Die US-Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale: Während viele Konzerne Rekordgewinne melden und die Aktienmärkte nahe ihrer Höchststände notieren, ist die Stimmung der Verbraucher so schlecht wie selten zuvor. Für den Ökonomen Mark Thornton vom Ludwig von Mises Institute ist das allerdings kein Widerspruch – sondern die direkte Folge jahrzehntelanger lockerer Geldpolitik.
Im Gespräch mit Kitco News argumentiert Thornton, dass künstlich niedrige Zinsen und massive Liquiditätsspritzen vor allem Vermögensbesitzer begünstigt hätten. „Das neue Geld landet zuerst bei bestimmten Gruppen“, sagte Thornton. Diese Gruppen profitierten von frischer Liquidität zu alten Preisen. Erst später komme die Inflation bei den Verbrauchern an – sichtbar „am Küchentisch“.
Tatsächlich zeigt sich die Belastung zunehmend in den Stimmungsdaten. Laut der University of Michigan fiel das Konsumentenvertrauen im Mai auf den historischen Tiefstand von 44,8 Punkten. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass die hohen Preise ihre finanzielle Situation stark belasteten.
Gleichzeitig warnt Thornton vor einer massiven Überbewertung der Aktienmärkte. „Der Markt ist derzeit im historischen Vergleich massiv überbewertet“, sagte er. Sowohl der sogenannte Buffett-Indikator als auch das Shiller-KGV lägen deutlich über ihren langfristigen Durchschnittswerten. Die aktuelle Rally sei vor allem kreditgetrieben – und damit anfällig für Rückschläge.
Auch die US-Notenbank sieht Thornton kritisch. Besonders scharf äußerte er sich zur Ernennung des als geldpolitisch restriktiv geltenden Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef. Den anschließenden Einbruch bei Gold und Silber bezeichnete Thornton als möglichen „größten Schlag gegen den Edelmetallmarkt“. Große Banken könnten frühzeitig über die Personalie informiert gewesen sein und entsprechend reagiert haben.
Eine drastische Zinserhöhung nach dem Vorbild von Ex-Notenbankchef Paul Volcker hält Thornton für unrealistisch. „Die Idee, die Zinsen jetzt massiv anzuheben, würde die Wirtschaft töten“, warnte er. Die US-Staatsverschuldung liege inzwischen bei über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutlich höhere Zinsen würden die Finanzierungskosten des Staates explodieren lassen.
Zusätzlichen Inflationsdruck sieht Thornton durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Der Konflikt in der Region und Probleme rund um die Straße von Hormus hätten Energiepreise und Rohstoffkosten deutlich steigen lassen. „Selbst wenn der Krieg heute enden würde, wären die Schäden an den Produktionskapazitäten noch jahrelang spürbar“, sagte Thornton.
Als Schutz vor Kaufkraftverlust sieht der Ökonom vor allem Edelmetalle im Vorteil. Immer mehr US-Bundesstaaten fördern bereits die Lagerung von physischem Gold und Silber außerhalb des traditionellen Finanzsystems. Thornton ist überzeugt: „Alles Gute kommt von unten nach oben – nichts Gutes kommt von oben nach unten.“
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FAQ:
1. Wer ist Mark Thornton?
Mark Thornton ist ein US-Ökonom der Österreichischen Schule und Senior Fellow am Ludwig von Mises Institute in Alabama. Er beschäftigt sich vor allem mit Geldpolitik, Konjunkturzyklen, Inflation und den Folgen expansiver Zentralbankpolitik. Thornton gilt als scharfer Kritiker der US-Notenbank Fed und warnt regelmäßig vor den Risiken künstlich niedriger Zinsen und hoher Staatsverschuldung.
2. Wieso ist die Staatsverschuldung ein großes Problem für die USA?
Die hohe Staatsverschuldung ist für die USA problematisch, weil steigende Zinsen die Finanzierungskosten des Staates massiv erhöhen. Je mehr Schulden ein Land hat, desto teurer wird es, neue Anleihen auszugeben oder bestehende Schulden zu refinanzieren. Dadurch wächst der Druck auf den Staatshaushalt. Immer größere Summen müssen allein für Zinszahlungen aufgebracht werden – Geld, das dann an anderer Stelle fehlt. Zudem befürchten viele Experten, dass die USA langfristig immer abhängiger von neuen Schulden werden könnten.
3. Kann Gold zum Rettungsanker werden?
Gold gilt für viele Anleger als möglicher Rettungsanker, weil das Edelmetall als Schutz vor Inflation, Währungsabwertung und wirtschaftlicher Unsicherheit angesehen wird. Anders als Papiergeld kann Gold nicht beliebig vermehrt werden und besitzt seit Jahrhunderten einen inneren Wert. Gerade in Zeiten hoher Staatsverschuldung, geopolitischer Krisen und lockerer Geldpolitik steigt deshalb oft die Nachfrage nach Gold. Viele Investoren sehen das Edelmetall als eine Art „sicheren Hafen“, um Kaufkraft zu erhalten und Vermögen abzusichern.
Heute, 14:31