Der Top-Market-Mover in den USA ist am heutigen Börsentag überraschend die Pharmafirma Abbott Laboratories. Mehr als zehn Prozent schießen die Papiere nach oben. Doch auf den zweiten Blick erklärt sich, warum der Kurs so stark ansteigt wie seit 24 Jahren nicht mehr.
Kurz und knapp
• Abbott übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen bei Gewinn und Umsatz deutlich.
• Das zuvor belastende Ernährungsgeschäft zeigt dank Preisanpassungen und neuer Produkte eine Verbesserung.
• Die starke Kursreaktion und das Überwinden der 50-Tage-Linie wecken nach einem Jahresverlust von 20,5 Prozent Hoffnungen auf eine Erholung.
Im Vergleich zu Technologieaktien und gerade zu Gewinnern des Trends um Künstliche Intelligenz wie dem Chiphersteller Nvidia wirken Pharmaaktien auf viele Anleger eher langweilig und dröge. Abbott zeigt heute, dass das nicht der Fall sein muss. Der Kurs geht mit einem Plus von zuletzt mehr als elf Prozent regelrecht durch die Decke.
Hintergrund ist die aktuell laufende Berichtssaison: Abbott hat also Zahlen für das letzte Quartal präsentiert, und die kommen am Markt mehr als gut an. Für den Zeitraum von April bis Juni meldeten die Amerikaner einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,31 Dollar (Vorjahr: 1,26 Dollar, Prognose: 1,28 Dollar). Der Umsatz hatte um 13 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar zugelegt, ebenfalls mehr, als Analysten erwartet hatten.
Abgesehen von leicht besser als gedacht ausgefallenen Geschäftszahlen hat Anleger offenbar der Anstieg des Umsatzwachstums im Ernährungsgeschäft um 3,6 Prozent elektrisiert. Das Management führte die Verbesserung auf Preismaßnahmen und die Einführung neuer Produkte zurück. Damit gelang in diesem Segment eine Wende, nachdem es die Finanzkennzahlen von Abbott in den vergangenen Quartalen belastet hatte.
Zudem wurde die Gewinnprognose für das laufende Jahr erhöht: Statt eines bereinigten Gewinns je Aktie in der Spanne von 5,45 bis 5,60 Dollar stellt der Vorstand Aktionären nun 5,38 bis 5,58 Dollar in Aussicht. Für das dritte Quartal rechnet der Vorstand mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,38 bis 1,46 Dollar. Der Mittelwert dieser Spanne entspricht mit 1,42 Dollar der Wall-Street-Prognose. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 5,47 Dollar bei einem Umsatz von 50,37 Milliarden Dollar.
Die Zahlen von Abbott kommen übermäßig gut am Markt an. Für die leidgeprüften Aktionäre sind sie zumindest ein Hoffnungsschimmer. Die Papiere haben im laufenden Jahr 20,5 Prozent eingebüßt. Auch aus charttechnischer Sicht ist der Sprung daher willkommen. Die 50-Tage-Linie bei 88,79 Dollar wurde intraday nun geknackt. Die Aktie ist keine laufende Empfehlung.
Heute, 17:40
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