Der Software-Gigant Oracle hat am Mittwochabend nach US-Börsenschluss sein Zahlenwerk für das vierte Quartal vorgelegt. Obwohl das Unternehmen bei den meisten Kennzahlen die Erwartungen übertreffen konnte, reagierte der Markt verschnupft. Im nachbörslichen US-Handel sackte die Aktie rund fünf Prozent ab. Analysten verweisen auf zwei entscheidende Haare in der Suppe.
Dabei lesen sich die reinen Quartalszahlen in vielen Bereichen solide: Der bereinigte Umsatz stieg im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 19,18 Milliarden Dollar und übertraf damit die Schätzungen der Analysten von 19,09 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 2,11 Dollar ebenfalls über der Konsensprognose von 1,97 Dollar. Als großer Gewinner zeigte sich erneut die Cloud-Infrastruktur (IaaS), deren Erlöse um 93 Prozent auf 5,79 Milliarden Dollar nach oben schnellten (Erwartung: 5,72 Milliarden Dollar). Ein echtes Ausrufezeichen setzte der Konzern beim Auftragsbestand: Dieser schwoll spektakulär von 138 Milliarden Dollar im Vorjahr auf nun 638 Milliarden Dollar an.
Trotz dieses massiven Auftragspolsters machten sich an der Wall Street Enttäuschung breit. Zum einen verfehlte das gesamte Cloud-Geschäft (IaaS und SaaS kombiniert) mit 9,91 Milliarden Dollar knapp die Markterwartung von runden 10 Milliarden Dollar. Während die Infrastruktur boomte, schwächelten die Cloud-Anwendungen (SaaS) mit 4,13 Milliarden Dollar (Erwartung: 4,17 Milliarden Dollar). Auch das traditionelle Softwaregeschäft war mit einem Rückgang von 2,1 Prozent rückläufig. Zum anderen – und das wog für die Anleger am schwersten – bestätigte das Management die Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjahr 2027 lediglich bei den bereits bekannten 90 Milliarden Dollar. Angesichts des rasant gestiegenen Auftragsbestands hatten sich die Marktteilnehmer hier im Vorfeld eine Anhebung erhofft.
Das Analysehaus Vital Knowledge wies zudem auf die finanzielle Kehrseite des Wachstums hin. Zwar sei die Cash-Performance nicht so schlecht ausgefallen wie befürchtet, doch stehe Oracle nun vor einer Phase anhaltend hoher Cash-Abflüsse. Um die gewaltigen Infrastruktur-Aufträge überhaupt abarbeiten zu können, sind immense Investitionen in Rechenzentren nötig. Dies erfordert erhebliche Mengen an zusätzlichem Kapital. Oracle plant für das Fiskaljahr 2027 Finanzierungsmaßnahmen in Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital, wovon 20 Milliarden Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien am Markt generiert werden sollen. Diese anstehende Verwässerung und die hohe Schuldenlast bremsen die Euphorie der Investoren vorerst aus.
Oracle beweist im Bereich der KI-Infrastruktur eine starke Dynamik und verfügt über prall gefüllte Auftragsbücher. Allerdings zeigen die verfehlten Ziele im SaaS-Bereich und die stagnierende Umsatzprognose für 2027, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der hohe Kapitalbedarf für den Netzausbau bleibt eine spürbare Belastung für die Bilanz. Anleger sollten vorerst an der Seitenlinie bleiben und abwarten, bis der Titel einen charttechnischen Boden ausbildet.
10.06.2026, 22:38