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01.11.2020 Martin Mrowka

Ausblick: Heftige Schwankungen bei DAX und Co voraus – Abwärtspotenzial begrenzt?

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DAX

Mit dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie hat sich die charttechnische Situation des DAX verschlechtert. Die kaum kalkulierbaren Unsicherheiten wegen Corona-Teil-Lockdown, Brexit und US-Wahl dürften die Aktien-Indizes im Zaum halten. Doch die zu erwartenden Schwankungen auf dem "Höhepunkt der Unsicherheit" werden wohl nicht in einem Crash münden. Ein Wochenausblick.

Der deutsche Aktienmarkt dürfte in der neuen Woche im Bann der US-Präsidentschaftswahl am Dienstag und des bundesweiten Teil-Lockdowns stehen. Angesichts dieser beiden Hauptthemen dürften die vielen anstehenden Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten sowie die Sitzungen der Notenbanken der USA und Großbritanniens etwas in den Hintergrund treten.

Im Blickpunkt bleibt zudem die Hängepartie um eine Lösung im Brexit-Streit zwischen der EU und Großbritannien. Und natürlich die Corona-Lage: In Deutschland wurde am Freitag mit mehr als 19.000 Infektionen soviele Neu-Erkrankungen wie noch nie gezählt, teilte das Robert-Koch-Institut am Samstagmorgen mit.

Der deutsche Aktienmarkt hat eine desaströse Woche und einen ebensolchen Monat Oktober am Freitag mit relativ kleinen Abschlägen beendet. Der DAX schloss bei 11.556 Punkten. Damit verzeichnete der Leitindex ein Wochen-Minus von 7,5 Prozent. Die Oktober-Bilanz sieht mit einem Abschlag von fast zehn Prozent noch etwas schlechter aus.

DAX (WKN: 846900)

In den USA gab es im späten Freitagshandel eine kleine Aufwärtsbewegung, so dass der Dow Jones lediglich mit einem Abschlag von 0,6 Prozent ins Wochenende ging. Der Late-DAX zog daraufhin nachbörslich auf über 11.600 Punkte an. Der Weekend-DAX wird am Sonntag-Morgen vom Broker IG wieder etwa 100 Punkte niedriger taxiert.

"Die zweite große Welle an Neuinfektionen und die neuen Corona-Beschränkungen werden die Aktienmärkte weiter fest im Griff behalten. Auch die bevorstehende US-Wahl dürfte für Verunsicherung sorgen, falls es länger dauert, bis ein Ergebnis feststeht", bemerkte der Chefanlagestratege der Commerzbank, Chris-Oliver Schickentanz. Donald Trump sagte auf einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Pennsylvania, dass es Wochen dauern könne, bevor ein Endergebnis feststehe.

"Höhepunkt der Unsicherheit"

Nach Einschätzung von Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, bedeuten die letzten Tage vor der US-Wahl für die Finanzmärkte wahrscheinlich den "Höhepunkt der Unsicherheit". Er verwies darauf, dass "die zu erwartende Klarheit über die künftige US-Administration der erste Schritt zu einer Abnahme der Nervosität an den Märkten ist, gefolgt von der nahenden Brexit-Entscheidung und zu erwartenden positiven Folgen der ausgedehnten Covid-19-bedingten Einschränkungen".

Dies bedeute zunächst zwar eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit der Börsen, darüber hinaus gedacht sollte der frühzyklische Konjunkturaufschwung aber wieder Fahrt aufnehmen und den Aktienmarkt stützen. Die Bundesregierung hatte in ihrer Herbstprognose für dieses Jahr einen Abschwung des deutschen BIP von 5,5 Prozent angekündigt. Im kommenden Jahr solle die gesamte Wirtschaftsleistung wieder um 4,4 Prozent wachsen.

