Ein Gespräch über Marktgefühl, harte Auswahlkriterien und die Frage, warum erfolgreiche Trades meist nicht mit Zufall, sondern mit Vorbereitung beginnen.
Viele Trader machen ein Geheimnis aus ihrer Handelsstrategie. Stefan Klotter legt seine Karten für die Leser von DER AKTIONÄR offen auf den Tisch und erklärt, wie er in seinem neuen Börsendienst TradingDay aussichtsreiche US-Werte mit klarer Systematik auswählt. Im Gespräch zeigt er, warum für ihn nicht Bauchgefühl, sondern Struktur und Disziplin den Unterschied machen.
DER AKTIONÄR: Gehen wir gleich in die Vollen. Wie funktioniert die von dir entwickelte Top-Down-Analyse, die bei TradingDay zur Anwendung kommt?
Stefan Klotter: Zu Beginn eines jeden Handelstags scanne ich die wirtschaftlichen und geopolitischen Nachrichten, die die Märkte bewegen können. Dazu gehören selbstverständlich auch Äußerungen und Entwicklungen aus der Politik, aber etwa ebenso geldpolitische Entscheidungen wie eine überraschende Zinsanhebung der japanischen Notenbank. Im Anschluss steht der Wirtschaftskalender auf dem Programm: Wann und wo werden wichtige Daten wie Inflationszahlen, Anträge auf Arbeitslosenhilfe oder Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die Auswirkungen auf die Börse haben können? In der Earnings Season kommen zusätzlich die Quartalszahlen relevanter Unternehmen auf die Checkliste.
Darüber hinaus prüfe ich das Sentiment der Anleger. Wie ist die Stimmung der Investoren, wo entstehen Erwartungen, wo vielleicht auch Übertreibungen? Dieser gesamte Block ist das tägliche Brot eines guten Traders – die Hausaufgaben, die gemacht werden müssen. Entscheidend sind dabei die Schlussfolgerungen, an denen ich meine Leser teilhaben lasse.
Das war die Pflicht, wie sieht die Kür aus?
Eine gute Trading-Strategie ist einfach aufgebaut und gut nachvollziehbar. Kern der Top-Down-Analyse ist die Abbildung der Rotation zwischen den Sektoren – kombiniert mit der gezielten Auswahl einzelner Aktien. Benchmark ist für mich der S&P 500, dessen Jahresperformance ich deutlich schlagen will. Vielen Tradern gelingt das nicht. Mit meinem System ist das möglich. Ich handle selbst danach und habe die Vorgehensweise zusätzlich anhand der Daten der vergangenen zehn Jahre im S&P 500 erfolgreich überprüft.
Wer in einen ETF auf den S&P 500 investiert, erzielt dessen Jahresperformance – investiert damit aber immer in alle 500 Unternehmen zugleich. Darunter sind starke und schwache Werte. Mit meiner Strategie siebe ich die Low Performer aus. Übrig bleiben die High Performer.
Wie ist das möglich?
Die Unternehmen im S&P 500 sind seit den 90er-Jahren auf elf Sektoren verteilt. Auf jeden Sektor ist ein ETF aufgelegt. Ich überprüfe täglich die Performance der Sektoren untereinander und wähle den stärksten Sektor. Jeder Sektor ist wiederum in Untergruppen untergliedert. Auch hier überprüfe ich die Performance der Untergruppen untereinander. Kenne ich den Sektor, checke ich die Einzelwerte in diesem Sektor auf Fundamentaldaten, Story und Charttechnik. Wenn alles stimmt, wird dieser starke Wert aus einem starken Sektor gekauft. Die schwachen Werte aus den schwachen Sektoren werden nicht berücksichtigt. Findet eine Rotation in den Sektoren durch Mittelzu- und -abflüsse der institutionellen Händler statt, vollziehe ich die Rotation durch den Performance-Abgleich immer mit.
Positiver Nebeneffekt: Anleger, die kontinuierlich bei TradingDay am Ball bleiben, bauen sich mit der Zeit ein Portfolio auf, das sich auch bei einem Drawdown des Gesamtmarktes in der Regel als resilient erweist. Denn vor einem größeren Rückgang wechseln die institutionellen Anleger oft in defensive Titel. Und durch den täglichen Performance-Abgleich wechselt ein TradingDay-Kunde einfach mit.
