08.09.2019 Martin Mrowka

DAX dürfte Aufschwung kurzfristig noch fortsetzen – wenn Trump stillhält

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DAX
Trendthema

Die Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte haben sich gebessert. Der gefürchtete No-Deal-Brexit ist unwahrscheinlich geworden, und die USA wollen mit China wieder in Sachen Handelsstreit verhandeln. Nun muss sich nur noch Donald Trump beim Twittern zurückhalten - und dem weiteren Aufschwung von DAX und Co steht nichts mehr im Wege. Ein Wochenausblick.

Nach einem dritten Wochenplus in Folge dürfte in den kommenden Tagen wohl kaum etwas die weitere Erholung des deutschen Aktienmarkts stoppen. In London scheint ein ungeregelter Brexit zunächst verhindert, die USA und China wollen Anfang Oktober wieder miteinander reden und in ihrer Berichterstattung haben die meisten Unternehmen erst mal Pause. Zudem erhoffen sich Marktexperten kurzfristig etwas Schub aus der geldpolitischen Ecke.

Der Leitindex DAX schloss die Woche bei 12.191 Punkten. Auf Wochensicht hat sich das Börsenbarometer damit um 2,1 Prozent verbessert. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen legte in der abgelaufenen Woche um gut ein Prozent auf 26.010 Punkte zu. Die Gewinner unter den Einzelwerten in allen drei deutschen Indizes überwogen die Verlierer nicht nur in der Anzahl, sondern auch in der Höhe.

EZB-Sitzung im Fokus

Höhepunkt der kommenden Woche ist nun die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, wie sie die Wirtschaft in Europa mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik ankurbeln will. Experten rechnen hier mit einem Beschluss zur Wiederbelebung der Anleihekäufe durch die EZB. "Hierbei halten wir ein Volumen von monatlich 30 Milliarden Euro, das gleichmäßig auf Staats- und Unternehmensanleihen aufgeteilt wird, für wahrscheinlich", schrieb Postbank-Analyst Heinrich Bayer.

Gleichzeitig geht Bayer davon aus, dass der Einlagenzinssatz für Banken um 10 Basispunkte auf minus 0,50 Prozent reduziert wird. Im Dezember dürfte dann der nächste Schritt auf minus 0,60 Prozent folgen. Den Leitzins sieht Bayer weiterhin auf seinem Rekordtief von 0 Prozent. Mit Blick auf das weitere Vorgehen der US-Notenbank dürften am Donnerstag auch die Verbraucherpreise in den USA eine Rolle spielen. Erwartet wird dort ein anhaltend moderater Preisauftrieb.

No-Deal-Brexit unwahrscheinlich, aber...

Neben der Hoffnung auf niedrigere Zinsen, die Aktien gegenüber Anleihen begünstigen können, hatten zuletzt auch positive Entwicklungen in der Politik für mehr Ruhe am Aktienmarkt gesorgt. Das britische Oberhaus verabschiedete das Gesetz gegen einen ungeregelten Brexit. Zudem lehnen die Oppositionsparteien eine von Premierminister Boris Johnson angestrebte Neuwahl Mitte Oktober ab. Darauf einigten sich Labourchef Jeremy Corbyn und weitere führende Politiker in Gesprächen in London.

Die Regierung um Boris Johnson hatte angekündigt, am kommenden Montag einen neuen Anlauf zu nehmen, um eine Neuwahl durchzusetzen. Der Premierminister will am 15. Oktober wählen lassen, um dann zwei Tage später beim EU-Gipfel mit einem Mandat für seinen Brexit-Kurs zu erscheinen.

Aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wäre ein ungeregelter Brexit für Deutschland allerdings weniger schlimm als eine erneute Verschiebung. "Was ich jetzt an Risiken sehe, ist die Unsicherheit" sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende - lieber jetzt ein harter Brexit als eine Hängepartie, die sich noch ein oder zwei Jahre hinzieht."

Entspannung im Handelskrieg

Zudem haben die USA und China in ihrem seit mehr als einem Jahr andauernden Handelskrieg neue Verhandlungen vereinbart. Wie chinesische Staatsmedien am Donnerstag berichteten, sollen neue direkte Gespräche Anfang Oktober im Rahmen des regelmäßigen strategischen Wirtschafts- und Handelsdialogs beider Länder in Washington stattfinden. Auf der Arbeitsebene sollen Mitte September schon Gespräche aufgenommen werden, um Vorbereitungen für "bedeutende Fortschritte" bei den Konsultationen zu treffen.

"Von der Seite sind erst mal keine Störfeuer zu erwarten", sagte Marktexperte Frederik Altmann von Alpha Wertpapierhandel der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX die Lage und sprach von einer spürbar verbesserten Stimmung an den Märkten. "Nachdem sich der DAX zuletzt klar über 12.000 Zählern etablieren konnte, unterstützt das weiter, sodass sich der Index in Richtung seiner nächsten Hürde von 12.400 Punkten bewegen kann." Allerdings muss sich Donald Trump mit Tweets zurückhalten.

DAX (WKN: 846900)

Auch Aktienmarkt-Experte Andreas Hürkamp von der Commerzbank erwartet zunächst eine weitere Erholung. Letztlich seien aber weiter schwache Zahlen im dritten Quartal der Unternehmen zu erwarten. "Vor dem Hintergrund rechnen wir in den kommenden Monaten mit einem anhaltenden Seitwärtstrend", so der Experte.

Ein Nachzügler liefert Halbjahreszahlen

Außerhalb der Berichtssaison steht von den Unternehmen in der kommenden Woche aber erst mal wenig zu erwarten. Am Mittwoch legt die angeschlagene Restaurantkette Vapiano ihre Ergebnisse aus dem zweiten Quartal vor. Der Chef, Cornelius Everke, war Mitte August überraschend zurückgetreten. Zudem wird der Deutschlandchef im September zu einem Konkurrenten wechseln. Auf der Hauptversammlung in Köln hatte das Management vor kurzem wegen der miserablen Aktienkurs-Entwicklung und hohen Verlusten scharfe Kritik einstecken müssen.

Am Donnerstag kommen darüber hinaus Halbjahreszahlen von Knorr-Bremse. Der im MDAX der mittelgroßen Werte notierte Bremsenspezialist hatte seine Jahresziele nach einem guten ersten Quartal Ende Mai hochgeschraubt. Die Experten von der Schweizer Großbank UBS gehen davon aus, dass es im zweiten Quartal solide weitergegangen sein dürfte. Das Management dürfte an der Prognose festhalten. Die Aktie hat seit Jahresbeginn um rund achteinhalb Prozent zugelegt.

Am Dienstag öffnet überdies die 68. Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main (IAA) ihre Pforten - zunächst für die Presse, am Donnerstag dann auch für Fachbesucher und ab dem Wochenende für alle Besucher. Laut Altmann könnte auch das für Bewegung bei den Autowerten sorgen. Bereits in den vergangenen Tagen gab es in der konjunktursensiblen Branche einigen Auftrieb.

Mit Material von dpa-AFX

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