Amazon legt starke Zahlen für das zweite Quartal vor und übertrifft die Erwartungen der Wall Street spürbar. Getrieben von einem robusten Cloud-Geschäft (AWS) und hoher KI-Dynamik knackt der E-Commerce-Gigant erstmals die Marke von 200 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal. Die Aktie springt nachbörslich an.
Amazon hat am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss die Bilanz für das zweite Quartal vorgelegt und die Erwartungen der Wall Street deutlich geschlagen. Die Anleger reagieren euphorisch: Im nachbörslichen Handel schießt die Aktie um über acht Prozent nach oben.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
- Gesamtumsatz: Der Umsatz kletterte auf 200,61 Milliarden Dollar (Konsens: 196,47 bis 197,01 Milliarden Dollar). Das ist nicht nur ein klarer Beat, sondern markiert das erste Mal, dass Amazon in nur drei Monaten die 200-Milliarden-Dollar-Schwelle durchbricht.
- Operatives Ergebnis: Der operative Gewinn belief sich auf starke 27,46 Milliarden Dollar (Erwartet: 23,61 Milliarden Dollar). Die operative Marge kletterte entsprechend auf 13,7 Prozent (Konsens: 12,0 Prozent).
- Gewinn je Aktie: 5,75 Dollar (Konsens: 1,83 Dollar). Hinweis: Das Ergebnis beinhaltet einen Vorsteuergewinn von 53,4 Milliarden Dollar aus der Neubewertung der Beteiligung am KI-Start-up Anthropic. Ohne diesen Einmaleffekt läge das operative Bild im Rahmen der Erwartungen.
AWS und KI als Wachstumstreiber
Der wichtigste Fokus der Wall Street lag auf der Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS). Auch hier lieferte der Konzern ab. Der Umsatz von AWS lag bei 42,23 Milliarden Dollar (Erwartet: 40,54 bis 40,57 Milliarden Dollar). Währungsbereinigt wuchs das Segment um satte 37 Prozent (Konsens: +31,3 Prozent).
Einen echten Meilenstein markierte das Unternehmen beim Thema Künstliche Intelligenz: Sowohl die KI-Einheit von AWS als auch die hauseigene Chip-Sparte überschritten laut Bloomberg jeweils eine jährliche Umsatz-Run-Rate von über 25 Milliarden Dollar.
Werbegeschäft und Nordamerika robust
Auch abseits der Cloud läuft das Geschäft rund. In Nordamerika kletterte der Umsatz auf 116,18 Milliarden Dollar (Erwartet: 113,94 Milliarden Dollar). Das lukrative Werbegeschäft (Advertising) verzeichnete Erlöse von 19,81 Milliarden Dollar und schlug damit ebenfalls den Konsens (19,32 bis 19,43 Milliarden Dollar).
Ein kleiner Wermutstropfen war lediglich der Ausblick auf das laufende dritte Quartal: Amazon peilt hier einen Nettoumsatz von 197,0 bis 202,0 Milliarden Dollar an. Die Wall Street hatte hier im Schnitt mit 203,93 Milliarden Dollar gerechnet. Der Grund für die Zurückhaltung ist vor allem ein Verschiebungseffekt: Der Prime Day fand in diesem Jahr bereits im Juni statt, während er im Vorjahr im Juli (Q3) lag. Ohne diesen Prime-Day-Effekt läge das prognostizierte Wachstum um knapp 400 Basispunkte höher.
Amazon liefert auf fast allen Ebenen stark ab. Das Unternehmen beweist, dass sich die Investitionen in die Cloud-Sparte AWS und den Ausbau der Chip-Infrastruktur unmittelbar auszahlen und zu hohen Zuwächsen führen. Das klassische Handelsgeschäft bleibt als Cashcow intakt. Der minimal schwächere Ausblick für Q3 fällt angesichts der aktuellen Wachstumsraten bei AWS kaum ins Gewicht. Die Aktie bleibt ein klarer Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Amazon befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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