Die Entertainment-Branche befindet sich in einer Konsolidierungsphase, zuletzt hielt der milliardenschwere Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery die Anleger in Atem. Laut Medienberichten hat sich nun ein weiteres Unternehmen selbst zum Verkauf gestellt – und könnte Schwergewichte wie Apple, Amazon oder Netflix als Käufer anlocken.
• IMAX prüft einen Verkauf, erste Gespräche laufen bereits
• Als potenzielle Käufer werden unter anderem Netflix, Apple, Sony und Private Equity genannt
• Analysten halten IMAX mit rund 2,1 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung für unterbewertet
Der kanadische Technologiekonzern IMAX prüft einem Bericht des Wall Street Journals (WSJ) zufolge einen Verkauf des Unternehmens. Nach Informationen von mit der Sache vertrauten Personen hat IMAX bereits Gespräche mit möglichen Käufern aus der Unterhaltungsbranche aufgenommen – der Prozess befinde sich jedoch noch in einem frühen Stadium und könnte ohne Ergebnis enden. Die IMAX-Aktie legte nach der Veröffentlichung des WSJ-Berichts am Freitag mehr als 15 Prozent zu.
CEO signalisierte Offenheit
Völlig überraschend kommt die Meldung nicht: IMAX-CEO Richard Gelfond, der das Unternehmen seit 1994 führt, hatte die Tür für eine Übernahme bereits auf dem Investorentag im Dezember einen Spalt geöffnet. Sein Unternehmen werde ein „unglaublich wertvoller Player sein – entweder als vollständig differenziertes börsennotiertes Unternehmen oder als Teil eines größeren Konzerns“, sagte er damals.
CNBC berichtete zudem, dass IMAX über Vermittler bereits „vorläufige Gespräche“ geführt habe, ohne dass das Unternehmen selbst offizielle Angebote vorgelegt habe. Für IMAX ist es nicht das erste Mal: Schon in der Vergangenheit hat der Konzern den Markt sondiert, ohne dass es zu einem Deal gekommen war.
Premiumkino im Aufwind
Der Zeitpunkt ist strategisch gut gewählt. Der globale Kinomarkt erholt sich, und das Premiumsegment wächst dabei überproportional. Laut dem Datendienstleister EntTelligence entfielen auf Premium-Formate wie IMAX im bisherigen Jahresverlauf 16 Prozent aller Kinoticketverkäufe in den USA und Kanada – 2021 waren es erst 13 Prozent. IMAX selbst verbuchte 2025 mit 1,28 Milliarden Dollar an weltweiten Kassenerlösen ein Rekordjahr, ein Plus von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der IMAX-Anteil am US-Gesamtboxoffice stieg von 3,2 Prozent im Jahr 2019 auf zuletzt 5,2 Prozent. Trotz dieser operativen Stärke liegt die Marktkapitalisierung bei rund 2,1 Milliarden Dollar – gemessen an der strategischen Bedeutung des Unternehmens nach Einschätzung mehrerer Analysten zu niedrig.
Wer käme als Käufer infrage?
Genau das macht IMAX für eine breite Käufergruppe attraktiv. Wedbush-Analystin Alicia Reese nennt Netflix, Apple, Sony und Private-Equity-Häuser als die wahrscheinlichsten Interessenten. Für Netflix böte eine Übernahme eine Möglichkeit, Regisseuren Premium-Kinoauftritte zu ermöglichen und so Talent anzuziehen – bei relativ geringem Interessenkonflikt, da der Streamingdienst kein klassisches Studioportfolio besitzt. Apple wiederum verfüge über eine Bilanz, für die ein IMAX-Kauf „kaum der Rede wert“ wäre, während das Unternehmen damit seiner Plattform Apple TV+ ein Prestige-Aushängeschild verleihen könnte. Private-Equity-Investoren hätten den Vorteil, keinerlei eigenes Inhaltsprogramm zu betreiben und damit den neutralen Charakter von IMAX zu wahren – ein zentrales Argument für Studios.
Benchmark-Analyst Mike Hickey sieht das potenzielle Käuferuniversum noch breiter: Er nennt neben Apple, Sony und Netflix auch Amazon, Disney, Comcast/NBCUniversal und Sphere Entertainment sowie staatliche Investitionsfonds, die zuletzt verstärkt Interesse an globaler Unterhaltungsinfrastruktur gezeigt hätten.
Analysten von Texas Capital Securities und Seaport Research Partners wiesen hingegen auf fundamentale Interessenkonflikte hin, sollte ein klassisches Hollywood-Studio zugreifen: Der neutrale Zugang aller Filmverleiher zu IMAX-Leinwänden – ein Kernbestandteil des Geschäftsmodells – wäre in diesem Fall kaum aufrechtzuerhalten. Als mögliche Ausnahme unter den Kinobetreibern werden AMC Theatres und Cinemark genannt.
Ob der aktuelle Verkaufsprozess zu einem Abschluss führt, ist derzeit völlig offen. Klar ist: Angesichts eines prall gefüllten Filmkalenders für 2026 und 2027 – mit Titeln wie „Dune: Part Three“, „Die Odyssee“ und mehreren „Filmed for IMAX“-Produktionen – dürfte IMAX selten so attraktiv gewirkt haben wie heute.
Die IMAX-Aktie steht bereits seit Januar 2022 auf der Empfehlungsliste von DER AKTIONÄR und hat sich seitdem glatt verdoppelt. Im März wurde die Kaufempfehlung noch einmal erneuert. Investierte Anleger bleiben dabei und lassen die Gewinne laufen.
Heute, 11:00