Die monatelange Panik vor dem Untergang des Software-Sektors durch künstliche Intelligenz löst sich in Luft auf. Mit fulminanten Quartalszahlen und bärenstarken Ausblicken erteilen Branchengrößen wie Salesforce und Crowdstrike den Abgesängen eine spektakuläre Absage. Erleben wir jetzt den Startschuss zur großen Aufholjagd?
Lange Zeit dominierten diffuse Ängste die Chefetagen der Wall Street: Fortschrittliche KI-Modelle würden traditionelle Software-as-a-Service-Anbieter überflüssig machen und deren Geschäftsmodelle zerstören. Doch mit den jüngsten Quartalsbilanzen schlägt das Sentiment dramatisch um. Unternehmenslenker betonen unisono, dass gerade komplexe Software- und Datenstrukturen das unverzichtbare Fundament bilden, um KI-Anwendungen überhaupt sicher und gewinnbringend in Betrieben zu verankern.
Besonders Salesforce sorgte für ein Kursfeuerwerk und kletterte um mehr als 20 Prozent. Mit einem Umsatzplus von elf Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 5,90 Dollar pulverisierte der Konzern die Markterwartungen von 3,27 Dollar. Zudem kündigte Konzernchef Marc Benioff unter dem Namen Claudeforce eine vertiefte Partnerschaft mit dem KI-Pionier Anthropic an. Gleichzeitig verbuchte Salesforce einen Bewertungsgewinn von 2,6 Milliarden Dollar aus seiner strategischen Beteiligung an Anthropic. Benioff stellte auf der Bilanzkonferenz unmissverständlich klar: "This nonsense of this SaaSpocalypse, I think it's time for it to stop." Die düsteren Vorhersagen über das Ende der Softwarebranche seien schlichtweg nicht eingetreten.
Die Euphorie erfasste die gesamte Branche: ServiceNow sprang um neun Prozent hoch, während Adobe und Autodesk jeweils sechs Prozent zulegten. Palantir verteuerte sich um vier Prozent, gestützt auf das Erreichen einer jährlichen wiederkehrenden Umsatzrate von einer Milliarde Dollar für sein KI-gestütztes Verteidigungssystem.
Noch dynamischer präsentierte sich der Bereich Cybersicherheit. Weil autonome KI-Agenten immer komplexere Cyberangriffe ermöglichen, explodieren die Sicherheitsbudgets. Crowdstrike schoss nach einem glänzenden Quartal um 18 Prozent empor, während Okta um 27 Prozent nach oben katapultiert wurde. Auch Schwergewichte wie Palo Alto Networks, SailPoint, Zscaler und Tenable verbuchten zweistellige Kursgewinne.
Die Totengräber-Stimmung im Software-Sektor war übertrieben. Statt die Branche zu vernichten, entpuppt sich künstliche Intelligenz als Nachfrage- und Margentreiber für etablierte Plattformen und IT-Sicherheitsspezialisten. Wer breit gestreut auf den Rebound in den Sektoren setzen möchte, kann entweder auf den Next 20 Index oder aber den Cybersecurity Index setzen.
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