Bitcoin bleibt das Aushängeschild des Kryptomarkts – doch bei vielen Finanzberatern verschiebt sich der Blick offenbar zunehmend auf andere Segmente der Branche. Nach Einschätzung von Bitwise-CIO Matt Hougan interessieren sich Berater aktuell stärker für Stablecoins und Tokenisierung als für die größte Kryptowährung der Welt. Dennoch gibt es auch etwas positives zu vermelden.
•Finanzberater zeigen laut Bitwise aktuell mehr Interesse an Stablecoins und Tokenisierung als an Bitcoin.
•Trotz des schwächeren Marktumfelds bleibt Krypto bei Beratern ein wichtiges Gesprächsthema.
•Als mögliche Profiteure nennt Bitwise unter anderem Ethereum, Solana, Chainlink, Avalanche sowie Kryptounternehmen wie Coinbase und Circle.
Hougan stützt seine Einschätzung auf Gespräche mit mehr als 40 Finanzberatern in dieser Woche. Allein an einem Tag habe er acht Vertriebstermine mit Beraterteams absolviert. Dabei hätten sich zwei Trends klar herauskristallisiert: Zum einen sei das Interesse an Krypto trotz Bärenmarkt und Kursrücksetzern weiterhin vorhanden. Zum anderen gehe der Fokus inzwischen deutlich über Bitcoin hinaus.
In einem aktuellen Memo schrieb Hougan, die Aufmerksamkeit der Berater liege „mehr auf Stablecoins und Tokenisierung als auf Bitcoin“. Das überrascht insofern, als Hougan den Bitcoin-Kurs oberhalb von 60.000 Dollar nach eigener Aussage selbst als „unglaublich attraktiv“ für langfristig orientierte Investoren einstuft. Zudem habe Bitcoin historisch nach schwachen Marktphasen häufig die Führungsrolle bei der Erholung des Gesamtmarkts übernommen – nicht zuletzt wegen seiner Größe, Bekanntheit und institutionellen Akzeptanz.
Dennoch scheint sich die Debatte zu verschieben. Laut Hougan fragen Berater derzeit deutlich stärker nach realen Anwendungsfällen der Blockchain-Technologie. Insbesondere Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte würden an Bedeutung gewinnen, da sie zunehmend bei Zahlungsabwicklungen und an den Kapitalmärkten eingesetzt werden. Für viele professionelle Marktteilnehmer ist das ein greifbareres Narrativ als die klassische Bitcoin-Story rund um digitales Gold und Inflationsschutz.
Als Grund für diesen Wandel nennt Hougan zwei Faktoren. Erstens sei das Thema Fiat-Geldentwertung zuletzt in den Hintergrund gerückt. Anleger beschäftigten sich derzeit weniger stark mit dem Szenario einer fortschreitenden Entwertung klassischer Währungen. Zweitens hätten Stablecoins und Tokenisierung inzwischen einen festen Platz in der Branchendiskussion erobert. Dass selbst hochrangige Vertreter aus Politik und Finanzindustrie diese Themen regelmäßig aufgreifen, erhöhe zusätzlich die Aufmerksamkeit der Investoren.
Für den Markt ist das durchaus relevant. Hougan verweist darauf, dass neue Krypto-Haussephasen in der Vergangenheit meist durch eine Kombination aus neuen Produkten und neuen Investorengruppen ausgelöst wurden. Nach dem Bärenmarkt 2014 seien dies Ethereum und frühe Privatanleger gewesen. Nach 2018 habe der DeFi-Boom zusammen mit einer neuen Retail-Welle für Dynamik gesorgt. Und nach dem Zusammenbruch von FTX im Jahr 2022 hätten Spot-Bitcoin-ETFs sowie frische Zuflüsse von Privatanlegern und Hedgefonds neue Impulse geliefert.
Mit Blick nach vorn sieht Hougan neue Treiber vor allem in Stablecoins, Tokenisierung, Perpetual Futures und weiteren praxisnahen Anwendungen. Für eine nachhaltige Erholung brauche der Markt allerdings nicht nur neue Produkte, sondern auch neue Käufer. Genau hier könnten Finanzberater und institutionelle Investoren ins Spiel kommen – also Gruppen, die in großem Stil Kapital lenken, bislang aber teilweise noch regulatorische oder operative Hürden beim Zugang zu Krypto haben.
Besonders spannend: Sollten Finanzberater tatsächlich zur nächsten großen Zuflussquelle für den Kryptomarkt werden, dürfte das Kapital laut Hougan zunächst nicht automatisch in Bitcoin fließen. Stattdessen könnten zunächst Projekte und Unternehmen profitieren, die direkt mit Stablecoins, Handelsinfrastruktur oder Tokenisierung verbunden sind. Als Beispiele nennt er Ethereum, Solana, Canton, Chainlink und Avalanche. Auch neuere Trading-Token wie Hyperliquid sowie Firmen wie Figure, Circle und Coinbase zählt er zu den möglichen Gewinnern.
Der Hintergrund macht die Aussage umso interessanter: Finanzberater verwalten Hougan zufolge weltweit Vermögen von mehr als 175 Billionen Dollar. Wenn sich deren Blick auf Krypto tatsächlich verbreitert und professionalisiert, könnte das für die Branche ein entscheidender Wendepunkt sein. Hougan spricht in diesem Zusammenhang von einer deutlich differenzierteren Sichtweise auf den Markt als noch vor zwei Jahren.
Bitcoin bleibt das zentrale Zugpferd des Kryptomarkts – doch die nächste große Wachstumsstory könnte aus einem anderen Bereich kommen. Wenn Finanzberater Stablecoins und Tokenisierung inzwischen als besonders spannende Anwendungsfelder ansehen, wäre das ein Signal für einen reiferen Markt, in dem nicht mehr nur Kursfantasie, sondern vor allem konkrete Nutzungsmöglichkeiten zählen. Für Anleger heißt das: Bitcoin bleibt wichtig, aber der Blick über den Tellerrand könnte sich in der nächsten Marktphase auszahlen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
FAQs
Was ist der Bitcoin?
Bitcoin ist das erste dezentrale, digitale Geldgesetz der Welt. Frei von Staaten, Notenbanken und Zensur. Das geniale Prinzip dahinter: Die Blockchain-Technologie sorgt dafür, dass jede Transaktion fälschungssicher und transparent dokumentiert wird, ohne dass es dafür eine Bank als Mittelsmann braucht. Da die Gesamtmenge unwiderruflich auf 21 Millionen Coins limitiert ist, ist Bitcoin im Gegensatz zu Euro oder Dollar inflationsgeschützt.
Wer hat den Bitcoin erschaffen?
Im Jahr 2008 veröffentlichte eine Person oder Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto das legendäre Bitcoin-Whitepaper. Bis heute ist die wahre Identität hinter dem Namen das größte und faszinierendste Geheimnis der Finanzwelt. Kurz nach dem Start des Netzwerks zog sich Nakamoto komplett zurück und übergab den Code der Open-Source-Community.
Kann der Bitcoin-Kurs theoretisch auf Null fallen?
Theoretisch ja, praktisch erscheint dieses Szenario heute äußerst unwahrscheinlich. Bitcoin hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenprojekt zu einem weltweit anerkannten Vermögenswert entwickelt. Staaten halten Bitcoin-Reserven, große Vermögensverwalter bieten Spot-ETFs an und börsennotierte Unternehmen investieren Milliardenbeträge in die Kryptowährung.
Heute, 08:05