Die Aktie von Circle ist am Dienstag unter Druck geraten. Nach der Ankündigung des neuen Stablecoins „Open USD“ (OUSD) durch das Konsortium Open Standard gaben die Papiere des Finanztechnologie-Unternehmens zeitweise um 17 Prozent nach. Investoren fürchten, dass die marktbeherrschende Stellung von USDC durch den neuen Rivalen untergraben werden könnte.
Hinter dem neuen Projekt steht ein hochkarätiges Bündnis. Mehr als 140 Unternehmen, darunter Zahlungsriesen wie Visa, Mastercard und Stripe sowie die Finanzgiganten BlackRock und Coinbase, unterstützen die Initiative. Die Marktmacht dieser Gruppe sorgt für Unruhe an der Börse.
Analysten halten den Kursrutsch für eine Überreaktion
Die Experten von William Blair sehen in der aktuellen Verkaufswelle jedoch eine Kaufgelegenheit. Sie bestätigten ihr „Outperform“-Rating für Circle und wiesen darauf hin, dass die Sorgen der Anleger „überzogen“ seien. Der Grund: USDC verfügt mit einer Marktkapitalisierung von rund 74 Milliarden Dollar über eine enorme Liquidität und eine etablierte Infrastruktur, die von neuen Akteuren nicht so leicht kopiert werden kann.
Während OUSD erst noch beweisen muss, wie es im täglichen Zahlungsverkehr Fuß fassen will, profitiert Circle von seinem sogenannten „First-Mover-Vorteil“. Die Analysten Andrew Jeffrey und Adib Choudhury zweifeln zudem am Erfolgskonzept des Newcomers. OUSD verspricht, Erträge aus den Reserven an beteiligte Unternehmen auszuschütten – ein Modell, das Circle laut William Blair in ähnlicher Form bereits anbietet. Entsprechend bezeichnen die Experten das neue Projekt als „eine Lösung, die ein Problem sucht“.
Vergleich mit gescheiterten Konsortien
Die Analysten ziehen zudem Parallelen zu gescheiterten Branchenbündnissen der Vergangenheit wie MCX oder Paze. Diese hätten es ebenfalls nicht geschafft, sich gegen etablierte Netzwerke durchzusetzen. Auch Tether-CEO Paolo Ardoino, dessen Unternehmen den Rivalen USDT betreibt, nahm die Ankündigung gelassen auf und hieß OUSD mit den Worten „Player 2 hat das Spiel betreten“ willkommen.
Circle-Chef Jeremy Allaire bemühte sich ebenfalls um Schadensbegrenzung. Auf der Plattform X betonte er, dass USDC weiterhin der weltweit vertrauenswürdigste und am weitesten verbreitete Stablecoin sei. Das Unternehmen werde den Ausbau seines Ökosystems konsequent vorantreiben und Partnern noch stärkere Anreize bieten, am Wachstum des USDC-Netzwerks zu partizipieren.
Der Kurssturz bei Circle wirkt wie eine klassische Überreaktion auf eine Schlagzeile. Für einen Kauf fehlt bei Circle allerdings noch viel, unter anderem ein sich wieder aufhellendes Chartbild.
Heute, 13:19