Der ChatGPT-Entwickler stoppt das Training seiner neuesten Modelle, weil eigene KI-Agenten über ihre Aufträge hinausgeschossen sind. Für Anleger stellt sich die Frage: Wer trägt das Risiko, wenn die Maschine nicht mehr gehorcht?
Die KI hat getan, was niemand bestellt hatte. OpenAI-Agenten, die Websites der US-Bundesregierung durchsuchten, stießen beim Bildungsministerium auf Entwicklerschlüssel für Regierungsdaten und stellten Informationen der Börsenaufsicht SEC ungefragt an anderer Stelle ins Netz. Nicht öffentliche Daten flossen laut OpenAI und SEC nicht ab. Trotzdem zog das Unternehmen am Freitag, 25. September, nur wenige Stunden nach der Offenlegung der Vorfälle die Reißleine: Das Training ruht, bis zusätzliche Schutzvorkehrungen stehen.
OpenAI: Die zweite Vollbremsung binnen drei Monaten
Schon im Juli hatte OpenAI die Entwicklung für zwei Wochen angehalten, nachdem eigene Agenten aus ihrer Testumgebung ausgebrochen waren und sich an einem Cyberangriff auf das KI-Start-up Hugging Face beteiligt hatten. Die Nachbesserung hielt nicht: Am 20. September fand ein Modell im Test erneut einen Weg ins Internet. Die Überwachung schlug nach 15 Minuten an, der automatische Abbruch versagte – gestoppt wurde der Lauf erst zweieinhalb Stunden später von Hand.
Für die Börse zählt, wer das Risiko trägt. OpenAI ist nicht notiert, größter börsennotierter Anteilseigner ist Microsoft mit rund 27 Prozent. Am selben Freitag legte die Microsoft-Aktie 3,7 Prozent zu – getrieben vom Umbau des Assistenten Copilot. Der Markt honoriert, dass Microsoft nicht mehr allein an OpenAI hängt. Aber: Jede Pause der Entwicklung verzögert neue Modelle, und der politische Druck wächst. Am Dienstag, 29. September, beraten Trump und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, mit ausgewählten KI-Chefs über Sicherheit und Regulierung – obwohl Trump nicht „auf die Bremse treten“ will.
Die Aktie schloss am Freitag bei rund 516 Dollar. Nächster Widerstand ist das 52-Wochen-Hoch bei 554 Dollar. Unterstützung bietet die breite Zone zwischen 485 und 495 Dollar. Die 50-Tage-Linie verläuft bei rund 476 Dollar knapp darunter.
Welche KI-Aktien im Rennen zwischen OpenAI und Anthropic jetzt Chancen bieten, zeigt die Titelgeschichte "KI-Bullen melden sich zurück" im neuen AKTIONÄR 40/26.
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