Mit einer frischen 2-Milliarden-Dollar-Spritze für den Partner CoreWeave sichert sich Nvidia nicht nur seine wichtigste Absatzpipeline, sondern eröffnet mit der neuen "Vera"-CPU zeitgleich eine zweite Front gegen Intel und AMD.
Nvidia erwirbt CoreWeave-Aktien der Klasse A zu 87,20 Dollar das Stück. Das erklärte Ziel der Partnerschaft ist der Ausbau der Rechenkapazitäten um gigantische fünf Gigawatt bis 2030 – eine Energiemenge, die der Leistung von fünf Atomreaktoren entspricht. Im Gegenzug wird der "Neocloud"-Spezialist CoreWeave zum Premierenkunden für Nvidias neueste strategische Waffe: die "Vera"-CPU.
Das Novum: Erstmals bietet der Konzern einen Hauptprozessor als Standalone-Produkt an. Bisher verkaufte Nvidia seine CPUs fast ausschließlich im Systemverbund mit den eigenen Grafikchips. Jetzt wildert Huang direkt im Revier von Intel und AMD. Auch die Eigenentwicklungen der Hyperscaler, wie Amazons "Graviton", geraten ins Visier. "Vera ist komplett revolutionär", diktierte Huang selbstbewusst in die Notizblöcke der Analysten.
Kritik am "Circular Deal"
Doch der Geldfluss hat eine Schattenseite. CoreWeave, mittlerweile mit rund 47 Milliarden Dollar bewertet, verbrennt für den Infrastruktur-Ausbau Cash in atemberaubendem Tempo. Kritiker wittern seit Langem "Circular Deals" – ein Konstrukt, bei dem Nvidia in Start-ups investiert, die das Geld postwendend nutzen, um Nvidia-Chips zu kaufen.
Huang wischt diese Bedenken beiseite. Die Investition sei ein "Vertrauensbeweis" in das Management und das Geschäftsmodell von CoreWeave. Der Vorwurf, Umsätze künstlich aufzublähen, sei "lächerlich", da die Nvidia-Gelder nur etwa zwei Prozent der geplanten Investitionssummen von CoreWeave ausmachten. Dennoch: Nvidia hilft aktiv beim Kauf von Land und Stromkapazitäten. Man überlässt nichts dem Zufall.
Einseitige Euphorie
Die Börse reagierte prompt, aber selektiv. Während CoreWeave-Papiere vorbörslich um satte neun Prozent auf 101,32 Dollar nach oben schossen, gab die Nvidia-Aktie leicht nach.
Nvidia baut seinen Burggraben nicht nur aus, der Konzern flutet ihn. Der Angriff auf den klassischen CPU-Markt mit "Vera" zeigt, dass Huang sich nicht mehr mit der Vorherrschaft bei GPUs begnügt – er will das gesamte Rechenzentrum kontrollieren. Während Anleger bleiben bei Nvidia weiter an Bord bleiben sollten, ist CoreWeave aktuell keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Heute, 15:04