Die Börse in Frankfurt liefert am Donnerstagabend uneinheitliche Vorzeichen: Der DAX trat im Schatten steigender Ölpreise weiter auf die Bremse, MDAX und SDAX präsentierten sich erstaunlich robust. Anleger griffen heute vor allem zu den Rüstungswerten. Außerdem stieg die Infineon-Aktie auf den höchsten Stand seit 2000. Nach Handelsschluss überzeugt CTS Eventim mit einem erfolgreichen Auftaktquartal.
Der DAX verlor am Donnerstag den dritten Tag in Folge an Schwung und entfernte sich damit weiter von seinem Rekordstand vom Wochenbeginn. Die 25.000er-Marke konnte der deutsche Leitindex dennoch ein weiteres Mal knapp über die Ziellinie retten. Zum Handelsende steht ein Tagesminus von 0,3 Prozent. Der MDAX setzte seine Gewinnserie hingegen unbeirrt fort und gewann 0,7 Prozent auf 33.240 Punkte hinzu. Der SDAX stieg sogar um 0,8 Prozent auf 7.986 Zähler.
Im Fokus der Anleger stand erneut die Lage rund um die Straße von Hormus. Nachdem sich die USA und Iran trotz Waffenruhe gegenseitig attackiert hatten, zogen die Ölpreise zeitweise kräftig an. Das schürte neue Inflationssorgen und belastete die Stimmung an den Aktienmärkten.
Am Nachmittag sorgte dann eine Meldung der US-Nachrichtenplattform Axios für eine deutliche Erholung. Demnach sollen sich Unterhändler aus den USA und Iran auf eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe verständigt haben. Zudem sollen Gespräche über das iranische Atomprogramm aufgenommen werden. Der DAX drehte daraufhin kurzzeitig sogar ins Plus, bevor die Gewinne zum Handelsende wieder abschmolzen.
Gold und Silber auf Erholungskurs
Am Abend machen die Edelmetalle ihre zwischenzeitlichen Verluste dann im freundlicheren Markt komplett wett. Der Goldpreis steht aktuell 1,2 Prozent höher bei 4.508 Dollar je Feinunze. Die Feinunze Silber springt sogar um 1,5 Prozent wieder über die Marke von 75 Dollar.
Anleger setzen auf Aufrüstung
Größte Gewinner am deutschen Aktienmarkt waren heute die Rüstungsunternehmen. TKMS (plus 6,9 Prozent), Hensoldt (plus 5,9 Prozent) und Renk (plus 5,4 Prozent) führen die Rally im MDAX an. Rheinmetall setzt sich mit einem Tagesgewinn von 4,2 Prozent an Platz 2 im DAX hinter Infineon. In der Meerenge von Hormus lieferten sich die USA und der Iran trotz der bestehenden Waffenruhe und laufender Verhandlungen über ein Kriegsende erneut gegenseitige Angriffe. Das begünstigte die Stimmung in der Branche. Der Düsseldorfer Rüstungsriese sicherte sich zudem einen Großauftrag von der Bundeswehr im Wert von einer Milliarde Euro.
Einzelwerte im Fokus: Infineon an DAX-Spitze
Die Papiere des Halbleiterkonzerns Infineon verbuchten zum Handelsschluss einen Kursgewinn in Höhe von 4,4 Prozent. Damit notiert der Kurs erstmals seit dem Jahr 2000 wieder oberhalb der 80-Euro-Marke. Beflügelt wurde der Kursanstieg unter anderem durch zwei positive Analystenkommentare. Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung hob das Kursziel auf 90 Euro an. Analysten der Morgan Stanley trauen der Infineon sogar einen Anstieg auf 91 Euro zu.
Am DAX-Ende landete den zweiten Tag in Folge Siemens Energy. Das bestätigte Overweight-Rating der JPMorgan mit einem unveränderten Kursziel von 225 Euro konnte Anleger nicht aus der Reserve locken. Auch die Energiekonzerne E.ON und RWE stehen heute wieder auf der Verliererseite.
Im MDAX sortierte sich LEG Immobilien ganz unten ein. Die Aktien wurden am Donnerstag mit Dividendenabschlag gehandelt. Zu den Verlierern zählte außerdem Delivery Hero. Obwohl der Ride-Hailing-Dienst Uber seine Beteiligung auf 25 Prozent aufgestockt hat, büßten die Aktien heute rund ein Prozent ein. Seit Jahresstart steht aber immer noch ein starkes Plus zu Buche.
Im SDAX stieg die AKTIONÄR-Empfehlung Verbio am Donnerstag um 2,6 Prozent, nachdem der Biokraftstoffhersteller seine Gewinnprognose erneut angehoben hatte (DER AKTIONÄR berichtete). Besonders stark waren auch die Aktien des Spezialchemie-Unternehmens Alzchem, die den Nebenwerte-Index mit einem Plus von 6,8 Prozent heute anführten.
Starke Zahlen: Live-Entertainment boomt
CTS Eventim ist mit Vollgas ins Jahr 2026 gestartet. Der Ticketvermarkter und Konzertveranstalter steigerte den Umsatz im ersten Quartal überraschend deutlich um 23 Prozent auf 614 Millionen Euro. Die Erwartungen der Analysten lagen im Schnitt lediglich bei 555 Millionen Euro. Auch operativ lieferte der MDAX-Konzern ab: Das bereinigte EBITDA kletterte von 100 auf 119 Millionen Euro und übertraf damit ebenfalls den Analystenkonsens. Die Aktie reagiert nachbörslich mit zwei Prozent Kursgewinn.
Heute, 19:00