Die japanischen Löhne auf dem höchsten Stand seit 1997, angehobenes Wachstum, ein zu 98 Prozent eingepreister Zinsschritt. Die entscheidende Zahl steht aber nicht in Tokio, sondern auf der Zinskurve: 2,90 Prozent für zehnjährige japanische Anleihen. Was das für lange Wachstumsgeschichten von Technologieaktien bedeutet.
Japans Arbeitsministerium meldete am Dienstag für Juli ein nominales Lohnplus von 4,7 Prozent, den stärksten Anstieg seit Januar 1997. Das Kabinettsbüro hob das Wachstum im zweiten Quartal auf annualisiert 1,4 Prozent an, nach vorläufig 1,1 Prozent. Am Markt ist die Zinserhöhung der Bank of Japan auf 1,25 Prozent am 18. September zu 98 Prozent eingepreist.
Der Yen: Die Rechnung wird nicht in Tokio bezahlt
Die Yen-Notierung führt leicht in die Irre: Angegeben wird, wie viele Yen ein Dollar kostet. Je höher diese Zahl, desto schwächer die japanische Währung. Ende Juli standen dort fast 164 Yen, so schwach war sie seit vier Jahrzehnten nicht. Am Dienstag waren es 154,35 Yen, gut ein Prozent weniger als am Vortag: Der Dollar ist billiger geworden, der Yen stärker. Zehnjährige japanische Anleihen rentieren mit 2,90 Prozent, dreißigjährige mit 3,97 Prozent – Anfang September überschritten die zehnjährigen erstmals seit 1996 kurz die 3,00-Prozent-Marke.
Für Technologieaktien hat das zwei Folgen. Die erste betrifft geliehenes Geld. Weil Kredite in Yen jahrzehntelang fast nichts kosteten, liehen sich große Anleger dort Geld und kauften damit amerikanische Wachstumswerte. Die Rechnung geht nur auf, solange der Yen billig bleibt. Wird er teurer, steigen Zinsen und Rückzahlungsbetrag zugleich.
Die zweite Folge wiegt schwerer. Japans Versicherer und Pensionskassen verwalten das Altersgeld eines Landes. Weil heimische Anleihen drei Jahrzehnte fast nichts abwarfen, kauften sie stattdessen amerikanische und europäische Staatsanleihen – und diese Nachfrage hat die Zinsen bei uns gedrückt. Bei rund vier Prozent daheim entfällt der Grund dafür.
Daran hängt der Wert jeder Wachstumsaktie. Wer zum Beispiel eine spekulative Technologieaktie kauft, bezahlt heute für Gewinne, die erst in zehn Jahren anfallen sollen. Was dieses Versprechen wert ist, misst der Markt am sicheren Zins. Konkret: Wer in zehn Jahren 100 Euro haben will, muss bei zwei Prozent heute 82 Euro anlegen – bei vier Prozent reichen 68 Euro. Um diesen Unterschied schrumpft der ferne Gewinn.
Der Markt hat das vorgeführt. Im Juli 2024 hob die Bank of Japan den Leitzins um 15 Basispunkte an und der Nikkei 225 verlor deutlich an den Tagen danach. Damals kam der Schritt allerdings überraschend; heute ist er zu 98 Prozent eingepreist.
Für deutsche Anleger ändert der 18. September wenig, der Trend dahinter viel. Solange japanisches Geld im Ausland liegt, bleiben die langen Zinsen weltweit gedrückt. Kehrt es heim, trifft das zuerst die Aktien, deren Gewinne am weitesten in der Zukunft liegen: Spekulative Technologiewerte reagieren stärker als Banken, Versicherer oder Versorger, deren Erträge schon heute fließen.
Am 19. September 2026 dreht sich in Kulmbach wieder einmal alles um das Thema Börse und Geldanlage.
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