28.12.2012 Markus Horntrich

Aurelius: Agro- und Pharmachemie sind neue Megatrends

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Für die Münchener Mittelstandsholding Aurelius war 2012 ein Rekordjahr. Auf für 2013 gibt sich Vorstandschef Dr. Dirk Markus im Interview mit dem AKTIONÄR zuversichtlich.

Die Aktie der Münchener Aurelius AG gehörte 2012 zu den stärksten Nebenwerten. Das Geschäft mit Turnaroundinvestments scheint für den Aktien-Musterdepotwert so etwas wie eine Gelddruckmaschine zu sein. Hinter dem Erfolg steckt jedoch harte Arbeit, wie Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert. Gerade die aktuellen Unternehmenszahlen bei der MS Deutschland Beteiligungs-GmbH und bei Blaupunkt haben gezeigt, dass es mehrere Jahre dauern kann, um defizitäre Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu führen. Dennoch wird 2012 für Aurelius zum besten Jahr der bisherigen Unternehmensgeschichte.

DER AKTIONÄR: Dr. Markus, war das Jahr 2012 für Sie ein lcokeres Jahr oder war es eher stressig?

Dr. Dirk Markus: 2012 war ein Rekordjahr für uns. Dafür haben das gesamte Aurelius-Team und die Mitarbeiter unserer Töchter hart gearbeitet, wofür ich mich herzlich bedanken möchte. Solch ein fantastisches Ergebnis bedeutet natürlich viel Aufwand und manchmal auch mit Stress verbunden. Mit solch einem Abschluss im Rücken würde ich diesen allerdings als positiv bezeichnen. Wir haben 2012 viel richtig gemacht und das hat sich ausgezahlt

Was war in den letzten 12 Monaten der schönste Abschluss?

Bei insgesamt neun Transaktionen eine schwere Entscheidung. Der Schabmüller Verkauf an ZAPI war 2012 sicher eine besondere Erfolgsgeschichte. Wir haben während der Zugehörigkeit von Schabmüller zum Aurelius Konzern die Mitarbeiterzahl stark ausgeweitet und erheblich in neue Motorengenerationen investiert. Das hat sich ausgezahlt: Der Umsatz konnte nahezu verdoppelt und das operative Ergebnis fast vervierfacht werden. Schabmüller ist heute mit fast 30 Prozent Marktanteil Weltmarktführer für Elektromotoren von Gabelstaplern.

Aber Unternehmen wie Schabmüller zu finden, gelingt nicht immer, oder?

Bei Schabmüller haben wir unser eingesetztes Kapital um den Faktor 22 vervielfacht, so etwas kann man natürlich nicht bei jedem Investment erwarten.  Aber wir haben doch etliche Töchter, die das Potenzial dafür haben. Entscheidend ist ein nachhaltiges Zukunftskonzept und ein konsequentes Umsetzen des beschlossenen Strategiekonzeptes.  Hierzu integrieren unsere Töchter langfristig in den Konzern, investieren vor allem in Mitarbeiter und Technologie um langfristig die Ertragskraft zu steigern. Ohne jeden zeitlichen Druck können wir dann die weitere Entwicklung abwarten. So erzielen wir auch zukünftig Erfolge wie mit Schabmüller.

Welches ist im Moment Ihr stärkstes Unternehmenssegment?

Unsere Konzernstruktur ist sehr differenziert, da wir nicht nach Branchen investieren. Das reduziert unser Risiko. 2012 hatten wir mit dem Kauf von Briar Chemicals und Wychem jedoch gleich zwei Investitionen im Bereich der Agro- und Pharmachemie. Aus unserer Sicht handelt es sich dabei um die Megatrends in der Chemie für die kommenden Dekaden. Eine stetig wachsende Weltbevölkerung und die rasant steigende Lebenserwartung stehen für ein gewaltiges Potenzial mit geringem konjunkturellem Risiko. Beide Märkte werden auch in Phasen einer durchwachsenen konjunkturellen Entwicklung überdurchschnittlich wachsen können.

