Nach deutlichen Verlusten in den vergangenen Wochen und Monaten springt die Aktie des Stablecoin-Emittenten Circle am Freitag im vorbörslichen US-Handel plötzlich um mehr als 13 Prozent nach oben. Eine Entscheidung der US-Aufsichtsbehörde OCC fiel zugunsten des Unternehmens aus und eröffnet ganz neue Perspektiven für das operative Geschäft.
• Circle erhält die US-Zulassung für eine eigene Treuhandbank („Circle National Trust“).
• Barreserven des Stablecoins USDC können künftig direkt statt über Drittbanken zu verwalten.
• Die Nachricht lässt die Circle-Aktie im vorbörslichen US-Handel um zweistellige Prozentwerte nach oben schnellen.
Circle hat von der US-Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) die Zulassung zur Gründung einer nationalen Treuhandbank erhalten. Das neue Institut wird unter dem Namen Circle National Trust firmieren.
Circle has received final OCC approval to establish First National Digital Currency Bank, N.A., a national trust bank operating as Circle National Trust.
— Circle (@circle) July 10, 2026
A major U.S. regulatory milestone that strengthens USDC infrastructure through federally regulated custody, with reserve… pic.twitter.com/GtThvFV5aW
Die Lizenz stellt einen regulatorischen Meilenstein für den Emittenten des USDC-Tokens dar und eröffnet neue Möglichkeiten im operativen Geschäft. Bislang war Circle bei der Verwaltung von Vermögenswerten auf externe Banken und Verwahrer angewiesen, um die Cash- und Staatsanleihenreserven abzusichern, die den USDC-Stablecoin stützen. Mit der neuen Struktur erhält das Unternehmen die Möglichkeit, diese Reserven für seine regulierten Stablecoins selbst zu verwalten. USDC ist mit einem aktuellen Umlaufvolumen von mehr als 73 Milliarden Dollar der zweitgrößte Stablecoin der Welt.
Circle National Trust wird plangemäß treuhänderische Verwahrungsdienstleistungen (Custody) rund um digitale Vermögenswerte für Circle selbst sowie für verbundene Unternehmen anbieten. Je nach Marktnachfrage soll dieses Angebot später auf einen begrenzten Kreis institutioneller Kunden ausgeweitet werden, zu denen primär andere Banken und Finanzinstitute zählen.
Strategischer Vorteil durch Bundesaufsicht
Durch die neue Rechtsform als nationale Treuhandbank untersteht Circle künftig der direkten Kontrolle einer Bundesbehörde statt der Regulierungssysteme einzelner Bundesstaaten wie bisher. Dies vereinheitlicht den rechtlichen Rahmen und verringert den bürokratischen Aufwand, der sich aus den oft abweichenden Vorschriften der 50 US-Bundesstaaten ergibt. Gleichzeitig soll die Bundesaufsicht das Vertrauen institutioneller Akteure stärken, um digitale Vermögenswerte tiefer in das US-Finanzsystem zu integrieren.
Die Lizenz berechtigt Circle allerdings nicht dazu, als klassische Geschäftsbank zu agieren. Die Akquise von Kundeneinlagen oder die Vergabe von Krediten bleibt für das Unternehmen weiterhin tabu.
Dennoch kommt die Entscheidung der OCC zum richtigen Zeitpunkt, denn der Wettbewerb im Stablecoin-Sektor verschärft sich. Da gesetzliche Rahmenbedingungen wie der US-amerikanische „GENIUS Act“ mehr Klarheit für digitale Zahlungsmittel schaffen, drängen zunehmend auch traditionelle Finanzinstitute mit eigenen Angeboten auf den Markt. Die Etablierung einer eigenen Bankinfrastruktur soll Circle dabei unterstützen, die Position als führende regulierte Plattform abzusichern.
Die Nachricht löste an den Märkten eine deutliche Kursreaktion aus: Im vorbörslichen US-Handel legte die Aktie von Circle in der Spitze um bis zu 15 Prozent auf über 72 Dollar zu. Damit kann sie zumindest einen Teil der jüngsten Verluste kompensieren, denn wegen des mauen Marktumfelds für Kryptowerte und neuer Stablecoin-Konkurrenz für USDC ist die Aktie zuvor allein auf Monatssicht um rund 19 Prozent abgesackt.
Mit dem heutigen Kurssprung startet die Circle-Aktie erneut eine Gegenbewegung. Für die Empfehlung des AKTIONÄR kommt das allerdings zu spät – sie wurde während des Kursrutschs in der Vorwoche unglücklich ausgestoppt. Vor einem Wiedereinstieg sollten Anleger eine klare Trendwende im Chart abwarten.
FAQs
Wie verdient Circle als Stablecoin-Emittent Geld?
Das Geschäftsmodell von Circle basiert primär auf den Zinserträgen aus den Finanzreserven, die den Stablecoin USDC absichern. Für jeden ausgegebenen digitalen Dollar nimmt das Unternehmen einen echten US-Dollar ein und legt diesen in hochliquiden, risikoarmen Anlagen wie kurzlaufenden US-Staatsanleihen oder Bankguthaben an. Die darauf anfallenden Zinsen bilden die Haupteinnahmequelle des Unternehmens.
Ist Circle eine Krypto-Börse wie Coinbase oder Binance?
Nein, Circle betreibt keine Handelsplattform für Privatanleger, sondern versteht sich als regulierter Finanzinfrastruktur-Anbieter. Das Kerngeschäft umfasst die Herausgabe digitaler Währungen (USDC und EURC) sowie die Bereitstellung von Programmierschnittstellen (APIs) und Entwickler-Tools. Damit ermöglicht Circle es Unternehmen, Banken und Fintechs, Zahlungen und Abrechnungen weltweit direkt über öffentliche Blockchains abzuwickeln.
Welchen Risiken unterliegt das Geschäftsmodell von Circle?
Da der Großteil der Umsätze aus den Renditen der Reserveguthaben generiert wird, ist Circle abhängig vom globalen Zinsumfeld und der Politik der US-Notenbank Federal Reserve. In Phasen hoher Leitzinsen arbeitet das Modell hochprofitabel; sinken die Zinsen jedoch, schrumpfen die Erträge aus den Staatsanleihen direkt zusammen. Zudem entscheidet das Vertrauen des Marktes in die lückenlose 1:1-Absicherung über den Verbleib des Kapitals im USDC-Ökosystem.
Heute, 14:55
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