11 Sektoren, eine Strategie für maximale Performance. Das ist TradingDay.
Jetzt, da deine Strategie offen einsehbar ist: Warum sollten Anleger deinen Börsendienst trotzdem kaufen?
Jeder kann etwas anderes gut, sagt meine Frau. Würde ich Stunden damit verbringen wollen, meine Waschmaschine zu reparieren, selbst wenn es im Internet eine Anleitung dafür gäbe? Nein, ich würde einen Handwerker anrufen. Ein Privatanleger, der wie ich tagtäglich Stunden damit verbringen würde, all die oben erwähnten Schritte selbst durchzuführen, dem sei es gegönnt. Er könnte allerdings weniger als zehn Euro in eine TradingDay-Ausgabe investieren und ich mache den Job für ihn und er erhält eine tägliche Empfehlung nach der Strategie inklusive Derivat für eine höhere Performance-Gelegenheit.
Und sollte ein Trader die Strategie nachbilden, so kann ich es auch nicht ändern. Mein Ziel war und ist es, die Chancen für Privatanleger beim Vermögensaufbau im Vergleich zu institutionellen Investoren zu erhöhen und ihnen dabei zu helfen, eine ordentliche Rendite zu erzielen. Gelingt mir das, bin ich mehr als zufrieden.
Hast Du in der Vergangenheit selbst versucht, Trading-Strategien nachzubilden?
Selbstverständlich – vor allem in jungen Jahren. Ich habe mich mit den Ansätzen unterschiedlichster Börsenlegenden beschäftigt: von Peter Lynch über Ray Dalio bis zu Stan Weinstein und Stanley Druckenmiller. Einmal die Straße rauf und wieder runter. James Simons wäre natürlich der Hauptpreis gewesen – nur hat er seine Strategie nie veröffentlicht. Gelernt habe ich daraus vor allem eines: Jeder Trader muss einen Ansatz finden, der zu seiner Persönlichkeit, zu seinen Fähigkeiten und zu seinem Zeithorizont passt. Im Idealfall entwickelt er daraus seine eigene Strategie.
Gab es auf diesem Weg einen Moment, der deinen Blick auf Risiko und Disziplin geprägt hat?
Ja, solche Momente gibt es an der Börse immer wieder. Gerade am Anfang neigt man dazu, sich zu schnell in eine Idee zu verlieben oder an einer Position festzuhalten, obwohl der Markt längst etwas anderes signalisiert. Mit der Zeit lernt man, dass nicht derjenige erfolgreich ist, der am meisten recht haben will, sondern derjenige, der Verluste begrenzen und Chancen sauber managen kann. Genau das hat meinen Blick auf den Markt nachhaltig verändert. Disziplin, Vorbereitung und ein klarer Plan sind für mich heute wichtiger als spontane Eingebungen.
Wie bist Du an die Börse und zum Trading gekommen?
Ich hatte schon von klein auf ein Faible für Zahlen, für Mustererkennung, für logisches und strategisches Denken. Im Alter von fünf Jahren habe ich begonnen, Schach zu spielen, und spiele bis heute noch ganz ordentlich auf Vereinsniveau. Ich habe dann im Studium festgestellt, dass sich meine Fähigkeiten nicht nur im Schach, sondern auch an der Börse anwenden lassen. Und als ich in den 90ern vom unlängst verstorbenen John Murphy die „Technische Analyse der Finanzmärkte“ in die Finger bekommen habe, wusste ich: Das ist meine Welt. Dazu kamen dann Nison, Weinstein, Minervini und so weiter. Ich habe gelesen, gelernt, ausprobiert, immer mehr verstanden, bis zur Entwicklung meiner eigenen Strategie, die ich jetzt bei TradingDay anwende, um die Performance des S&P 500 zu schlagen und um Privatanlegern zu einer ordentlichen Rendite zu verhelfen.
Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 27/2026 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.
Weitere Informationen zu TradingDay finden Sie hier.
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