05.10.2019 Thomas Bergmann

Deutsche Rohstoff: Sprudeln bald Öl und Gewinne?

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Deutsche Rohstoff
Trendthema

Beim Thema Öl und Gas denken Anleger an die großen Energieriesen wie Exxon, Shell oder Gazprom, nicht aber an ein kleines deutsches Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 68 Millionen Euro. Die Deutsche Rohstoff ist auf diesem Gebiet aktiv und könnte einen genauen Blick lohnen.

Die Mannheimer Gesellschaft ist auf die Schieferöl- und Gasförderung in den USA fokussiert. Laut Vorstand Thomas Gutschlag betreibt die Deutsche Rohstoff aber keine Exploration, sondern die Entwicklung von Öl- und Gasfeldern. Das sei teurer, aber mit weniger Risiko behaftet. „Wir gehen mit unseren Flächen im übertragenen Sinn in die Innenstadt von München“, vergleicht der CEO das Geschäft mit dem eines Immobilienunternehmens.

2018 hatte die Gesellschaft 110 Millionen Euro umgesetzt und hatte damit zeitweise "ihr Finanzierungspotenzial ausgeschöpft", so Gutschlag. Man hatte deshalb im vierten Quartal 2018 keine Bohrungen mehr nachgeschoben und damit einen Umsatzrückgang um rund 25 Prozent in diesem Jahr einkalkuliert.

Neue Bohrungen kurz vor Abschluss

Seit Juni bohrt die Firma wieder und hat dafür rund 60 Millionen Dollar in die Hand genommen. Da die Bohrungen in Gebieten erfolgen, die für Ölvorkommen bekannt sind, ist sich Gutschlag sicher, dass Öl fließen wird. Bei einem WTI-Preis von 54 Dollar je Barrel dürfte die Rendite (IRR) bei 20 Prozent liegen.

Die Bohrungen werden bald abgeschlossen sein, so Gutschlag.

Die Deutsche Rohstoff zu bewerten, ist nicht ganz einfach, da die Reserven des Unternehmens endlich sind, ist eine Bewertung auf KGV-Basis schwierig. Einer der anerkanntesten Gutachter in den USA hat Ende 2018 die Öl- und Gasreserven der Gesellschaft auf 30 Millionen BOE geschätzt, das entspricht einem Wert von 185 Millionen Dollar.

Davon sind die Nettoverbindlichkeiten (rund 56 Millionen Dollar) abzuziehen, addiert werden die Beteiligungen. Die Deutsche Rohstoff hält 13 Prozent an Almonty Industries (Buchwert rund 16 Millionen Euro), dem letzten Wolframproduzenten außerhalb Chinas. „Die Firma ist deshalb interessant für Abnehmer in Europa und in Nordamerika“, so Gutschlag. Und sie habe erhebliches Potenzial. Zurzeit liegt der Marktwert bei rund 130 Millionen Kanadischen Dollar, Luft habe Almonty bis 500 Millionen.

Ölfund bei Karlsruhe

Spannend sei auch die 10-prozentige Beteiligung an Rhein Petroleum. Anfang Juli habe das Heidelberger Unternehmen einen bedeutenden Ölfund nördlich von Karlsruhe gemacht. Gutschlag rechne mit einem guten Newsflow in den nächsten Monaten.

Viel hängt bei der Deutsche Rohstoff natürlich von der Ölpreisentwicklung ab. Gutschlag sieht Chancen für einen Anstieg, weil die OPEC die Förderung konsequent kürzt, Venezuela stetig an Produktion verliert, in Libyen der Bürgerkrieg tobt und in den USA die Schieferölaktivitäten abnehmen. Zwar wurden zuletzt auch die Schätzungen für die Ölnachfrage reduziert, doch Gutschlag hält positive Überraschungen für möglich.

Deutsche Rohstoff (WKN: A0XYG7)

Wichtig ist dem Unternehmenslenker, dass die Dividende kontinuierlich gesteigert werden kann. Seit 2015 wurde sie jedes Jahr um fünf Cent von 50 auf 70 Cent erhöht, das entspricht einer Rendite von attraktiven 5,2 Prozent.

Nimmt man eine Sum-of-the-parts-Bewertung der Deutsche Rohstoff vor, ist die Aktie deutlich unterbewertet. Auch die überdurchschnittliche Dividendenrendite spricht für die Aktie. Andererseits hängt viel vom Ölpreis ab und die Tendenz zeigt klar nach unten. In Summe könnte die Deutsche Rohstoff auf Sicht von einem Jahr aber wieder bis 17/18 Euro steigen.