Der Bitcoin steckt im Sommerloch. Kein Wunder, August ist sein statistisch schwächster Monat. Doch wer auf den Kalender schaut, findet einen Hoffnungsschimmer: Kein Quartal war für die größte Kryptowährung historisch so stark wie das vierte.
Die Stimmung am Kryptomarkt ist gedrückt. Der Bitcoin notiert aktuell bei rund 64.500 Dollar und hängt damit bereits seit Monaten unter seinem 200-Tage-Durchschnitt fest. Vom Allzeithoch bei 126.199 Dollar aus dem Oktober 2025 hat sich die Kryptowährung damit in etwa halbiert.
Dass es gerade jetzt nicht läuft, ist wenig überraschend. Der August gilt als der schwächste Monat im gesamten Bitcoin-Kalender: Über 13 Jahre hinweg liegt die Medianrendite bei minus 6,99 Prozent. Die vergangenen Jahre beendete die Digitalwährung den August ausnahmslos im Minus: minus 13,9 Prozent (2022), minus 11,3 Prozent (2023), minus 8,6 Prozent (2024) und minus 6,5 Prozent (2025).
Das stärkste Quartal des Jahres
Genau hier wird die Saisonalität für Anleger interessant. Denn was für den Spätsommer als Bremse wirkt, dreht sich zum Jahresende ins Gegenteil. Das vierte Quartal ist auf Basis der Statistik das mit Abstand beste Quartal für den Bitcoin. Die durchschnittliche Performance liegt bei satten 77 Prozent, im Median bei rund 47 Prozent.
Auch die Trefferquote überzeugt: Seit 2013 gab es lediglich fünfmal rote Vorzeichen zum Jahresende, achtmal fiel das Schlussquartal positiv aus. 2023 lag das Plus bei 56 Prozent, 2024 bei 47 Prozent. Der Treiber ist dabei vor allem der November – der historisch beste Bitcoin-Monat mit durchschnittlichen Renditen von rund 41 Prozent.
Warum die Saisonalität diesmal auf dem Prüfstand steht
Bei aller Statistik: Die Saisonalität des Bitcoin ist kein Naturgesetz. Sie speist sich nicht aus Bilanzsaisons oder Steuerkalendern wie bei Aktien, sondern aus Marktstruktur – Hebel-Bereinigungen, Halving-Zyklen, ETF-Zuflüssen und dem Rhythmus spekulativer Aufmerksamkeit. Manche Muster halten sich über mehrere Zyklen, andere sind das Produkt einzelner Ausnahmejahre. Der Durchschnitt von 77 Prozent ist entsprechend von den Exzessen der Jahre 2013, 2017 und 2020 nach oben verzerrt – der Median von 42 Prozent ist die ehrlichere Kennzahl.
Hinzu kommt das aktuelle Umfeld. Der Bitcoin bleibt eng an Zinsen, Anleiherenditen und die Positionierung der großen Häuser gebunden. Die Zuflüsse in die Spot-ETFs sind zuletzt deutlich abgeebbt, die Volatilität ist auf den tiefsten Stand seit Ende Mai gefallen. Über allem steht die Zinssitzung der Fed im September, deren Ausgang der Markt bislang kaum einpreisen kann.
Ein Argument für die Bullen liefert derweil die On-Chain-Seite: Wale sammelten im Juli rund 270.000 BTC ein, während die Bestände auf den Handelsplätzen auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gefallen sind. Ein knapperes Angebot an den Börsen kann Aufwärtsbewegungen verstärken – wenn die Nachfrage zurückkehrt.
Die Saisonalität spricht klar für ein starkes Schlussquartal – 77 Prozent im Schnitt und acht positive Quartale seit 2013 sind eine Ansage. Doch Anleger sollten die Statistik als Rückenwind verstehen, nicht als Fahrplan. Entscheidend bleibt, ob die ETF-Zuflüsse zurückkehren und die Fed dem Risikoappetit im September Raum gibt. Kurzfristig gibt es vorerst keinen Grund für bullishe Gefühle.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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