Wie viel Prozent der Produktion gehen denn in wachstumsstarke Bereiche wie Pflanzenschutz, Agro-Chemie, Pharmazie?

Fast 90 Prozent unseres Umsatzes generieren wir in den Zukunftsmärkten Agro-Chemie und Pharma. In beiden Segmente sind wir dabei ungefähr gleich stark vertreten.

Welches Wachstumspotential sehen Sie für die Chemie-Sparte bis 2015?

Wir können in den nächsten drei Jahren durchschnittlich prozentual zweistellig wachsen. Der Aurelius Konzern hat fünf gut positionierte Unternehmen im Markt. Wir verfügen in vielen Nischen über einen Technologievorsprung gegenüber Billiganbietern aus Fernost und unsere Kunden sind vor allem expansionsorientierte und kapitalstarke Blue Chips aus den Top 50 der Branche,  mit denen wir seit vielen Jahren eine enge und vertrauensvollen Zusammenarbeit pflegen.

Wie viel Potenzial sehen Sie bei Ihren IT-Beteiligungen?

Die Bedeutung der Informationstechnologie wird auch in den nächsten Dekaden unaufhaltsam zunehmen. Wir haben uns mit drei Übernahmen im Jahr 2012 in diesem Markt sehr gut positioniert. Aurelius hat vor allem die krisengeprägte Situation in Spanien genutzt, um zu sehr attraktiven Preisen Unternehmen zu kaufen, von deren Zukunftschancen wir überzeugt sind. Mit unserer langfristigen Strategie sollten wir in der Lage sein, ähnliche Erfolge wie mit Schabmüller zu erzielen.

Wird Berentzen eine ähnliche Erfolgsstory?

Berentzen hat sich nach der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung durch uns auf eine qualitativ hochwertige Produktpalette konzentriert und erfolgreich damit begonnen, die internationalen Märkte vor allem in den osteuropäischen und asiatischen Schwellenländern zu erschliesen. Mit dem Emissionserlös soll die Internationalisierung nun zügig vorangetrieben werden. Mit der Gründung eigener Tochtergesellschaften in der Türkei, Indien und China hat Berentzen bereits eine sehr gute Basis für Wachstum im Ausland gelegt.

Jetzt steigt Aurelius auch noch in das Bildungssegment ein, verzetteln Sie sich nicht?

Nein, denn wir sind mit unserer Tochter LD Didactic schon sehr lange in diesem Markt erfolgreich engagiert. Der Bereich individualisierte Nachhilfeleistungen ist für uns jedoch nicht nur ein attraktiver Markt mit großen Wachstumschancen  sondern auch eine gesellschaftliche Verpflichtung. Um unseren Kindern eine anständige Berufsperspektive zu ermöglichen, wird zukünftig mehr Eigenengagement nötig sein. Deshalb müssen wir das Angebot dafür kontinuierlich ausbauen und in Verfügbarkeit und Qualität investieren

Werden Sie Ihre Zusage wahr machen, dass der Anleger mit Bonus auf eine Ausschüttung von 3,50 bis 4 Euro in 2013 hoffen kann?

Unsere Aktionäre sollen an unserem Erfolg teilhaben. Unser Ziel ist es, die Basisdividende für 2012 erneut zu erhöhen und auf Grund unserer erfolgreichen Exits wird es auch eine Sonderausschüttung geben. Die exakte Höhe werden wir in den nächsten Wochen festlegen und ich bin überzeugt, dass wir den Markt dabei erneut positiv überraschen werden.

Welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?

Wir werden weiter an unserem Umsatzziel von langfristig 5 Milliarden Euro auf Konzernebene arbeiten. Dafür werden wir das organische Wachstum unserer Töchter weiter vorantreiben und uns nach weiteren Übernahmen umschauen. 2013 wird gesamtwirtschaftlich ein volatiles Jahr und somit für uns reich an guten Chancen.

Besten Dank für das Interview.