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09.07.2021 Fabian Strebin

Weitere 50 Prozent Plus bei Nio? HSBC sagt Ja

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Nio

Nio kommt im laufenden Jahr auf eine magere Performance von minus sechs Prozent, nachdem die Aktie des chinesischen Autobauers 2020 mit einer 236-Prozent-Rallye auf der Überholspur fuhr. Die Underperformance der Titel dürfte demnach auch bald vorbei sein, denn auch durch die weltweiten Klimaschutz-Maßnahmen boomen E-Autos. Die HSBC traut der Aktie jedenfalls noch viel zu.

Der chinesische Autohersteller Nio wird von einer starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen profitieren, was die Aktie nach oben treiben sollte, sagte HSBC am Freitag, als sie das Unternehmen auf eine Kaufempfehlung hochstufte. "Wir gehen davon aus, dass sich das Volumenwachstum von Nio aufgrund der starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, des wettbewerbsfähigen Premium-Elektrofahrzeugangebots und der etablierten Marke beschleunigen wird", so die Bank.

51 Prozent Potenzial

Basierend auf der Erwartung eines höheren Umsatzwachstums hob die Firma auch ihr Kursziel für die in den USA notierten Aktien auf 69 Dollar an, was etwa 51 Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag liegt. Das vorherige Ziel von HSBC lag bei 54 Dollar. Nio sagte Anfang Juli, dass es im Juni einen Rekord von 8.083 Fahrzeugen ausgeliefert habe, was die Gesamtzahl für das zweite Quartal auf 21.896 brachte. Das Unternehmen hatte für diesen Zeitraum Auslieferungen zwischen 21.000 und 22.000 prognostiziert. Die Juni-Zahl folgt auf einen Rückgang im Mai, als der weltweite Chipmangel das Geschäft von Nio beeinträchtigte.

First-Mover-Vorteil für Chinesen

Für das Jahr 2021 hat Nio bisher mehr als 41.900 Autos ausgeliefert, was fast so hoch ist wie die Gesamtzahl von 2020, als man auf 43.728 kam. HSBC sagte, dass Nios etablierter Platz auf dem Markt für Elektrofahrzeuge dem Unternehmen einen First-Mover-Vorteil verschafft, wenn die Fahrzeugverkäufe steigen.

Etablierung im Premium-Segment voraus

"Wir sehen die starke Markentraktion, das solide Produktangebot und den guten Ruf von Nio bei den bestehenden Autobesitzern als wahrscheinliche Treiber für das anhaltende Volumenwachstum", schrieben die Analysten um Yuqian Ding in einer Notiz an die Kunden. "Mit den bestehenden SUV-Modellen und der noch einzuführenden Limousinen-Serie sowie der hauseigenen Software für autonomes Fahren sehen wir, dass sich Nio wahrscheinlich im Premium-EV-Segment etablieren wird."

Nio (WKN: A2N4PB)

In China geht der Verkauf von E-Autos durch die Decke

Die bullishe Einschätzung von HSBC zu Nio basiert auf der Überzeugung des Unternehmens, dass der Absatz von Elektrofahrzeugen in China weiter steigen wird. Ding merkte an, dass bis Mai die NEV-Verkäufe, oder New Energy Vehicles, wie sie in China genannt werden, im Jahresvergleich um 236 Prozent gestiegen sind, verglichen mit 38 Prozent Wachstum im gesamten Automarkt.

"Die Generation Z ist unserer Ansicht nach wahrscheinlich die greifbarste Autokäufergruppe für das kommende Jahrzehnt, und sie sind eher elektrofahrzeugfreundlich", sagte er. HSBC hob seine Schätzungen für die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen in den Jahren 2025 und 2030 auf 22 Prozent beziehungsweise 45 Prozent an, gegenüber 19 Prozent beziehungsweise 39 Prozent. In ihrem Bullen-Szenario geht die Bank davon aus, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 71 Prozent des Marktes ausmachen werden.

Die Positionierung im hochpreisigen Bereich macht Sinn, da dort der Wettbewerb geringer und die Margen somit höher sein dürften. Die Aktie ist eine spekulative Wette auf weiterhin hohe Wachstumsraten und den Siegeszug der E-Mobilität als Antrieb der Zukunft. Die Bewertung ist allerdings sportlich.

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