Die EZB hat im Juli eine Zinspause eingelegt. Doch von Entspannung kann keine Rede sein. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel macht nun deutlich, dass weitere Zinserhöhungen notwendig werden könnten. Die Inflation sei bei den aktuellen Zinsen mittelfristig voraussichtlich nicht auf das Ziel von zwei Prozent zu bringen.
- Schnabel spricht sich für eine weitere Straffung der Geldpolitik aus.
- Inflation im Euroraum liegt mit 2,9 Prozent deutlich über dem EZB-Ziel.
- Am 10. September steht der nächste EZB-Zinsentscheid an.
„Bei den aktuellen Zinsen ist es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig zum Ziel zurückkehrt, und daher wird eine weitere Straffung notwendig sein“, sagte Schnabel in einem Interview mit Bloomberg. Damit stellt sich die deutsche EZB-Direktorin klar gegen die Vorstellung, dass der Zinsgipfel bereits erreicht sein könnte. Gleichzeitig handelt es sich um ihre persönliche Einschätzung. Schnabel spricht nicht für den gesamten EZB-Rat.
Der Hintergrund ist die hartnäckige Inflation. Im Juli stieg die Teuerungsrate im Euroraum auf 2,9 Prozent. Im Juni hatte sie noch bei 2,8 Prozent gelegen. Besonders stark legten die Energiepreise zu.
Der schmale Grat zwischen Inflation und Konjunktur
Die Notenbank hatte die Leitzinsen im Juni um 25 Basispunkte angehoben. Der Einlagensatz stieg damit auf 2,25 Prozent. Im Juli ließ der EZB-Rat die Zinsen unverändert (DER AKTIONÄR berichtete) und betonte, sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen.
Die Konjunktur liefert derweil keinen eindeutigen Grund für eine schnelle Kehrtwende. Zwar erwartet die EZB für 2026 lediglich ein Wachstum von 0,8 Prozent. Gleichzeitig erweist sich die Wirtschaft laut Schnabel als widerstandsfähiger als zunächst befürchtet. Genau darin liegt ein wichtiger Teil ihrer Argumentation: Die Wirtschaft könnte weitere geldpolitische Straffungen eher verkraften, während die Inflationsrisiken erhöht bleiben.
Hinzu kommen die hohen Energiepreise. Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Energieversorgung und hält den Preisdruck hoch. Schnabel warnte zudem davor, erst dann zu reagieren, wenn sich die höheren Preise bereits deutlich in den Löhnen niederschlagen. Dann könnte die EZB bereits zu spät sein.
September wird entscheidend
Der nächste wichtige Termin steht bereits fest. Am 10. September kommt der EZB-Rat zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. Ob es dann tatsächlich zu einer weiteren Zinserhöhung kommt, ist allerdings noch nicht entschieden. Denn die EZB betont weiterhin ihren datenabhängigen und von Sitzung zu Sitzung ausgerichteten Kurs. Die Entscheidung soll von den Inflationsdaten, der zugrunde liegenden Teuerung, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Wirkung der bisherigen Geldpolitik abhängen.
Klar ist: Die Zinspause im Juli war kein Freifahrtschein für fallende Zinsen. Schnabel bringt weitere Erhöhungen ausdrücklich zurück auf die Agenda. Ob ihr die Mehrheit im EZB-Rat folgt, wird sich im September zeigen. An der Börse reagieren Anleger bislang gelassen auf Schnabels Aussagen: Der DAX gewinnt am Nachmittag und ein halbe Prozent.
DER AKTIONÄR DAILY Newsletter
Bleiben Sie über die neuesten Entwicklungen bei spannenden Unternehmen und an der Börse auf dem Laufenden. Lesen Sie DER AKTIONÄR DAILY – den täglichen Newsletter von Deutschlands führendem Börsenmagazin. Kostenlos.
26.08.2026, 14:30
Bei Google bevorzugen