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23.03.2020 Leon Müller

Neue Prognose für Dow Jones, S&P 500 & Co: Point of no Return überschritten – Crash geht noch tiefer

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DowJones
Trendthema

Die Coronavirus-Pandemie bringt die US-Wirtschaft zum Stillstand. Für Anleger und Experten ist eine tiefgreifende Rezession ausgemachte Sache. Der Point of no Return wurde demnach längst überschritten. In diese Gemengelage hinein platzt jetzt die größte Investmentbank der Welt mit einer zum dritten Mal nach unten revidierten Prognose.

So schnell abwärts ging es noch nie. Der US-Aktienmarkt reagiert heftig auf die sich ausweitende Coronavirus-Epidemie. Immer größere Teile der Wirtschaft werden heruntergefahren, der Lockdown macht selbst vor der Börse nicht Halt. Der Präsenzhandel an der NYSE ist seit heute eingestellt – der Handel läuft jetzt ausschließlich elektronisch weiter.

Die Wall Street hält eine tiefe Rezession nun für eine ausgemachte Sache. Der Point of no Return, also der Punkt, da dieser Abschwung hätte noch verhindert werden können, ist längst überschritten. Goldman Sachs erwartet, dass Corporate America einen hohen Preis zahlen wird. Der Gewinn pro Aktie im S&P 500 soll neuesten Berechnungen der Investmentbanker zufolge in diesem Jahr nur noch 110 US-Dollar betragen. Das entspricht einem Rückgang um 33 (!) Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Goldman-Aktienstratege David Kostin schreibt.

Goldman ist jetzt der größte Bär und den Analysten

Goldman revidiert damit zum dritten Mal innerhalb von nur 30 Tagen seine eigene Prognose nach unten und ist der größte Bär unter allen Wall Street-Banken. Laut einer kürzlich durchgeführten Factset-Umfrage erwarten Analysten für den S&P 500 im Durchschnitt einen Gewinn von etwa 170 Dollar. Das entspräche einem KGV von rund 13. Goldman sieht die aktuelle Bewertung indes bei 20. Weil das zu hoch erscheint, hat Goldman das Kursziel für den S&P auf 2.000 Punkte gesenkt.

S&P 500 (ISIN: DE000DB2KFC3)

"Wir haben unsere Gewinnprognose für 2020 dreimal innerhalb von 30 Tagen gesenkt (insgesamt -37%), da das Ausmaß der wirtschaftlichen Verlangsamung immer offensichtlicher wurde", fügte Kostin in einem Schreiben an Goldman-Kunden hinzu. Die Worte sind Ausdruck dafür, wie wenig die Analysten die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Realwirtschaft haben abschätzen können.

DowJones (ISIN: DE000DB2KFA7)

Wirtschaftswachstum bricht im zweiten Quartal ein

Goldman rechnet nun damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 24 Prozent zurückgehen wird – ein Viertel der Wirtschaftsleistung soll demnach wegbrechen. Die S&P 500-Unternehmen dürften in diesem Horror-Quartal zusammengerechnet einen Verlust von 10 Dollar pro Aktie verzeichnen.

"Beispiellose Erosion"

"Der Aktienmarkt ist ein Frühindikator für den Geschäftsverlauf, und die Unternehmensaktivität verschlechtert sich weiter, ohne dass es bisher Anzeichen für eine Bodenbildung gibt", fügte Kostin hinzu. "Das erste Quartal ist noch nicht einmal beendet, und die Unternehmen müssen noch die Ergebnisse für das erste Quartal veröffentlichen, aber die Aktien sind bereits innerhalb eines Monats um 32 Prozent eingebrochen. Die Geschwindigkeit der Geschäftserosion ist beispiellos." Weil die Unternehmen ihre Prognosen aussetzen, steige die Verunsicherung bei den Investoren.

Anleger nicht schlechter informiert als Manager

Baruch Lev, Philip-Bardes-Professor für Rechnungswesen und Finanzen an der Stern School of Business der NYU, sieht Anleger hier nicht im Nachteil: "Die Frage für Manager ist, ob sie über die zukünftige Leistung wesentlich mehr wissen als die Anleger. Meine Vermutung ist, dass Manager in den meisten Fällen nicht besser informiert sind als Investoren."

Der Prognose von Goldman zufolge soll der US-Aktienmarkt erst noch weitere 15 Prozent fallen, ehe sich eine Bodenbildung abzeichnen könnte. Die dritte Revision der Erwartungen innerhalb von nur einem Monat ist wenig vertrauensbildend. Dass Unternehmen selbst kaum mehr in der Lage sind Prognosen über den eigenen Geschäftsverlauf abzugeben, sorgt nur für zusätzliche Verunsicherung. So entsteht insgesamt ein Bild, das zunächst keine Besserung der Situation an den US-Aktienmärkten erkennen lässt. Anleger müssen sich auf weiterhin hohe Schwankungen mit abwärts gerichteter Tendenz einstellen.