Die Wall Street startet mit Rückenwind ins Wochenende. Der S&P 500 gewinnt im frühen Handel 0,6 Prozent auf 7.757 Punkte und kratzt damit erneut am Rekordhoch. Der Nasdaq 100 legt heute um bis zu 1,1 Prozent zu, der Dow Jones immerhin um 0,4 Prozent. Während die Lage rund um die Straße von Hormus unsicher bleibt, herrscht bei Anlegern am Freitag Kauflaune. Ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht nimmt der Fed vorerst den Druck für eine weitere Zinserhöhung.
Nach dem schwächeren Donnerstag bleibt die Wochenbilanz klar positiv: Der S&P 500 liegt 3,9 Prozent vorne, der Dow Jones 3,5 Prozent. Der Nasdaq 100 steuert mit einem Wochenplus von vier Prozent auf seine beste Woche seit Mai zu – vor allem dank der Erholung im Chip- und KI-Sektor. Microsoft und Amazon haben nach ihren Quartalszahlen zusammen rund 1,3 Billionen Dollar Börsenwert hinzugewonnen. "Diese Zeiten sind verrückt. Die Märkte sind sehr manisch – nach oben wie nach unten", kommentierte Mackenzie-Fondsmanager Arup Datta den Stimmungsumschwung.
Arbeitsmarkt schwächelt – Börse atmet auf
Den entscheidenden Impuls lieferte am Nachmittag der US-Arbeitsmarkt. Statt der von Volkswirten erwarteten 80.000 neuen Stellen gingen im Juli außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Jobs verloren, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Zusätzlich wurden die Zahlen zum Beschäftigungsaufbau im Mai und Juni zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Der Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt hat sich somit zuletzt deutlich schwächer entwickelt als bisher angenommen.
"Insgesamt enttäuschen die Zahlen. Aus Sicht der US-Notenbank sind zwar vermutlich die Verbraucherpreise wichtiger. Aber der heutige Bericht stützt zumindest unsere Einschätzung, dass die Fed die Zinsen entgegen den Marktspekulationen nicht anheben wird", kommentiert Christoph Balz von der Commerzbank die frischen Daten zum Arbeitsmarkt in den USA.
Für die Börse ist das genau die richtige Portion Schwäche. Der Arbeitsmarkt verliert an Fahrt, ohne bislang einen abrupten Konjunktureinbruch zu signalisieren. Auch der DAX reagierte prompt mit einem neuen Allzeithoch. Warum die Daten bei den Anlegern so gut ankommen und wie es für den deutschen Leitindex weitergeht, lesen Sie hier.
Iran-Krieg: Diplomatie auf dünnem Eis
Der große Unsicherheitsfaktor für die internationalen Märkte bleibt der Nahe Osten. Die Verhandlungen über eine Regelung für die Straße von Hormus kommen offenbar voran, eine endgültige Einigung gibt es aber weiterhin nicht. Ein iranischer Entwurf sieht vor, US-amerikanische und israelische Schiffe von der Passage auszuschließen. Auch Staaten, die dem Iran nach Ansicht Teherans geschadet haben, könnten bis zur Zahlung von Entschädigungen betroffen sein.
Gleichzeitig arbeiten Iran und Oman nach Berichten vom Donnerstag an einem Modell, bei dem einlaufende Schiffe iranische Gewässer und auslaufende Schiffe eine Route näher am Oman nutzen sollen. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Krieg könne „schon bald“ enden. Teherans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf konterte jedoch scharf und warf Trump mit dessen Annäherungsversuchen „Theaterdiplomatie“ vor.
Wie angespannt die Situation bleibt, zeigt der tatsächliche Schiffsverkehr: Durch die Straße von Hormus fuhren am Donnerstag laut Kpler lediglich vier Schiffe – vor dem Krieg waren es 130 bis 140 pro Tag. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist damit selbst im Fall einer politischen Einigung keineswegs garantiert.
Ölpreis nahezu unverändert – Gold und Silber drehen auf
Der Ölmarkt reagiert angesichts der nach wie vor ungelösten Konfliktsituation erstaunlich gelassen. Die Rohöl-Sorte Brent notierte zuletzt bei 83,41 Dollar je Barrel (plus 0,4 Prozent), die Rohöl-Sorte WTI bei 78,29 Dollar je Barrel (plus 1,3 Prozent). Die Sorge vor einer unmittelbaren Eskalation scheint damit aus den Markt gewichen zu sein. Zusätzlich wirkt die Aussicht auf mehr OPEC+-Angebot preisdämpfend.
Deutlich stärker fällt die Bewegung am Edelmetallmarkt aus. Gold verteuert sich am Freitag um 2,5 Prozent auf 4.344 Dollar je Feinunze und kommt damit auf ein Wochenplus von 5,9 Prozent. Silber legt 3,1 Prozent auf 63,40 Dollar je Feinunze zu, seit Wochenbeginn summiert sich der Anstieg damit auf 7,5 Prozent. Die Aussicht auf ausbleibende Zinserhöhungen in Kombination mit sinkenden US-Renditen spielt den Edelmetallen am Freitag voll in die Karten.
Software: Die „SaaSpocalypse“ fällt vorerst aus
Atlassian lieferte am Donnerstagabend eines der stärksten Argumente gegen die Angst, dass Künstliche Intelligenz klassische Softwareanbieter überflüssig macht. Das Unternehmen meldete für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatzsprung um 28 Prozent auf 1,77 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,87 Dollar je Aktie. Erwartet worden waren lediglich 1,66 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,50 Dollar. Überdurchschnittlich entwickelte sich die Cloud-Sparte mit plus 31 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar. Die jährlich wiederkehrenden Subscription-Erlöse erreichten 6,6 Milliarden Dollar. Die Aktie gehört mit einem Kurssprung um bis zu 37 Prozent den größten Gewinnern des Tages.
Noch ein Vertrauenssignal kommt von Konzernchef Mike Cannon-Brookes persönlich: Er kündigte an, Atlassian-Aktien für 250 Millionen Dollar kaufen zu wollen. „Das Beste liegt noch vor uns“, so Brookes.
Ebenso beweist Cloudflare, dass Softwareunternehmen an KI kräftig mitverdienen können. Vor allem die Entwicklerplattform "Workers" profitiert vom wachsenden Datenverkehr durch agentische Workloads. Der Quartalsumsatz stieg um 36 Prozent auf 696 Millionen Dollar – die Jahresziele wurden nach oben geschraubt. Anleger sind begeistert und katapultieren die Aktie auf ein neues Rekordhoch. Alle Details zu den Zahlen lesen Sie hier:
Genauso begeistert ist die Börse heute von Twilio. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen Umsatz in Höhe von 1,50 Milliarden Dollar – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,47 Dollar und somit elf Prozent oberhalb der Analystenprognose. Besonders auffällig ist die boomende Nachfrage nach Voice AI, mit der Unternehmen natürlich klingende Telefon-Agenten bauen können. Twilio hebt die Jahresprognose 2026 kräftig an: Der Umsatz soll im Gesamtjahr nun um bis zu 18,5 Prozent wachsen (vorher: 14 bis 15 Prozent) Die Aktien des Anbieters einer Cloud-Kommunikationsplattform schießen heute um 32 Prozent auf 254,50 Dollar. Neues Allzeithoch.
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