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12.07.2021 Martin Mrowka

Luftfahrt-Aktien leiden unter Delta-Variante: Diese Fluggesellschaften sehen Analysten am besten positioniert

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Deutsche Lufthansa

Die in vielen Ländern Europas wieder steigenden Corona-Infektionszahlen und Sorgen vor einer weiteren Ausbreitung der Delta-Variante sorgen zum Wochenstart für Verkäufe von Luftfahrt-Aktien. Im DAX leiden die Papiere von Triebwerkhersteller MTU überdurchschnittlich, im MDAX liegen Airbus, Fraport und Lufthansa am Ende. Auch die Papiere von ausländischen Airlines verlieren. Dabei haben sich Analysten durchaus positiv geäußert.

Corona lässt nicht locker, vor allem die besonders ansteckende Delta-Variante breitet sich aus. Besonders aufmerksam wird von Deutschland aus die Lage in Großbritannien beobachtet. Dort liegt die 7-Tage-Inzidenz bereits wieder bei über 280. Die Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) machte insgesamt 54.268 Neuinfektionen in einer Woche aus. Dennoch will Premier Boris Johnson heute Nachmittag verkünden, dass alle verbliebenen Corona-Regeln im größten Landesteil England zum 19. Juli aufgehoben werden.

In den Niederlanden, wo bereits zum 26. Juni fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben wurden, steigen die Neuinfektionszahlen noch schneller. Nach Angaben des staatlichen Gesundheitsinstituts RIVM wurden allein zwischen Freitag und Samstag 10.345 neue Ansteckungen festgestellt, einen Tag zuvor waren es noch knapp 7.000 und am Samstag voriger Woche 1.100. Das holländische Parlament unterbricht seine gerade erst begonnene Sommerpause und kommt am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammen.

Auch in Spanien steigen die Corona-Neuinfektionen. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums liegt die 7-Tage-Inzidenz aktuell bei 153. Kritisch könnte es werden, wenn sie die Marke von 200 übersteigt und Spanien zum Hochinzidenzgebiet erklärt wird.

Angesichts der Corona-Lage werden am Montag Luftfahrt-Aktien abgestoßen. In Deutschland verlieren Lufthansa, Airbus und Fraport im MDAX mehr als zwei Prozent, im DAX liegt MTU Aero Engines mit einem Abschlag von 2,1 Prozent am Ende der Tagesperformer.

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Noch deutlich stärker sacken die Papiere der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air-France KLM ab. Bis auf 3,96 Euro fiel die Aktie. Die Analystin Carolina Dores von Morgan Stanley sieht das Papier noch weiter fallen und hat ihr Kursziel von 3,00 Euro heute bestätigt. Gründe seien die möglichen Kapitalerhöhungen und eine nur langsame Erholung der Profitabilität.

Das Kursziel für Lufthansa hat die Analystin von 5 auf 8 Euro angehoben, ihre Einstufung aber auf "Underweight" belassen. Auch charttechnisch hat sich das Lufthansa-Bild zuletzt verschlechtert.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212)

Besser sieht es in den Augen von Carolina Dores bei Ryanair und EasyJet aus. Ihr "Top Pick" Ryanair sei am besten positioniert, um von einer Erholung in den kommenden Monaten zu profitieren. Das Kursziel für die Iren-Aktie wurde von 17 auf 20 Euro angehoben, die Einstufung auf "Overweight" belassen.

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs sieht Ryanair als "Buy" und hat am vergangenen Donnerstag das Kursziel von 19,20 Euro bestätigt. Aussagen des Vorstandschefs in einem Medieninterview deuteten auf eine starke Erholung der Buchungszahlen im Juli und August hin, schrieb Analyst Patrick Creuset in einer Studie. Die Entwicklung sei hier besser als von ihm gedacht.

Die guten Analysten-Einstufungen helfen der Ryanair am Montag jedoch nicht. Im Zuge des allgemeinen Abverkaufs von Luftfahrt-Werten rutscht die irische Aktie um 2,4 Prozent ab auf 15,84 Euro.

Ryanair (WKN: A1401Z)

Zudem bietet sich für die Morgan-Stanley-Analystin bei EasyJet aktuell eine gute Gelegenheit, wenngleich sie EU-Airlines den britischen vorziehe. Dores hat das Kursziel für EasyJet von 800 auf 1.100 Pence angehoben und die Billigflieger-Aktie von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft. Am Montag-Vormittag rutscht das EasyJet-Papier um 2,6 Prozent ab auf 909 Pence bzw. im Xetra-Handel auf 10,70 Euro (siehe Chart). 

Die US-Bank JPMorgan ist skeptischer für die EasyJet-Aktie als Morgan Stanley. Analyst David Perryhat die Einstufung heute auf "Neutral" mit einem Kursziel von 845 Pence belassen. Die Wiederaufnahme des innereuropäischen Luftverkehrs sei erst einmal eine positive Entwicklung, schrieb er in einer aktuellen Sektorstudie. Es gebe weiterhin das Risiko, dass Virusvarianten viele Regierungen zwingen könnten, wieder striktere Reisebeschränkungen zu erlassen. Derweil seien die Kostensenkungspläne des Billigfliegers nicht so ambitioniert wie von vielen erhofft.

easyJet (WKN: A1JTC1)

Die stark auf Großbritannien fokussierte British-Airways-Mutter-Aktie von IAG (International Consolidated Airlines Group) verliert mehr als drei Prozent auf 178,98 Pence. Noch in der vergangenen Woche hatte die Schweizer Bank Credit Suisse das Kursziel für IAG von 228 auf 256 Pence angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen. Analyst Neil Glynn wird optimistischer für 2022. Vor allem auf der Langstrecke rechnet er mit einer Erholung der Profitabilität der Airline.

Die Schweizer Großbank UBS sieht sogar ein Kursziel von 280 Pence. Der weltweite Luftverkehr habe im ersten Halbjahr deutlich unter dem Vorjahreszeitraum gelegen, so Analyst Jarrod Castle in einer vorliegenden Branchenstudie. Kosten im Zusammenhang mit gesundheitlichen Maßnahmen und ein hoher Grad von Einschränkungen beim Reisen hielten die Verbraucher ab. Das dürfte sich bald ändern, IAG sollte profitieren.

Die Luftfahrt-Branche bleibt weiterhin stark abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie. Neue Investments in Lufthansa, Airbus, Fraport, MTU und Co sollten zurückgestellt werden, bestehende Engagements mit individuellen Stop-Loss-Orders abgesichert werden. Wenn sich eine nachhaltige Besserung am Horizont zeigt, dürften Ryanair und EasyJet unter den Fluggesellchaften bessere Chancen als die Konkurrenz der großen Airlines haben. 

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Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Lufthansa.

 

(Mit Material von dpa-AFX)