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 2005 bis 2019 und Prognose der Bundesregierung bis 2025
Statista
Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 2005 bis 2019 und Prognose der Bundesregierung bis 2025

Erleichterungsrallye nach klarem Wahlergebnis

Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg sagte: "Neben den Pandemie-Sorgen, die auch in den USA wieder virulenter werden, befürchten die Anleger einen unsicheren Wahlausgang in der kommenden Woche. Die Sorgen rund um die US-Wahl sollten aber bald Geschichte sein. Sollte in der Wahlnacht bereits ein klares Ergebnis feststehen, dürften die Aktienkurse mit einer Erleichterungsrallye reagieren", erwartet der Aktienstratege.

In puncto Corona-Restriktionen stellt Klumpp unterdessen folgende Rechnung auf: "Lockdown light ist gleich Marktkorrektur light." Sicher würden die neuen Einschränkungen einige Branchen wie die Gastronomie und den Tourismus nochmals besonders hart treffen, so der Aktienstratege. "Wir befürchten dennoch keine Baisse wie im Frühjahr: Der beschlossene Lockdown ist moderater als damals, und die Unternehmen sind besser darauf eingestellt. Außerdem ist die Arbeit an Impfstoffen schon weit vorangeschritten", erklärte Klumpp.

Teil-Lockdown ohne folgende Rezession?

DZ Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier geht allerdings davon aus, dass der Teil-Lockdown gesamtwirtschaftlich merkliche Effekte haben wird, selbst wenn die Einbußen nicht so gravierend sein dürften wie im Frühjahr. "Nach der kräftigen Erholung im dritten Quartal ist nunmehr ein Rückfall in eine - wenn auch vermutlich leichte - Rezession nicht unwahrscheinlich", so Bielmeier.

Aus Sicht des Groß- und Außenhandels sind die neuen Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angemessen. Die Maßnahmen seien "konsequent und richtig", sagte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), dem Handelsblatt. Der BGA-Präsident rechnet damit, dass bereits im ersten Quartal des kommenden Jahres ein Impfstoff zur Verfügung steht. Danach werde es zu einem starken Aufschwung kommen.

US-Arbeitsmarkt-Bericht am Freitag...

Es droht jedoch weiterhin auch das Risiko eines harten Brexit. Zwar sah EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen in den Gesprächen über einen Handelspakt mit Großbritannien zuletzt "gute Fortschritte", doch sind wichtige Streitpunkte noch ungeklärt. EU-Ratschef Charles Michel sagte, wahrscheinlich werde man nächste Woche die Lage abschätzen können.

Zu den Veröffentlichungen der wichtigsten volkswirtschaftlichen Daten in der neuen Woche gehören die Auftragseingänge und die Produktionszahlen der deutschen Industrie am Donnerstag und Freitag. In den USA dürfte der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts am Freitag besondere Aufmerksamkeit gebühren. Ansonsten sollte sich am Donnerstag der Anlegerfokus auf die geldpolitischen Sitzungen der Bank of England und der US-Notenbank Fed richten.

Höhepunkt der Berichtssaison voraus

Hierzulande geht in der neuen Woche die Quartalsberichtssaison der Unternehmen mit voller Fahrt weiter. Während am Montag mit den Zahlen des Medizintechnik-Konzerns Siemens Healthineers als einzigem DAX-Unternehmen noch relativ ruhig zugeht, wird es am Dienstag schon turbulenter. Unter anderem informieren der Pharma- und Agrarchemie-Konzern Bayer, der Spezialchemiekonzern Evonik, der Kochboxenversender HelloFresh sowie das Mode-Unternehmen Hugo Boss über ihre Geschäftsentwicklung.

Am Mittwoch folgen unter anderem der Autobauer BMW, der Immobilienkonzern Vonovia, der Flughafenbetreiber Fraport, der Chemikalien-Händler Brenntag und der Rückversicherer Hannover Rück.

Wochen-Höhepunkt des Zahlenreigens ist der Donnerstag mit den Quartalsergebnissen unter anderem von Lufthansa, Commerzbank, HeidelbergCement, Lanxess, Shop Apotheke, Munich Re, Gea Group, Dialog Semiconductor und Linde. Am Freitag folgen unter anderem noch der Versicherer Allianz und der Rüstungskonzern Rheinmetall. (Mit Material von dpa-AFX)

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