Die Spannung steigt: Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer legt am morgigen Mittwoch (4. März) seinen Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr sowie einen Ausblick auf 2026 vor. Im Mittelpunkt steht neben den Jahreszahlen aber vor allem der Stand der milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat.
Unter Einbeziehung negativer Wechselkurseffekte – insbesondere durch die Schwäche südamerikanischer Währungen wie des brasilianischen Real – dürfte die tatsächliche Entwicklung jedoch darunter liegen. Auf Basis der Stichtagskurse von Ende Juni kalkulierte das Management für 2025 mit einem Umsatz von 44 bis 46 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda soll 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro erreichen.
Größere Aufmerksamkeit als den Zahlen für 2025 dürfte jedoch dem Ausblick sowie dem Stand der US-Rechtsstreitigkeiten um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter gelten.
Mitte Februar kündigte Bayer einen milliardenschweren Sammelvergleich an, um die noch offenen Glyphosat-Klagen weitgehend beizulegen. In diesem Zusammenhang rechnet das Management damit, die Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten von zuletzt 7,8 Milliarden Euro (davon 6,5 Milliarden Euro für Glyphosat) auf 11,8 Milliarden Euro (9,6 Milliarden Euro für Glyphosat) erhöhen zu müssen.
Zudem könnten 2026 rund fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten fällig werden. Bayer stellt sich daher für das laufende Jahr auf einen negativen Free Cashflow ein. Um die finanziellen Auswirkungen des geplanten Vergleichs korrekt abzubilden, hatte der Konzern die Veröffentlichung des Geschäftsberichts auf den 4. März verschoben.
Ob der Sammelvergleich gelingt, ist offen. Eine große Mehrheit der Kläger muss zustimmen. Per 15. Oktober waren laut Bayer 197.000 Ansprüche angemeldet, von denen rund 132.000 bereits verglichen waren oder die Vergleichskriterien nicht erfüllten. Die bestehenden Vergleiche stehen nicht im Zusammenhang mit dem nun angestrebten Sammelvergleich für die verbleibenden Fälle.
Teil der Gesamtstrategie ist auch ein Verfahren vor dem US Supreme Court. Die Richter befassen sich mit dem Fall „Durnell“ und der Frage, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen Vorrang vor einzelstaatlichem Recht hat. In einem früheren Verfahren hatten Geschworene Bayer zur Zahlung hoher Entschädigungen verurteilt, weil sie eine Krebswarnung für erforderlich hielten. Bayer verweist hingegen auf die Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA, die bei sachgemäßer Anwendung keine Gesundheitsrisiken sieht und das Produktlabel ohne Warnhinweis genehmigt hatte.
Zusätzlich einigte sich Bayer jüngst vertraulich in acht verbliebenen PCB-Verfahren rund um das „Sky Valley Education Center“ im US-Bundesstaat Washington. Zudem wurden Klagen der Bundesstaaten Illinois und West Virginia wegen angeblicher PCB-Umweltverschmutzungen beigelegt.
Das erwarten Analysten
Für 2025 rechnen Analysten im Schnitt mit einem Umsatzrückgang von rund 2,5 Prozent auf 45,48 Milliarden Euro. Ohne negative Wechselkurseffekte hätte sich wohl ein leichtes Plus ergeben. Das bereinigte Ebitda dürfte um etwa fünf Prozent auf 9,6 Milliarden Euro gesunken sein. JPMorgan-Analyst Richard Vosser erwartet ein starkes Schlussquartal, insbesondere gestützt durch das Agrargeschäft, und sieht Potenzial für einen operativen Gewinn über Markterwartung.
Für 2026 prognostizieren Analysten im Durchschnitt einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 9,67 Milliarden Euro. Vosser geht von einem Gewinnausblick zwischen 9,3 und 9,8 Milliarden Euro aus und hält eine leichte Anpassung der Markterwartungen für möglich. Barclays-Analyst Charles Pitman-King sieht in den angekündigten Glyphosat- und PCB-Vergleichen eine steigende Wahrscheinlichkeit, dass Bayer die Rechtsprobleme 2026 lösen kann.
Mit Blick auf die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten bleibt entscheidend, ob Gerichte und ausreichend Kläger zustimmen. Maßgeblich dürfte auch das erwartete Urteil des US Supreme Court Ende Juni sein. In dieser Woche richtet sich der Fokus zunächst auf die harten Kennzahlen. Und hier sind bei Bayer keine großen Sprünge zu erwarten. Anleger sollten die Zahlen daher r von der Seitenlinie betrachten.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.
(Mit Material von dpa-AFX)
Heute, 13:42