Wie DER AKTIONÄR bereits prognostiziert hatte, gab der Bitcoin-Kurs nach der gestrigen Zinsentscheidung der US-Notenbank spürbar nach. Die Digitalwährung fiel von rund 76.200 Dollar auf unter 75.000 Dollar, bevor sie sich bei 75.440 Dollar stabilisierte. Der Grund: Die Entscheidung fiel so kontrovers aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Das dämpft die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen massiv.
Mit acht zu vier Stimmen beließ die Fed den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Doch die Geschlossenheit fehlt. Während Stephan Miran eine sofortige Senkung forderte, sprachen sich Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan strikt gegen eine Lockerung aus. Die Notenbank verwies zudem auf die hartnäckige Inflation durch hohe Energiepreise und die Unsicherheit im Nahen Osten.
Entsprechend empfindlich reagieren die Kurse. Die Zinspause war zwar erwartet worden, doch die internen Differenzen wirken wie eine kalte Dusche für die Anleger. Während Bitcoin leicht korrigierte, weiteten Ethereum, Solana und XRP ihre Verluste aus und markierten Zwei-Wochen-Tiefs.
Warten auf den Warsh-Faktor
Eigentlich hatte der Markt auf eine „Pivot-Party“ gehofft. Im Zentrum der Spekulationen steht Kevin Warsh. Der ehemalige Fed-Gouverneur gilt als Favorit für den Chefposten der Notenbank und ist für seine krypto-freundliche Haltung bekannt. Warsh bezeichnete digitale Assets bereits als festen Bestandteil des Finanzsystems.
Zwar machte seine Nominierung im Bankenausschuss des Senats am Mittwoch wichtige Fortschritte. Die aktuelle Haltung der amtierenden Fed-Mitglieder überlagert diesen Hoffnungsschimmer jedoch vorerst. Die Erwartung, dass ein Kurswechsel unter Warsh unmittelbar bevorsteht, bekommt Risse.
Clarity Act im Fokus
Analysten betonen jedoch, dass die Fed nicht der einzige Taktgeber ist. Ein wichtigerer Faktor könnte der „Clarity Act“ sein. Dieses Gesetz soll Bitcoin formal als digitales Wirtschaftsgut unter der Aufsicht der CFTC einstufen. Das würde Banken die Verwahrung ohne hohe Kapitalstrafen ermöglichen und das Risiko durch die Börsenaufsicht SEC minimieren. Noch blockieren jedoch Details zu Stablecoins und ethische Fragen den Fortschritt im Kongress.
Die Zerrissenheit der Fed beendet vorerst die Hoffnung auf eine schnelle geldpolitische Wende. Bitcoin bleibt damit weiterhin in einer volatilen Seitwärtsbewegung gefangen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Ethereum.
Heute, 10:40