Die geplante Pharmareform der deutschen Bundesregierung sorgt für heftigen Gegenwind aus der Branche. Mit BioNTech und Eli Lilly haben sich nun zwei Schwergewichte kritisch zu Wort gemeldet. Beide Unternehmen warnen, dass die Pläne die Attraktivität Deutschlands als Pharmastandort erheblich beschädigen könnten. Das ist auch für Anleger ein relevantes Thema.
Die Bundesregierung will die Gesundheitsausgaben senken und plant dafür unter anderem niedrigere Medikamentenpreise. Für die Industrie ist das ein sensibles Thema. Deutschland zählt zu den wichtigsten Pharmamärkten Europas und dient vielen Ländern als Referenz für die Preisgestaltung von Arzneimitteln.
Besonders deutlich wird Eli Lilly. Der US-Konzern erklärte, die verbleibende Ausbaustufe seines 2,5-Milliarden-Dollar-Projekts in Deutschland könnte halbiert werden. Betroffen wären ein erheblicher Teil der geplanten Investitionen sowie zahlreiche der vorgesehenen Arbeitsplätze.
Auch BioNTech schlägt vorsichtige Töne an. Künftige Investitionen in Deutschland würden davon abhängen, ob die Politik ein attraktives Umfeld für die Pharmaindustrie sicherstellen könne. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der Markteinführung neuer Krebsmedikamente und investiert massiv in Forschung und Entwicklung.
Zumindest für BioNTech steht viel auf dem Spiel. Nach dem Einbruch des Corona-Impfstoffgeschäfts sucht das Unternehmen neue Wachstumstreiber. Der Fokus liegt auf Krebsmedikamenten und innovativen Therapien. Dafür sind hohe Forschungs- und Produktionsinvestitionen notwendig. Gleichzeitig hatte BioNTech zuletzt bereits Sparmaßnahmen angekündigt.
Die Diskussion dürfte Anleger noch länger begleiten. Operativ ändert sich für BioNTech oder Lilly kurzfristig wenig. Aber es geht um die Investitions- und Wachstumspläne großer Pharma- und Biotech-Konzerne. Sollte die Politik an den Plänen festhalten, könnte Deutschland für internationale Pharmakonzerne an Attraktivität verlieren. Für Unternehmen wie BioNTech, die langfristig auf Forschung, Produktion und neue Wirkstoffe setzen, wäre das kein positives Signal. AKTIONÄR-Leser können aber im Zweifel ohnehin entspannt bleiben: Keine der beiden Aktien ist derzeit eine laufende Empfehlung (siehe folgende Beiträge).
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BioNTech.
Heute, 16:20