreden. Der 95-Jährige komme immer noch jeden Tag ins Büro und er spreche beinahe täglich mit ihm, sagte Abel im März. Die Berkshire-Aktie steht derzeit auf der Beobachtungsliste des AKTIONÄR.
Heute, 15:00